Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf der Suche nach Relikten des Urknalls

15.04.2005


Forscher der Max-Planck-Institute für extraterrestrische Physik und für Physik suchen nach einem neuartigen Elementarteilchen, dem Axion



Wissenschaftler der Max-Planck-Institute für Physik in München und für extraterrestrische Physik in Garching suchen am Europäischen Forschungszentrum CERN in Genf im Rahmen des internationalen Experiments CAST (CERN Axion Solar Telescope) nach Axionen. Diese theoretisch vorhergesagten, elektrisch neutralen Elementarteilchen könnten als Relikte des Urknalls bis heute in der rätselhaften Dunklen Materie, die den Forschern zur theoretischen Erklärung von Masseverteilungen und Bewegungen im Universum dient, überlebt haben.

... mehr zu:
»Axion »CERN »Elementarteilchen »Relikt »Urknalls


Bis jetzt ist die Existenz von Axionen im Weltall nur eine theoretische Vermutung. Doch die elektrisch neutralen Elementarteilchen könnten helfen, ein Rätsel zu lösen, das das Neutron, der elektrisch neutrale Baustein der Atomkerne, den Physikern aufgibt. Das Neutron besteht aus positiv und negativ geladenen Quarks und zeigt im Experiment auch eine messbare räumliche Verteilung seiner Ladung. Dabei fallen die positiven und negativen Ladungsschwerpunkte exakt aufeinander, sodass das elektrische Dipolmoment verschwindet. Dies Verhalten ist im Rahmen der gängigen Theorie der Kernkräfte bis heute nicht verstanden.

Doch die Suche nach den Elementarteilchen gestaltet sich schwierig. Denn die Axionen, wie sie die Physiker jetzt im CAST-Experiment suchen, reagieren kaum mit herkömmlicher Materie. Man spricht daher auch vom "unsichtbaren Axion". Die Physiker vermuten, dass Axionen sehr langlebig sind und deshalb als Relikt des Urknalls bis heute in der rätselhaften ‚Dunklen Materie’ überlebt haben könnten. Falls es Axionen gibt, könnte die Sonne eine sehr starke Quelle für sie sein. In ihrem 17 Millionen Grad heißen Inneren könnten Photonen zu Axionen konvertieren. Diese solaren Axionen gelangen - wie die Sonnenneutrinos - ungehindert zur Erde und könnten hier durch Umgekehrung des Erzeugungsprozesses in der Sonne in einem starken Magnetfeld in nachweisbare Röntgenstrahlung zurückverwandelt werden.

Mit ihren Experimenten am CERN wollen die Forscher nun diese Röntgenstrahlung, die womöglich durch die Axionen hervorgerufen wird, aus der gesamten Röntgenstrahlung, die die Detektoren im CAST-Experiment aus anderen Quellen wie der Höhenstrahlung oder der Gammastrahlung der Umgebung erreicht, herausfiltern. Dazu betreibt die CAST-Kollaboration seit dem Jahr 2003 am CERN ein hochempfindliches magnetisches Helioskop für den Axion-Nachweis. Das Helioskop ist schwenkbar montiert und folgt der Sonne täglich für jeweils etwa 90 Minuten während des Sonnenauf- und -untergangs. Während der restlichen Zeit zeichnen die drei unabhängigen Nachweissysteme von CAST Hintergrunddaten auf. Dieser Detektor wurde zu großen Teilen aus Instrumenten aus anderen Anwendungen aufgebaut. Das erforderliche starke Magnetfeld (9 Tesla) wird von einem 10 m langen supraleitenden Magneten erzeugt, der als Prototyp für die Ablenkmagnete des künftigen Protonen-Beschleunigers LHC (Large Hadron Collider) am CERN gedient hatte. Der Beitrag der beiden Max-Planck-Institute ist ein fokussierendes Teleskop für Röntgenstrahlung, das für eine Satellitenmission in der Röntgen-Astrophysik entwickelt wurde. Durch streifende Reflexion an ineinandergeschachtelten Spiegelflächen wird die aus Richtung der Sonne durch die Magnetöffnung austretende Röntgenstrahlung auf einen wenige Qudratmillimeter kleinen Brennfleck fokussiert. Zum Nachweis der Röntgenstrahlung dient ein am Halbleiterlabor der MPG entwickelter CCD-Detektor hoher Auflösung und Nachweiseffizienz. Der gleiche Detektor ist bereits seit einigen Jahren in der Röntgen-Satellitenmission XMM-Newton erfolgreich im Einsatz.

Erste Ergebnisse der Messungen aus dem Jahre 2003 haben die Physiker bereits veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen kein Signal für solare Axionen, das aus der Röntgenstrahlung herausgefiltert werden konnte. Doch mit ihren Experimenten können die Wissenschaftler bereits angeben, wie groß die Wahrscheinlichkeit für die Umwandlung von Photonen in Axionen in der Sonne und deren Umkehrung in unserem Magneten höchstens sein kann. Diese Wahrscheinlichkeit wird durch die "Kopplungsstärke" beschrieben.

Auch für die Lebensdauer von sehr alten Sternen könnte die Existenz von Axionen eine wichtige Rolle spielen: Falls es die Elementarteilchen nämlich gibt und in einem Stern, etwa wie der Sonne, produziert werden, verlassen sie diesen wegen ihrer geringen Wechselwirkung mit der Sternmaterie ungehindert. Das führt zu einem zusätzlichen Energieverlust, und die Lebensdauer des Sterns würde verringert. Aus der Tatsache, dass sehr alte Sterne existieren, kann wieder eine Obergrenze für die "Kopplungsstärke" gewonnen werden.

In weiteren Experimenten wird die CAST-Kollaboration ab Ende diesen Jahres die Suche nach solaren Axionen zu größeren Massen hin ausdehnen. Hier besteht aufgrund der hohen Nachweisempfindlichkeit des CAST-Experiments die Möglichkeit, Vorhersagen theoretischer Modelle für die Stärke der Wechselwirkung des Axions zu überprüfen, und die Hoffnung, dieses für die fundamentalen Fragen der Kernkräfte und der Natur der "Dunklen Materie" so bedeutsame Teilchen doch noch aufzuspüren.

Dr. Rainer Kotthaus | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mppmu.mpg.de
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Axion CERN Elementarteilchen Relikt Urknalls

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Nanoinjektion steigert Überlebensrate von Zellen
22.02.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung
21.02.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften