Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hubbles tiefer Blick ins Universum wirft Fragen auf

27.09.2004



Das Hubble-Weltraumteleskop hat Astronomen das tiefste und schärfste Bild des fernen Universums geliefert, das jemals erstellt wurde. Es bietet Einblick in einige der frühesten sternbildenden Galaxien.

... mehr zu:
»Galaxie »Hubble »Teleskop »Universum

Das Hubble Ultra Deep Field (HUDF) blickt 95 Prozent des Weges bis zum Urknall zurück und fängt das schwache Licht von Galaxien ein, das leuchtete, als das Universum erst einige Hundert Millionen Jahre alt war. Dieses Licht hat die vergangenen 13 Milliarden Jahre damit verbracht, die Erde zu erreichen.

An der Universität Exeter, Großbritannien, analysierte ein Team unter der Leitung von Andrew Bunker die Daten bereits einen Tag nach der Veröffentlichung durch die amerikanische National Aeronautics and Space Administration (NASA). Die Ergebnisse werden in der Zeitschrift "Monthly notices of the Royal Astronomical Society" veröffentlicht.


Dr. Bunker und seine Kollegen identifizierten anhand der HUDF-Daten 50 wahrscheinliche Galaxien. Ein Teammitglied, Elizabeth Stanway von der Universität Cambridge, erklärte: "Sichtbares Licht von diesen Galaxien wurde schon lange bevor es die Erde erreichte von Gaswolken absorbiert. Das Infrarotlicht dieser Galaxien ist jedoch zu erkennen und genau diese Infrarotfarben bringen uns zu der Annahme, dass diese Galaxien in solch riesigen Entfernungen liegen."

Die Astronomen setzten zwei der größten erdbasierten Teleskope, das zehn Meter lange Keck-Teleskop auf Hawaii und das acht Meter lange Gemini-Teleskop in Chile, ein, um die HUDF-Daten zu überprüfen. "Der Einsatz des größten optischen Teleskops - Keck - war sehr wichtig, da dieses Teleskop bewies, dass die vom Hubble-Weltraumteleskop entdeckten Objekte wirklich unglaublich weit entfernt liegen", erklärte Dr. Bunker.

Anstatt jedoch Antworten auf ungelöste Rätsel zu liefern, hat dieser beispiellose Blick in das frühe Universum eine neue Frage aufgeworfen. Bei der Analyse fand das britische Team nämlich beträchtlich weniger Sterne, als man es für diese Entstehungsphase des Universums erwartet hatte.

Dies lässt gewisse Zweifel an unserem derzeitigen Verständnis der frühen Entstehungsphase des Universums aufkommen. Wissenschaftler vertreten die Ansicht, dass bei der Entstehung der ersten Sterne durch den Gravitationskollaps träger Wolken aus Wasserstoff- und Heliumatomen die von den Sternen erzeugte ultraviolette Strahlung dazu beitrug, die verbleibenden neutralen Gase zu "entzünden" und so das intergalaktische Plasma zu schaffen, das wir heute sehen.

Wie Dr. Bunker jedoch der BBC erklärte, deuten die Hubble-Daten darauf hin, dass die Sternentstehungsrate in diesen frühesten Galaxien nicht ausreichend war, um die für die Schaffung des Plasmas erforderlichen Strahlungsniveaus zu erreichen: "Es gibt nicht genug Aktivität, um die Reionisierung des Universums zu erklären. Vielleicht gab es allerdings in der noch früheren Geschichte des Universums eine erhöhte Aktivität in Bezug auf die Sternenbildung. Dies wäre eine Möglichkeit."

"Eine weitere aufregende Möglichkeit wäre die, dass die Physik im frühen Universum völlig anders war, unser Verständnis des Prinzips, nach dem Sterne entstehen, also fehlerhaft ist", spekulierte er.

Allerdings stimmen nicht alle auf diesem Gebiet tätigen Wissenschaftler Dr. Bunkers Einschätzung zu, und es scheint, dass der einzige Weg, diese Frage zu lösen, in einer Wartungsmission der NASA liegt, um das Hubble-Teleskop aufzurüsten. Es steht jedoch noch nicht fest, ob diese Mission durchgeführt wird. Daher müssen sich die Wissenschaftler möglicherweise gedulden, bis Anfang des nächsten Jahrzehnts der Nachfolger von Hubble, das James Webb Teleskop, ins All eingebracht wird.

| CORDIS Nachrichten
Weitere Informationen:
http://hubblesite.org/
http://www.pparc.ac.uk
http://www.bbc.co.uk

Weitere Berichte zu: Galaxie Hubble Teleskop Universum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor
23.02.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Kühler Zwerg und die sieben Planeten
23.02.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie