Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bodenstation für MOST-Satellit in Wien auf der Suche nach dem Mindestalter des Universums

03.08.2004


Erstes zur Erde gesendetes Bild, aufgenommen vom MOST-Teleskop.


Bodenstation in Wien


Eine Bodenstation zur Satellitenbeobachtung in Wien, die mit dem Satelliten MOST (Microvariability and Oscillations of Stars) "kommuniziert" - Telekom-Experten der Technischen Universität Wien machen es möglich. Ziel der dreijährigen MOST-Mission: die Klärung des Mindestalters des Universums.

... mehr zu:
»Astronomie »Bodenstation »MOST »Satellit

Die Leidenschaft für Sterne und den Amateurfunk hat Telekom-Experten der Technischen Universität Wien auf den Plan gerufen. Als es nämlich darum ging, eine extrem günstige Bodenstation zur Satellitenbeobachtung in Wien zu realisieren, die mit dem Satelliten MOST "spricht". Das Ziel der 3-jährigen MOST-Mission ist die Klärung des Mindestalters des Universums. Erkenntnis erwartet man sich weiters darüber, ob auch andere Sonnen Planeten haben, die der Erde ähnlich sind, und den inneren Aufbau von Sternen.

Es begann mit dem kanadischen Weltraumprojekt MOST - Microvariability and Oscillations of Stars. Gemessen werden soll das "Vibrieren" von Sternen, um so Rückschlüsse über deren inneren Aufbau ziehen zu können. Kennt man diesen, kann man daraus das Mindestalter des Universums eruieren. Gesucht wird bei der Mission auch nach Exoplaneten, d.h. Planeten außerhalb unseres Sonnensystems.


Ausgangspunkt bei MOST waren zwei Bodenstationen in Kanada (Vancouver, Toronto). Man wollte jedoch auch auf der anderen Seite der Weltkugel eine Bodenstation installieren. Der Grund: der Satellit ist auf der anderen Welthalbkugel sichtbar, wenn er es in Kanada nicht mehr ist. Mit einer weiteren Station auf der gegenüberliegenden Seite kann die Datenkapazität verdoppelt und die astronomischen Beobachtungen in derselben Größenordnung erweitert werden. Je mehr Daten vorhanden sind, desto zuverlässigere Antworten können auf die zu beantwortenden Fragen, unter anderem nach dem Mindestalter des Universums, gegeben werden.

Übers Amateurfunken an die richtigen Experten

Prof. Werner Weiss vom Institut für Astronomie der Universität Wien wurde kurz nach Projektbeginn von den kanadischen Kollegen eingeladen, mitzuforschen. Er hat die Einladung gerne angenommen. In Wien sollte eine Bodenstation und ein Datenzentrum zur Auswertung der gewonnenen Daten entstehen. Nachdem es am Know-how zum Aufbau der erforderlichen Kommunikation mit dem MOST-Satelliten gefehlt hat, mussten Telekom-Experten her.

Werner Weiss hat sich der Qualitäten seiner Forscherkollegen Arpad Scholtz und Werner Keim, beide vom Institut für Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik an der TU Wien, besonnen und sie ins Forschungsboot geholt. Über die gemeinsame Leidenschaft zum Amateurfunk haben die Wissenschafter schließlich zusammengefunden. Ausschlaggebend war natürlich in erster Linie der gute Ruf, den das Institut für Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik in Sachen Telekommunikation weltweit genießt. Mit dem TU-Know-how ist es gelungen, die Kommunikation mit dem Satelliten zu ermöglichen. Ausgewertet werden die Daten unter anderem am Institut für Astronomie an der Universität Wien.

Mit ASA-Finanzierung zur Wiener Bodenstation

"Die große Herausforderung der Bodenstation in Wien bestand im Bau einer zuverlässigen, autonom arbeitenden und gleichzeitig kostengünstigen Erdefunkstelle in urbaner Umgebung", sind sich Werner Keim und Arpad Scholtz einig. Die Anforderung war von Haus aus, dass sowohl die Installation, als auch Betrieb und Wartung wenig kosten sollen. Der Wiener Beitrag zum Projekt MOST wurde von der Austrian Space Agency (ASA) finanziert. Für die Hardware der Bodenstation standen rund Euro 50.000,- zur Verfügung.

Um einen lupenreinen Empfang der Daten vom Satelliten zu gewährleisten, ist eine sorgfältige Planung der Station erforderlich. "Die Daten vom Satelliten MOST können störungsfrei und in ausgezeichneter Qualität empfangen werden", beantwortet Werner Keim die Frage nach der Verwertbarkeit der Daten. Keim, der seine Dissertation über die Bodenstation in Wien geschrieben hat, vereint für die Wien-Mission optimale Eigenschaften: er ist mit Leib und Seele Telekom-Forscher, gibt sich aber auch mit der nötigen Leidenschaft der mit dem Projekt verknüpften Astronomie hin.

Gleich zu Beginn der MOST-Mission erlebten die Forscher eine Überraschung: während Astronomen davon ausgegangen sind, dass der erste durch MOST beobachtete Stern, Procyon, ähnlich pulsiert wie unsere Sonne, war nichts dergleichen der Fall. Dieses Ergebnis wurde auch in "Nature" im Juli publiziert.

Sie kommuniziert, und kommuniziert, und kommuniziert ........ automatisch

Der 50 Kilogramm-Satellit MOST mit den Abmessungen eines kleinen Koffers fliegt in 830 km Höhe und ist von Wien aus zwischen 6 und 8 Mal pro Tag sichtbar. Das hat nichts mit Zufallstreffern zu tun, sondern liegt an den Gesetzen der Himmelsmechanik. Während der Satellit stur auf seiner vorgegebenen Bahn rotiert, dreht sich die Erde - dadurch entsteht eine Verschiebung im Verhältnis zur Satelliten-Flugbahn.

Normalerweise baut man eine Bodenstation ins Grüne. Nachdem das aber einerseits sehr kostspielig, andererseits im Wartungsfall sehr aufwändig ist, wurde die Bodenstation - eine Parabolantenne mit drei Metern Durchmesser für den Empfang der Daten und eine Yagi-Antenne zum Senden der Daten - am Institut für Astronomie der Universität Wien montiert. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit wurde die Anlage in Betrieb genommen. Seit einem Jahr funktioniert die Bodenstation einwandfrei, laufend werden wertvolle Daten empfangen.

Rückfragehinweis:

Dipl.-Ing. Dr.techn. Arpad Scholtz
Technische Universität Wien
Institut für Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik
Gußhausstr. 25-29, A-1040 Wien
Tel.: +43-1-58801-38945 oder-78960
Fax: +43-1-58801-38999
E-mail: arpad.scholtz@tuwien.ac.at

Irene Zöhrer | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at
http://www.tuwien.ac.at
http://www.astro.univie.ac.at

Weitere Berichte zu: Astronomie Bodenstation MOST Satellit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht APEX wirft einen Blick ins Herz der Finsternis
25.05.2018 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

nachricht Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie
23.05.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics