Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum Eta Carinae so launisch leuchtet

21.07.2004


Bild vom Hubbel Weltraumteleskop von Eta Carinae mit seinem kleinen sog. Homunkulus-Nebel


Gaskomplex mit NGC 3372 mit vielen massereichen Sternen. Eta Carinae ist das helle Objekt im Zentrum.


RUB-Astronomin erhält Lise-Meitner-Preis

... mehr zu:
»Carinae »Eta »Hülle »LBV »Spektrum

Versteckt hinter zwei Nebeln liegt der rätselhafte Stern, den Dr. Kerstin Weis (Astronomisches Institut der RUB) für ihre Habilitation entlarven will: Eta Carinae ist ein sog. Leuchtkräftiger Blauer Veränderlicher (LBV), er verändert aus bisher ungeklärten Gründen in bestimmten zeitlichen Abständen sein Spektrum. Ist er von einer Hülle umgeben, die ihn pulsieren lässt? Oder ist er in Begleitung eines anderen massereichen Sterns unterwegs, der zeitweise seine Strahlung absorbiert? Diese Fragen will Dr. Weis anhand neuer, unvergleichlich detaillierter Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops (HST) und des Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile beantworten. Bei ihrer Arbeit wird sie für die nächsten zwei Jahre mit dem Lise-Meitner-Stipendium des NRW-Wissenschaftsministeriums unterstützt.

Vom massereichen Stern zum Leuchtkräftigen Blauen Veränderlichen


Eta Carinae wird auf ca. 120 Sonnenmassen geschätzt. Solche massereichen Sterne haben eine vergleichsweise kurze Lebensdauer und entwickeln sich schnell von stabilen Sternen zu Leuchtkräftigen Blauen Veränderlichen (LBV), die kühler sind und durch Sternwinde viel von ihrer Masse verlieren. Geladene Teilchen werden dabei von der Oberfläche ins All geschleudert. Die Helligkeit der LBVs variiert, manchmal kommt es auch aus bisher ungeklärten Gründen zu großen Eruptionen, in denen der Stern schlagartig seine Helligkeit um mehr als das hundertfache steigert. Auch das Spektrum der LBVs verändert sich.

Sternenpaar im dichten Nebel

Eta Carinae ist unter den LBVs derjenige, der uns am nächsten ist: Rund 7500 Lichtjahre ist er von der Erde entfernt. Was ihn außerdem besonders macht, ist, dass er erst kürzlich - 1847 - seine letzte große Eruption hatte. Damals war der Stern am Himmel sogar mit bloßem Auge als zweithellster Stern überhaupt zu sehen. Sein Spektrum verändert sich regelmäßig in einem Rhythmus von 5,52 Jahren. Aber was ruft diese Veränderungen hervor? Die Forscher haben dazu zwei Modelle entwickelt: Möglich wäre, dass ein weiterer massereicher Stern in seiner Nähe ist, mit dem er sich umkreist. Dabei kollidieren die beiden Sternwinde und produzieren Röntgenstrahlung. Die kühlere Atmosphäre des einen Sterns hebt bei größerer Nähe zwischen den beiden einige Strahlung des anderen auf, so dass sie nicht mehr messbar ist. Der Nachweis dieses Modells ist schwierig, denn zum einen würden alle Messungen immer beide Sterne auf einmal erfassen, zum anderen ist Eta Carinae von zwei Nebeln umgeben. Einer davon ist der dichte, staubreiche Homunkulusnebel, der die Verhältnisse in seinem Inneren verschleiert.

Einzelgänger mit pulsierender Hülle

Ein anderes mögliches Szenario ist, dass Eta Carinae - als Einzelgänger - eine massereiche Hülle hat, die den Stern kühlt und Staub bildet, der wiederum das Spektrum des Sterns absorbiert. Nach einer gewissen Expansion wird die Hülle möglicherweise abgestoßen, so dass sich der Stern wieder zusammenzieht und irgendwann eine neue Hülle abstößt: Der Stern pulsiert. Eine Pulsationsperiode von 5,52 Jahren wäre möglich.

Hochaufgelöste Spektren über lange Zeit

Wie Eta Carinae nun wirklich beschaffen ist, will Dr. Kerstin Weis anhand von Beobachtungen mit dem Very Large Telescope und dem Hubble-Weltraum-Teleskop herausfinden. "Die Aufnahmen sind schon ca. zu 90 Prozent gemacht und können ab sofort ausgewertet werden", so die Astronomin. Gerade die VLT-Daten haben einige entscheidende Vorteile, z. B. ist ihre spektrale Auflösung erheblich höher als die anderer Daten. Zudem wurden die Aufnahmen mit dem VLT kontinuierlich gemacht - beim Hubble-Teleskop werden nur alle ein bis zwei Monate Aufnahmen gemacht. Diese gute zeitliche Abdeckung ermöglicht es ihr, nach weiteren Periodizitäten zu suchen. Sog. Langspaltspektroskopien, die nur einen bestimmten Abschnitt des Sterns erfassen, sollen Aufschluss über die Temperaturen an verschiedenen Stellen des Sterns geben. Daraus wiederum lassen sich Rückschlüsse auf seine Expansion ziehen. Anhand der HST-Bilder könnte es gelingen, Nebel und Stern(e) voneinander zu trennen. Eine weitere Frage, mit der sich Kerstin Weis beschäftigt, ist die Herkunft der Nebel.

Lise-Meitner-Stipendium

Mit dem Lise-Meitner-Stipendium fördert das NRW-Wissenschaftsministerium junge Wissenschaftlerinnen auf ihrem Weg in die Spitzenforschung. Die Frauen werden für jeweils zwei Jahre bei ihrer Habilitation unterstützt, mit der Wissenschaftler den Nachweis der ihrer Lehrbefähigung erbringen und sich um eine Professur an Hochschulen bewerben können.

Weitere Informationen

Dr. Kerstin Weis, Astronomisches Institut der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-23450, E-Mail: kweis@astro.rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de

Weitere Berichte zu: Carinae Eta Hülle LBV Spektrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin
23.01.2017 | Ferdinand-Braun-Institut Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik

nachricht Einblicke ins Atom
23.01.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie