Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Superscharfes Infrarot-Auge für die europäische Südsternwarte

06.04.2004


Ein neuartiges Infrarotinstrument am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ermöglicht die Bildschärfe eines 200-Meter-Riesenteleskops


Erste Aufzeichnung eines Interferenz-Bildes mit AMBER. Das beobachtete Objekt ist der nahe Stern Sirius, spektral aufgelöst mit Interferenzsystemen bei vielen verschiedenen Wellenlängen.
Bild: AMBER-Konsortium


Das AMBER-Instrument. Der komplexe Aufbau enthält eine große Anzahl von optischen und mechanischen Komponenten für Interferometrie und gleichzeitige Spektroskopie.
Bild: AMBER-Konsortium



Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien, Staubscheiben um junge Sterne, Planeten anderer Sonnen zu erforschen, erfordert Messungen mit extremer Bildschärfe. AMBER, der "Astronomical Multi BEam Recombiner", ist ein neues Instrument, das Licht von gleich drei der 8,2 Meter-Einzelteleskope der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile miteinander "interferometrisch" kombinieren kann. Dadurch wird die Bildschärfe eines Teleskops von 200 Metern Durchmesser erreicht. Die europäischen Astrophysiker verfügen damit über ein Instrument, das erstmalig eine spektakuläre Bildschärfe im nah-infraroten Spektralbereich ermöglicht. Die erste astronomische Messung mit AMBER ist am 23. März 2004 gelungen. An dem europäische Konsortium, das AMBER gebaut hat, sind folgende Institute beteiligt: Laboratoire Universitaire d’Astrophysique de Nice (LUAN), Laboratoire d’Astrophysique de l’Observatoire de Grenoble (LAOG), Laboratoire Gemini de l’Observatoire de la Côte d’Azur (OCA), Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIFR) in Bonn und Osservatorio Astrofisico di Arcetri (OAA) in Florenz. Principle Investigator (PI) dieses Projektes ist Romain Petrov von der Universität in Nizza. Für die Entwicklung der Infrarot-Kamera und die Datenerfassungssoftware war die Forschungsgruppe für Infrarot-Interferometrie unter Leitung von Prof. Gerd Weigelt am Max-Planck-Institut für Radioastronomie verantwortlich.

... mehr zu:
»AMBER »Astrophysik »Südsternwarte


Planeten um benachbarte Sonnen beobachten? In den Kernbereich entfernter Galaxien hineinspähen? Die Umgebung von Schwarzen Löchern erforschen? Das klingt wie ein Traum für Astrophysiker. Mit AMBER sind solche Untersuchungen möglich. AMBER ist ein Interferometrie-Instrument für den Nah-Infrarotbereich und hat am "Very Large Telescope" (VLT) der Europäischen Südsternwarte auf dem Cerro Paranal in Chile soeben seine ersten Messungen durchgeführt. Am 23. März 2004 gelang es, ein spektral aufgelöstes Interferenz-Bild des nahen Sterns Sirius aufzunehmen.

AMBER kann das Infrarot-Licht von zwei oder drei Teleskopen miteinander interferometrisch vereinigen. Dadurch wird die Bildschärfe extrem gesteigert. Da der Abstand der Einzelteleskope des VLT bis zu 200 Meter betragen kann, erhält man Bilder mit einer Auflösung wie bei einem Teleskop von 200 Metern Durchmesser - also 25fach schärfer als bei den Einzelteleskopen des Very Large Telescopes. Außerdem ermöglicht AMBER gleichzeitig die Messung bei vielen verschiedenen Wellenlängen.

Inzwischen haben Astronomen bereits über hundert Forschungsprojekte zur Beobachtung angemeldet, und noch viel mehr werden in Zukunft von europäischen Instituten erwartet. Darunter befinden sich viele Anträge zu Schlüsselthemen der aktuellen Astrophysik, wie die Untersuchung von jungen Sternen und deren Staubscheiben, aus denen gerade neue Planetensysteme entstehen, die Physik der Schwarzen Löcher in den Kernbereichen von Galaxien oder der direkte Nachweis der Strahlung von extrasolaren Planeten. AMBER kann die Massen und Spektren solcher Planeten und möglicherweise sogar ihre Atmosphären erforschen.

Am europäische AMBER-Konsortium sind fünf Institute aus drei Ländern beteiligt. Die Leitung des Projektes ist in Nizza und Grenoble. Die Infrarot-Kamera von AMBER und das Datenerfassungssystem wurde vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Das italienische Osservatorio Astrofisico di Arcetri hat das gekühlte Spektrometer beigetragen. Beide Institute tragen jeweils 25 Prozent der Gesamtkosten. Die optischen- und mechanischen Teilsysteme und die Kontroll-Software für das Instrument wurden an der Universität Nizza hergestellt, mit Unterstützung durch das Observatoire de Bordeaux, dem IRCOM und INSU. Das Laboratoire d’Astrophysique de l’Observatoire de Grenoble übernahm die Verantwortung für die Software sowie für den Test und Zusammenbau der Teilsysteme.

"Das ESO Very Large Telescope Interferometer wird gemeinsam mit dem AMBER-Interferometrie-Instrument völlig neuartige Forschungsprojekte ermöglichen, denn es kann die extreme Auflösung von einer Milli-Bogensekunde bei der Wellenlänge von einem Mikrometer liefern," erklärt Prof. Gerd Weigelt, Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. "Diese hohe Bildschärfe ist sehr wichtig für die Erforschung von Sternen während ihrer Entstehung, von Zentren ferner Galaxien, Planeten anderer Sonnen und vielen anderen Schlüsselobjekten der Astrophysik."

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Prof. Gerd Weigelt (Projektleiter für AMBER am MPIfR)
Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn
Tel.: 0228 525-243, Fax: -229
E-Mail: weigelt@mpifr-bonn.mpg.de

Udo Beckmann, (Technischer Leiter für AMBER am MPIfR)
Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn
Tel.: 0228 525-321, Fax: -229
E-Mail: ub@mpifr-bonn.mpg.de

Dr. Norbert Junkes (Öffentlichkeitsarbeit)
Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn
Tel.: 0228 525-399, Fax: -438
E-Mail: njunkes@mpifr-bonn.mpg.de

Dr. Andreas Trepte | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpifr-bonn.mpg.de

Weitere Berichte zu: AMBER Astrophysik Südsternwarte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Heiß & kalt – Gegensätze ziehen sich an
25.04.2017 | Universität Wien

nachricht Astronomen-Team findet Himmelskörper mit „Schmauchspuren“
25.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie