Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vor 100 Jahren: Potsdamer entdeckt kaltes Gas vor heißem Stern

09.03.2004



Der Raum zwischen den Sternen ist nicht leer. Er enthält Gas und Staub. Dass es, für uns unsichtbar, kaltes interstellares Gas gibt, entdeckte vor 100 Jahren der Potsdamer Astronom Johannes Franz Hartmann. Als Instrument benutzte er u.a. den 1899 auf dem Potsdamer Telegraphenberg aufgestellten Großen Refraktor (Bild). Der Potsdamer Große Refraktor ist ein Doppelfernrohr mit 80 bzw. 50 cm Linsendurchmesser. Er wird zur Zeit restauriert.

... mehr zu:
»Astronom »Prismen »Refraktor »Spektrum

Das Weltall enthält mehr als Sterne. Es ist u.a. angefüllt mit Gas und Staub. Diese interstellare Materie ist nicht nur außerordentlich dünn, sie ist wichtig: Aus ihr entstehen Sterne.

In Gegenden, wo gerade Sterne geboren sind, wie im Orionnebel, leuchtet das inter- stellare Gas. Woanders ist der fein verteilte Stoff kalt und unsichtbar. Dennoch ent- deckte Prof. Hartmann vor 100 Jahren nichtleuchtendes interstellares Gas. Im März 1904 erfuhr die Welt davon.


Hartmann war Spektroskopiker. Er zerlegte mit Hilfe von Prismen das Licht der Sterne in seine farblichen Bestandteile, ein Spektrum. Zuweilen bedient sich Natur der Regentropfen, um einen Regenbogen an den Himmel zu zaubern. Die Wassertröpfchen wirken wie die Prismen eines Spektralapparats. Bei Sternen ist es nicht ganz so einfach, Spektren zu gewinnen. Man braucht dazu große Teleskope. Ein Spektrum verrät vielüber den Stern, insbesondere die Stellen im Spektrum, wo Farbe fehlt. Eine dunkle Linie kündet vom Vorhandensein eines bestimmten chemischen Elements.

Hartmanns Augenmerk galt dem rechten der drei Gürtelsterne des Orion, delta-Orionis. Star-Trek-Fans kennen ihn unter dem Namen Mintaka. Ein Pariser Astronom hatte behauptet, es handele sich um einen spektroskopischen Doppelstern. Hartmann sollte das auf Geheiß seines Chefs, des Geh. Oberregierungsrats Vogel, nachprüfen. Es stimmte. 1000 Lichtjahre von uns entfernt umkreisen einander zwei Sterne, aneinandergekettet durch die Schwerkraft.

Hartmann fand die richtige Umlaufzeit heraus: 5 Tage 17 Stunden 34 Minuten. Bei dem ge- ringen Abstand der beiden Sterne voneinander — sie sind einander näher als der Merkur der Sonne —, ist das Sternenpärchen auch mit den größten Fernrohren nicht zu trennen. Aber spektroskopisch verraten sie sich durch ihre Umlaufbewegung. Mal kommt der Hauptstern auf uns zu, mal sein Begleiter. Das macht sich in einer periodischen Verschiebung der Spektralli- nien (Dopplereffekt) bemerkbar.

Berühmt machten Hartmann aber nicht die beweglichen Spektrallinen, vielmehr die ruhenden. Letztere konnten nicht vom Stern sein. Sie verrieten, "dass sich eine aus Calciumdämpfen bestehende Nebelmasse zwischen uns und dem Stern befindet", so Direktor Vogel, als er der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin davon Meldung machte. Kalzium ist nur ein Spurenelement im Kosmos, aber das konnte Hartmann noch nicht wissen.

Der gebürtige Erfurter ist in der Welt herumgekommen. Der Potsdamer Große Refraktor verdankt ihm viel. Heute noch unterwirft man astronomische Optiken dem "Hartmanntest", um ihre Güte zu beurteilen. Von Potsdam ging Hartmann 1909 nur ungern weg, zunächst nach Göttingen. Seine Osterformel, die kürzer als die von Karl Friedrich Gauß ist, einem anderen berühmten Göttinger, brachte ihn noch zu Lebzeiten in den le Brockhausil. Die zwanziger Jahre sahen ihn in La Plata. Jahrelang stand er der argentinischen Sternwarte als Direktor vor. Hartmann verstarb 1936, 71-jährig, in Göttingen.

Seine spektrografischen Aufnahmen sind wieder gefragt. Sie weilen z.Z. in Kanada und dienen einem höchst irdischen Zweck. Vielleicht, dass sich durch sie herausfinden lässt, ob es bereits um 1900 ein Ozonloch gab. Das Ozon der Stratosphäre sollte spektroskopische Spuren auf den Hartmannschen Photoplatten hinterlassen haben.


Kontakt:
Dr.H.-E.Fröhlich (AIP)
Tel.: +49 331 7499513
eMail: hefroehlich@aip.de

Matthias Hassenpflug | AIP
Weitere Informationen:
http://www.aip.de/highlight archive/hartmann/

Weitere Berichte zu: Astronom Prismen Refraktor Spektrum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Die Sonne: Motor des Erdklimas
23.08.2017 | Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft, München

nachricht Entfesselte Magnetkraft
23.08.2017 | Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft, München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie