Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Überprüfung von Einsteins Theorie

05.05.2003



FH-Student hilft, dem Klang der schwarzen Löcher auf die Spur zu kommen


Markus Hassel hat als Student der Elektrotechnik und Informatik an der FH in seiner Diplomarbeit einen wichtigen Beitrag zu einem ehrgeizigen Weltraumprojekt geleistet, das gemeinsam von dem Weltraumbehörden NASA und ESA durchgeführt wird. Die Arbeit wurde von Prof. Dr. Erhard Bühler betreut und beim Europäischen Raumfahrtkonzern EADS in Immenstaad am Bodensee (früher Dornier) durchgeführt. Bei dieser außergewöhnlichen Arbeit mit dem Titel: "Modellierung und Regelung einer Satellitenformation" geht es um die Entwicklung eines empfindlichen Empfängers im Weltraum zur Messung von Albert Einsteins vorhergesagten, bislang aber nicht bewiesenen Gravitationswellen.

Bei solchen Schwerewellen wird der Raum verformt. Sie machen sich als winzige Stauchungen und Streckungen bemerkbar, die mit moderner Technik gemessen werden könnten. Dazu müssen diese Wellen aber hinreichend stark sein, wie das z.B. bei der Kollision zweier schwarzer Löcher im Universum der Fall sein könnte. NASA und ESA wollen nun in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Namen LISA (Laser Interferometer Space Antenna) dem "Klang der schwarzen Löcher" auf die Spur kommen.


LISA wird das bislang größte von Menschenhand geschaffene technische System sein. Es besteht aus drei synchron hinter der Erde her fliegenden Satelliten, die im Innern sechs frei schwebende kleine Goldwürfel enthalten und zueinander einen Abstand von 5 Millionen km haben. Gravitationswellen ändern nun diesen Abstand geringfügig, was über Laserstrahlen gemessen wird. Die Änderungen sind unvorstellbar klein: Sie betragen höchstens eins zu einem Milliardstel eines Milliardstels. Die Entfernung Erde Mond würde sich somit in der Größenordnung von nur einem Atomdurchmesser ändern.

Voraussetzung für diese ehrgeizige Messaufgabe ist natürlich die exakte Regelung und Ausrichtung der Satelliten mit ihren Laserstrahlen und Empfangsteleskopen. Hier lag der Schwerpunkt der Diplomarbeit von Markus Hassel. Er konnte dabei auf seine Erfahrungen an der FH zurückgreifen, wo er im Regelungstechniklabor des Studiengangs Elektrotechnik mit einem modernen Entwicklungswerkzeug erfolgreiche Projektarbeiten durchgeführt hat. Es handelt sich um das bekannte Programm "Matlab", das in den letzten Jahren stark an Bedeutung ge-wonnen hat und oft als Taschenrechner des Ingenieurs bezeichnet wird. Es wird von Prof. Bühler bereits im Grundstudium einsetzt.

Das selbe Programm kam auch bei zwei kürzlich von Prof. Bühler betreuten Diplomarbeiten zum Einsatz. Dabei ging es um die Entwicklung einer neuen umweltfreundlichen Klimaregelung für Kraftfahrzeuge bei BMW (Marcus Schieritz ) sowie um Algorithmen zur optimalen Airbag-Auslösung bei VW (Andree Reiners).

Markus Hassel: "Ich war schon immer von der Raumfahrt fasziniert und habe mir mit dieser Arbeit einen großen Wunsch erfüllt." Er kann Praktika bei EADS anderen Studenten nur empfehlen, zumal es auch am Bodensee ein vielseitiges Freizeitangebot gibt. Für die Zukunft strebt er weiter eine Tätigkeit im Bereich Regelungstechnik/Simulation an, z.B. Fahrwerksregelung bei Bosch, am liebsten im Großraum Stuttgart - hier studiert auch seine Freundin.

Für die aktuelle Diplomarbeit bekam Markus Hassel die Note sehr gut. Prof. Bühler: Bemerkenswerter ist jedoch die Tatsache, dass ein Student auf Grund seiner Kenntnisse, die er an unserer FH im Umgang mit modernen Entwicklungswerkzeugen erlangt hat, unter mehreren Bewerbern für solche anspruchsvollen wissenschaftlichen Aufgaben ausgewählt wurde, die normalerweise fest angestellten Wissenschaftlern vorbehalten sind.

Trotz des bescheidenen Stolzes über das Erreichen pädagogischer Ziele sind die Anforderun-gen an die Professoren nicht immer einfach. Das Fachwissen explodiert, Zusammenhänge und Methoden werden komplexer und die Politik fordert kürzere Studienzeiten. Prof. Bühler, der selbst bei Dornier am Bodensee für die Raumfahrt Satelliten entwickelt hat, sieht dafür fol-gende Problemlösung: "Weg von Faktenwissen und tiefer Theorie und hin zu Systemdenken und ingenieurgerechter Nutzung moderner Entwicklungswerkzeuge. Dabei die Studierenden noch zu motivieren, ist eine Herausforderung, die sogar Spaß machen kann."

Maren Eilers | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-oow.de

Weitere Berichte zu: Entwicklungswerkzeug Satellit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht
29.05.2017 | Leibniz-Institut für Photonische Technologien e. V.

nachricht Schnell wachsende Galaxien könnten kosmisches Rätsel lösen – zeigen früheste Verschmelzung
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

29.05.2017 | Physik Astronomie

Deutschlandweit erstmalig: Selbstauflösender Bronchial-Stent für Säugling

29.05.2017 | Medizintechnik

Professionelle Mooszucht für den Klimaschutz – Projektstart in Greifswald

29.05.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz