Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein neuer Atlas des Röntgenhimmels

10.04.2003


Astronomen legen Katalog kosmischer Röntgenquellen vor, die der europäische Satellit XMM-Newton beobachtet hat



Einer der umfangreichsten Kataloge kosmischer Röntgenquellen wurde jetzt der internationalen Astronomengemeinde zur Nutzung übergeben - als das kondensierte Resultat von mehr als zweijährigen Beobachtungen mit dem Röntgensatelliten XMM-Newton der Europäischen Raumfahrtagentur ESA: Der Katalog verzeichnet etwa 30 000 Sterne und Galaxien sowie weitere Quellen, von denen viele erstmals im Röntgenlicht beobachtet wurden.



Der XMM-Newton-Katalog basiert auf den Bildern von Röntgenkameras im Brennpunkt dreier identischer Teleskope, die jeweils dasselbe - etwa dem Vollmond entsprechende - Himmelsareal erfassen. Jede Aufnahme zeigt einige Dutzend bis einige Hundert Röntgenquellen. Neben deren Position, ihrer Helligkeit und ihrer "Röntgenfarbe" liefert der Katalog eine Vielzahl ergänzender Informationen aus bereits vorliegenden astronomischen Verzeichnissen in anderen Spektralbereichen. Spätere Versionen des Katalogs, die im Lauf der weiteren, auf insgesamt zehn Jahre veranschlagten XMM-Newton-Mission erarbeitet werden, sollen mehr als 100 000 Röntgenquellen beschreiben.

Das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching bei München war maßgeblich an der Entwicklung der Teleskopspiegel und der Röntgendetektoren von XMM-Newton beteiligt. Aus dem MPE kommt auch ein wesentlicher Teil der Software für die Erstellung des Katalogs und die weitere Analyse der Daten - die als Teil des gesamten Datenanalyse-Softwarepakets der ESA nun allen interessierten Forschern zur Verfügung steht.

Die Garchinger Wissenschaftler ernten als Lohn für ihre Leistung neue Einblicke in den Röntgenhimmel. So wurden beispielsweise im Rahmen der bisher längsten Beobachtung mit dem XMM-Newton-Satelliten - bei einer Gesamt-Belichtungszeit von rund einer Million Sekunden - zahlreiche Galaxien aufgespürt, in deren Zentren massereiche Schwarze Löcher energiereiche Röntgenstrahlung aussenden. Diese Schwarzen Löcher liegen normalerweise hinter Gas- und Staubwolken verborgen; nur Röntgenstrahlen hoher Energie durchdringen diese Barriere - und damit leistet XMM-Newton einen wichtigen Beitrag zum Verständnis massereicher Schwarzer Löcher, die ihrerseits eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Universums spielen.

XMM-Newton ist Nachfolger des deutschen Röntgensatelliten ROSAT, der am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik entwickelt wurde. Viele der mit ROSAT gewonnenen Erfahrungen in der Detektor- und Software-Technik gingen in den neuen Satelliten ein. So kann der am 10. Dezember 1999 gestartete XMM-Newton wesentlich schwächere Röntgenquellen in einem größeren Energiebereich mit höherer Genauigkeit erfassen. Und anders als ROSAT, der den gesamten Himmel nach Röntgenquellen durchforstete - und dabei an die 100 000 Objekte aufdeckte -, konzentriert sich XMM-Newton auf die ausführliche Untersuchung umschriebener Himmelsgebiete. Dank seiner neu entwickelten Optik erfasst er dabei Quellen, die für ROSAT noch hinter Gas- und Staubschwaden verborgen blieben - und öffnet damit ein Fenster zum Studium bislang "verdunkelter Objekte", darunter Schwarze Löcher und neu geborene Sterne.

Der neue Röntgenkatalog wurde im Namen der ESA durch das XMM-Newton Survey Science Centre erstellt. Daran sind - unter der Leitung von Dr. Mike Watson von der Universität Leicester (UK) - neben dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und dem Astrophysikalischen Institut Potsdam sieben weitere europäische Institute beteiligt. Auf Seiten der ESA ist Dr. Fred Jansen für das Projekt XMM-Newton zuständig - und hoch zufrieden über die erste Ausgabe des Katalogs: "Er liefert die Standard-Referenz für die nächsten Jahrzehnte - mit reichen Informationen über eine gewaltige Zahl neuer Objekte am Röntgenhimmel."

Die deutsche Beteiligung an XMM-Newton (Teleskopwissenschaftler, EPIC-Kamera, Survey Science Center) wurde vom Deutschen Zentrum fur Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Heidenhain-Stiftung gefördert.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Prof. Günther Hasinger
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching
Tel.: 089 - 30000-3401
Fax: 089 - 30000-3404
E-Mail: ghasinger@mpe.mpg.de

Dr. Hermann Brunner
Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching
Tel.: 089 - 30000-3574
Fax: 089 - 30000-3569
E-Mail: hbrunner@mpe.mpg.de

Dr. Bernd Wirsing | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpe.mpg.de

Weitere Berichte zu: ESA ROSAT Röntgenhimmel Röntgenquelle XMM-Newton

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt
17.10.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

nachricht Vorhersagen bestätigt: Schwere Elemente bei Neutronensternverschmelzungen nachgewiesen
17.10.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikroben hinterlassen "Fingerabdrücke" auf Mars-Gestein

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vorhersagen bestätigt: Schwere Elemente bei Neutronensternverschmelzungen nachgewiesen

17.10.2017 | Physik Astronomie

Kaiserschnitt-Risiko ist vererbbar

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie