Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse über Kleinplaneten im frühen Sonnensystem

01.04.2003


Dr. Mario Trieloff, Mineralogisches Institut der Universität Heidelberg: Ergebnisse sind für die Geschwindigkeit der Planetenbildung im frühen Sonnensystem wichtig, und somit auch für die Wahrscheinlichkeit der Planetenbildung um andere junge Sterne



"Unsere Forschungsergebnisse erlauben die detaillierte Rekonstruktion der Abkühlungsgeschichte eines Asteroiden im frühen Sonnensystem. Sie zeigen, dass die Zerfallswärme des kurzlebigen Isotops 26Al zur effektiven Erwärmung der Kleinplaneten geführt hat. Somit muss die Planetesimalbildung sehr schnell erfolgt sein." Mit diesen Worten fasst Dr. Mario Trieloff vom Mineralogischen Institut der Universität Heidelberg eine neue Arbeit zusammen, die in der Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" vom 3. April veröffentlicht wird ("Structure and thermal history of the H-chondrite parent asteroid revealed by thermochronometry" von Mario Trieloff (Mineralogisches Institut der Universität Heidelberg), Elmar Jessberger (Institut für Planetologie, Universität Münster), Ingrid Herrwerth (Max-Planck-Institut für Kernphysik, Heidelberg), Jens Hopp (Mineralogisches Institut, Heidelberg) sowie Christine Fiéni, Marianne Ghélis, Michèle Bourot-Denise und Paul Pellas (Naturhistorisches Museum, Paris).



Unser Sonnensystem entstand vor etwa 4600 Millionen Jahren aus einer interstellaren Wolke aus Gas und Staub. Nach Bildung der Ursonne war diese noch für etwa zehn Millionen Jahre von einer lokalen Gas- und Staubhülle umgeben, aus der sich dann auch kleinere Körper und schließlich die Planeten bildeten. Zwischen Mars und Jupiter kam dieser Akkretionsprozess zum Stillstand, als die Körper nur wenige hundert Kilometer groß waren. Von diesen Kleinplaneten, den Asteroiden, werden durch Zusammenstöße untereinander immer wieder Bruchstücke abgespalten, die dann auch auf der Erde als Meteoriten niedergehen.

Durch geowissenschaftliche Laboruntersuchungen kann an diesen die Vorstufe der Planetenbildung im frühen Sonnensystem studiert werden. Meteoriten kennt man von kleinen Körpern, die sich ähnlich wie die erdähnlichen Planeten erhitzten, dabei teilweise aufschmolzen, worauf sich ein Metallkern und ein Silikatmantel bildete. Es gibt aber auch urtümlichere Meteorite (die so genannten Chondrite), die nur mäßig erwärmt wurden, so dass sich Metall und Silikat nicht voneinander trennten.

"Wir haben Meteoritengestein, das aus unterschied-lichen Tiefen eines solchen nicht aufgeschmolzenen Asteroiden stammt, mit verschiedenen hochpräzisen Datierungsmethoden untersucht, die den Zerfall der natürlichen radioaktiven Isotope 40K und 244Pu nutzen. Dadurch konnte die Abkühlgeschichte dieses Asteroiden detailliert rekonstruiert werden. Es zeigte sich, dass die am stärksten - bis auf etwa 850°C - erhitzten Gesteine am längsten - etwa 160 Millionen Jahre - zur Abkühlung bis auf etwa 120°C benötigten, also aus dem Zentrum des Körpers stammen", so Trieloff.

Dagegen kühlten die nur auf etwa 650°C erhitzten Gesteine innerhalb weniger Millionen Jahre ab, und zwar in oberflächennahen Bereichen. Dieses Auskühlverhalten zeigt zum ersten Mal, dass ein Asteroid tatsächlich durch eine innere Wärmequelle erhitzt wurde. Dies geschah durch die Zerfallswärme des kurzlebigen Isotops 26Al, das nur im frühen Sonnensystem aktiv war. Wegen der sehr kurzen Halbwertszeit von 26Al von nur 0,72 Millionen Jahren musste sich also der Asteroid innerhalb weniger Millionen Jahre sehr schnell bilden, damit überhaupt noch eine effektive Aufheizung möglich war.

Diese Ergebnisse sind im Einklang mit theoretischen Überlegungen einer sehr schnellen Bildung erdähnlicher Planeten in zirkumstellaren Staubhüllen. "Unsere Resultate zeigen, dass dies vor allem in unserem eigenen Sonnensystem der Fall war." Das sei wichtig, weil die Gas- und Staubhüllen, von denen junge Sterne umgeben sind, nur eine begrenzte Lebensdauer von etwa zehn Millionen Jahren haben. Nur aus diesem Material können sich aber Planeten bilden. "Da in unserem Sonnensystem dieser Prozess schnell genug vonstatten ging, kann man annehmen, dass auch um andere Sterne - aufgrund ähnlich ablaufender Prozesse - Planetenbildung wahrscheinlich ist", sagt Trieloff.

Rückfragen bitte an:

PD Dr. Mario Trieloff
Mineralogisches Institut
der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 236, 69120 Heidelberg
Tel. 06221 - 546022, Fax -544805
E-Mail trieloff@min.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Asteroid Kleinplanet Planetenbildung Sonnensystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Erforschung von Elementarteilchen in Materialien
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie

nachricht Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis
16.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau