Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hohe Drücke nicht für Anreicherung von Platin und Palladium im Erdmantel verantwortlich

14.08.2000


Bayreuth (UBT). Nicht hohe Drücke sind an der Anreicherung von Platin und Palladium im Erdmantel verantwortlich, sondern wahrscheinlicher sind Einschläge von Meteoriten und Asteoriden. Forscher aus Deutschland, Kanada und Australien (***), unter Ihnen der Bayreuther Geowissenschaftler Prof. David Rubie, haben damit eine in den letzten Jahren unter Geochemikern diskutierte These im Zusammenhang mit der Erdkernbildung experimentell am Bayreuther Geo-Institut widerlegt, wie sie in dem angesehenen Wissenschaftsmagazin "Nature" (vom 27. Juli) darlegten.

Als dramatisches Ereignis muß die Bildung des eisenreichen metallischen Kerns in der Erdgeschichte angesehen werden. Er weist nach heutigen Erkenntnissen einen Durchmesser von ungefähr 3500 km auf und ist auch für das Erdmagnetfeld verantwortlich. Durch die Kernbildung wurde auch eine Trennung von Metallen und Silikaten verursacht. Nach zur Zeit diskutierten Überlegungen trat diese Trennung als Folge einer Kollision der Erde mit einem marsgroßen Planeten auf. Die Kollision führte zur Aufschmelzung eines großen Teils der Erde, es bildete sich ein sogenannter Magmen-Ozean.

Die Bildung des Erdkerns hatte gravierende Folgen für den Chemismus des Erdinneren, da die sich abscheidende Metallschmelze alle in dieser Schmelze leicht löslichen Elemente wie Gold, Platin, Palladium, Osmium und Rhenium aus der Silikatschmelze, die den Kern wie ein Mantel umhüllt, entfernt haben sollte. Es zeigte sich jedoch, dass die Gehalte an diesen Elementen in der Silikathülle mit einem derartigen einfache Modell nicht übereinstimmen, da sie zu hoch sind. In den letzten 10 Jahren wurde über dieses Problem unter Geochemikern intensiv debattiert.

Eine Erklärung könnte darin liegen, dass diese Elemente in Metallschmelzen eine unterschiedliche Löslichkeit bei deutlich zunehmenden Drücken (entsprechend Tiefen um ca. 1000 km im Erdinneren) aufweisen. Das Ergebnis der in Bayreuth vorgenommenen Experimente hat diese Annahme jedoch nicht bestätigt. Die unter dem Titel "Evidence for a late chondritic veneer in the Earth’s mantle from high-pressure partitioning of palladium and platinum" in Nature veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass erhöhte Druckbedingungen die Löslichkeit nicht wesentlich beeinflussen.

Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Anreicherung von Platin und Palladium im Erdmantel durch Meteoriten und Asteroide hervorgerufen wurde, die nach der Bildung des Kerns vor 4,5 Mrd. Jahren mit der Erde kollidierten.


(***) A. Holzheid (Universität Köln, Institut für Mineralogie und Geochemie, seit Oktober 1999: Universität Münster, Institut für Mineralogie), P. Sylvester (Dept. of Earth Sciences, Memorial University of Newfoundland, St. John’s, Kanada), H. St. C. O’Neill (Research School of Earth Sciences, Australian National University, Canberra, Australien; David C.Rubie ( Bayerisches Geoinstitut, Universität Bayreuth,), (Universität Köln, Institut für Mineralogie und Geochemie)

 

M. A. Jürgen Abel |

Weitere Berichte zu: Erdmantel Mineralogie Palladium Platin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt
17.01.2018 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

nachricht Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien
17.01.2018 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten