Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Teleskop an der Leine - Tübinger Astrophysiker eröffenen Außenstelle in Südfrankreich

29.08.2000


Dicke Wolken, trüber Himmel - was für den Normalbürger allenfalls ärgerlich ist, bringt die Astronomen hierzulande mitunter in echte Existenznöte. Geduld und Ausdauer waren bislang oberste Tugend mitteleuropäischer Sternengucker. Astrophysiker der Universität Tübingen wollen dem nun Know-How entgegensetzen. Vor kurzem eröffneten sie eine eigene Beo-bachtungsstation in der südfranzösischen Haute-Provence, um dem Wettergott ein Schnippchen zu schlagen. Der Clou: Ihr Teleskop soll via Internet von Tübingen aus ferngesteuert werden.

Seit 1943 finden französische Astronomen am Observatoire de l’Haute Provence (OHP) in
St. Michel, hundert Kilometer nördlich von Marseille, ideale Beobachtungsverhältnisse vor. Über rund dreihundert sternenklare Nächte pro Jahr freuen sich künftig auch die Tübinger Astrophysiker rund um Prof. Hanns Ruder. Und mehr noch: Licht aus Wohnungen oder Straßenlaternen sei Gift für die Astronomen, erklärt Ruder. Lichtsmog heißt das in der Fachsprache und ist in Deutschland allgegenwärtig. Ganz anders in der beinahe menschenleeren Gegend rund um das OHP, wo nachts fast völlige Dunkelheit herrscht. Beste Bedingungen also für die astronomische Forschung. Der Großteil der Teleskope am OHP jedoch ist bereits recht betagt. Umso größer die Freude von Jean-Pierre Sivan, dem Direktor des Observatoriums, mit dem 60-Zentimeter-Spiegelteleskop der Tübinger nach 32 Jahren wieder ein neues Gerät begrüßen zu dürfen: "Ein neues Teleskop ist für uns Astronomen fast wie ein neues Kind", so Sivan zur Einweihung der Tübinger Außenstelle.

Der wichtigste Teil, der Spiegel, wird zwar erst im Oktober geliefert, doch bereits jetzt sind die Arbeiten an Aufhängung und Steuerung in vollem Gange. Denn das Teleskop soll nicht nur vor Ort betrieben werden. Mit Hilfe des Internets soll es künftig auch möglich sein, das Gerät von Tübingen aus zu steuern. Ein Digitalkamera nimmt die Bilder auf und überspielt sie weltweit auf die Computer interessierter Forscher. Die nötigen Programme und Elektronikbausteine werden zur Zeit von den Astrophysikern der Uni Tübingen entwickelt. Erste Beobachtungen, so hoffen sie, werden Ende des Jahres möglich sein. In einem internationalen Verbund mit anderen Observatorien rund um den Erdball soll das Teleskop dann schnelle Helligkeitsänderungen Weißer Zwergsterne untersuchen. Darüber hinaus steht vor allem die astronomische Ausbildung von Studenten im Vordergrund. Hier erhofft sich auch der Tübinger Uni-Rektor Prof. Eberhard Schaich neue Impulse für die Partnerschaft mit der Université de Provence in Aix und Marseille, die bislang auf Geschichte und Sprachwissenschaften beschränkt war. Schaich, der eigens in die Haute Provence gereist war, um das Observatorium einzuweihen, sprach von einer neuen Dimension der Internationalität für die Universität Tübingen. Ausdrücklich lobte Schaich nicht nur die durch das Projekt geförderte Kooperation zwischen verschiedenen Ländern, sondern dessen generationenübergreifende Qualität: Teile der Arbeiten werden in Zusammenarbeit mit erfahrenen Amateurastronomen, andere hauptsächlich von Studenten durchgeführt. Allerdings mahnte der Rektor zur Einweihung, die technische Perfektion der Fernsteuerung nicht zu übertreiben. Schließlich müsse der Charme der Haute Provence auch in Zukunft eine Reise wert sein. Umgekehrt haben die Tübinger Astrophysiker bereits ein wenig Lokalkolorit nach Südfrankreich gebracht: Ihr Internet-Computer am OHP wurde mit dem Namen Wurmlingen bedacht.

Nähere Informationen:

Prof. Dr. Hanns Ruder, Theoretische Astrophysik, Tel.: 0 70 71 / 29-7 24 87

Unter www.uni-tuebingen.de/uni/qvo/pm/pm.html sind zwei Fotos von der Einweihung zu sehen

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

... mehr zu:
»Astronom »Astrophysik »OHP »Teleskop

Michael Seifert |

Weitere Berichte zu: Astronom Astrophysik OHP Teleskop

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Vorstoß ins Innere der Atome
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für Quantenoptik

nachricht Quanten-Wiederkehr: Alles wird wieder wie früher
23.02.2018 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics