Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Raumsonde Cassini passiert Jupiter

20.12.2000


Auf ihrer Reise zum Saturn wird die 1997 gestartete Raumsonde Cassini am 30. Dezember 2000 um 11.03 Uhr MEZ den Riesenplaneten Jupiter im Abstand von nur 9,7 Millionen km passieren. Die Mission ist ein gemeinsames Projekt von NASA und ESA und der italienischen Raumfahrtagentur ASI. An Bord befinden sich auch Messinstrumente des Max-Planck-Instituts für Aeronomie (MPAE), Katlenburg-Lindau.

Cassini wurde am 15. Oktober 1997 in Cape Canaveral mit einer Titan IV B-
Rakete gestartet und soll nach nahen Vorbeiflügen an Venus (26. 4. 1998 und 24. 6. 1999), Erde (18. 8. 1999) und Jupiter und einer Flugstrecke von 3,2 Milliarden Kilometern am 1. Juli 2004 das Saturnsystem erreichen. Dort wird das Landegerät Huygens, das in den Saturnorbiter Cassini integriert ist, im November 2004 abgetrennt, um ca. drei Wochen später am Fallschirm auf dem Mond Titan niederzugehen. Der Orbiter wird den Saturn auf wechselnden Bahnen bis zum Jahr 2008 etwa 60mal umkreisen und sich dabei auch den Monden Dione, Enceladus, Hyperion, Iapetus, Mimas, Phoebe, Rhea und Tethys nähern. 300.000 Farbbilder und zahlreiche weitere Daten des Saturnsystems sollen zur Erde übermittelt werden.

Die nahen Vorbeiflüge an Planeten (englisch "Flybys", "Swingbys") dienen vor allem der Beschleunigung der Raumsonden ("gravitationalassists"). Durch die Wahl geeigneter Flugrouten lässt sich Bewegungsenergie von den Planeten auf die Sonde übertragen - diese Methode wird zur Treibstoffersparnis sehr häufig angewendet. Nach dem Vorbeiflug von Cassini an der Erde war die Sonde zwar schnell genug, um den Saturn aus eigener Kraft zu erreichen, doch der Vorbeiflug am Jupiter verkürzt die lange Reisezeit. Die beteiligten Wissenschaftler nutzen die günstige Gelegenheit natürlich auch zu Tests ihrer Geräte und zum Studium des Planeten Jupiter und seiner Umgebung. Ihr besonderes Interesse gilt den von den Vulkanen des Jupitermondes Io ausgeworfenen Staubströmen in Jupiters Umgebung und deren Wechselwirkung mit Plasmateilchen und Magnetfeldern. Staub spielt bei der Entstehung von Planetensystemen eine wesentliche Rolle. Seine Erforschung kann deshalb das Verständnis der Entstehung von Planetensystemen fördern. Dass die Staub- und Teilchenströme nicht nur von Cassini, sondern gleichzeitig von der bereits seit 1995 das Jupitersystem erforschenden Raumsonde Galileo untersucht werden können, steigert den Wert der Ergebnisse und die Bedeutung von Cassinis Vorbeiflug am Jupiter noch beträchtlich.

Von Anfang Oktober 2000 bis Ende März 2001 machen zwei Instrumente - LEMMS (Low Energy Magnetospheric Measurement System) auf Cassini und EPD (Energetic Particles Detector) auf Galileo -, an deren Bau das MPAE beteiligt war, vergleichende Messungen über aus dem Jupitersystem und aus dem interplanetaren Raum kommende Teilchen. Das Instrument UVIS (Ultraviolet Imaging Spectrometer) untersucht den vorwiegend im ultravioletten Licht strahlenden sogenannten Io-Plasmatorus, dessen Teilchen aus den Io-Vulkanen stammen, in der Magnetosphäre des Jupiter ionisiert werden und einen Ring um Jupiter bilden.

Literatur:

... mehr zu:
»Cassini »Jupiter »Raumsonde »Vorbeiflug

Harald Krüger: "Jupiters staubige Umgebung. Staubströme, Staubwolken und Staubringe"; in: Sterne und Weltraum 39 [2000], S. 1048 - 1054.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Bernd Wöbke | idw

Weitere Berichte zu: Cassini Jupiter Raumsonde Vorbeiflug

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Astrophysik

nachricht Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt
22.06.2017 | Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften