Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Röntgenlaser-Kooperation im Rahmen des TESLA-Projekts

05.11.2002


DESY und SLAC unterzeichnen Vereinbarung in Washington



Mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung (Memorandum of Understanding) haben die beiden großen Beschleunigerzentren DESY (Deutsches Elektronen-Synchrotron) in Hamburg und SLAC (Stanford Linear Accelerator Center) in Kalifornien, USA, ihre Absicht "besiegelt", in der Röntgenlaser-Forschung künftig eng zusammen zu arbeiten und dieses zukunftsweisende Gebiet gemeinsam voran zu treiben. "Freie-Elektronen-Laser für Röntgenstrahlung bieten für die Erforschung der Mikrowelt revolutionierende Aussichten. Durch die jetzt vereinbarte intensive deutsch-amerikanische Zusammenarbeit ist von Beginn an eine optimale Weiterentwicklung und Nutzung dieser neuen Lichtquellen für die Wissenschaft garantiert", so Professor Dr. Albrecht Wagner, Vorsitzender des DESY-Direktoriums und einer der drei Unterzeichner des Memorandums.



Das Memorandum of Understanding dient der "Etablierung einer gemeinsamen Forschungsaktivität bei der Nutzung und Entwicklung des wissenschaftlichen Potenzials sowohl der Linac Coherent Light Source (LCLS) als auch des (bei DESY geplanten) TESLA X-Ray Free-Electron Lasers (TESLA-XFEL)." Es wurde heute im Energie-Ministerium (Department of Energy, DOE) in Washington unterzeichnet. Die Vereinbarung regelt unter anderem den Austausch von Wissenschaftlern, technischen Komponenten, Forschungs-ergebnissen und -daten sowie von allgemeinem Know-How. Damit soll ein schneller Erfolg des wissenschaftlichen Programms beider Anlagen, die sich in ihren Eigenschaften ergänzen und nach heutiger Planung 2008 beziehungsweise 2011 in Betrieb gehen können, erzielt werden. In einem ersten Schritt werden die Forschungs-ergebnisse an den beiden kleineren Pilotanlagen, die sowohl in Stanford als auch in Hamburg schon im Bau sind, gemeinsam genutzt. "Röntgenlaser sind eine große Herausforderung und eine enorme Chance für die Zukunft!" kommentiert Prof. Dr. Jochen R. Schneider, DESY-Forschungsdirektor und Mitunterzeichner des Memorandums. "Beide Anlagen bieten bahnbrechende Forschungsmöglichkeiten, die über das Potenzial heutiger Strahlungsquellen weit hinausgehen."

DESY und SLAC gehören zu den weltweit führenden Zentren für Grundlagenforschung, in denen Elektronen-Beschleuniger entwickelt und betrieben werden. Sie dienen sowohl der Elementarteilchenforschung als auch vielfältigen Untersuchungen in Physik, Biologie, Materialwissenschaften und Chemie, die mit der an diesen Beschleunigern erzeugten elektromagnetischen Strahlung durchgeführt werden können. Der nächste Schritt auf dem Weg zu noch leistungsfähigeren Lichtquellen sind so genannte Freie-Elektronen-Laser (FEL). Sie erzeugen laserartige Röntgenstrahlung mit sehr kurzen Wellenlängen und sehr hoher Leuchtkraft. DESY und SLAC haben in den vergangenen Jahren eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von FEL-Röntgenlasern gespielt. Heute ist die Fachwelt weltweit von der technischen Machbarkeit dieser neuen Generation von Forschungsinstrumenten überzeugt. - "Internationale Zusammenarbeit ist der effizienteste Weg Forschungsanlagen von Weltniveau zu bauen. Im Rahmen der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für einen künftigen Linearbeschleuniger für Elementarteilchenphysik gibt es schon eine sehr lebendige Kooperation zwischen SLAC, DESY und dem japanischen Institut KEK. Das heutige Abkommen stärkt die Verbindungen zwischen hervorragenden Zentren auf internationaler Ebene." sagte der SLAC-Direktor, Professor Jonathan Dorfan, bei der heutigen Unterzeichnung.

Im Rahmen des TESLA-Projekts schlägt DESY vor, parallel zu dem geplanten 33 km langen Beschleuniger für die Elementarteilchenphysik auch einen Linearbeschleuniger für FEL-Röntgenlaser zu bauen (TESLA-XFEL). Sie erzeugen hochintensive ultrakurze Röntgenblitze mit den Eigenschaften von Laserlicht. Ihre Leuchtstärke ist in ihren Spitzenwerten um das Zehnmilliardenfache höher als die modernster Röntgenquellen, die Zeitauflösung um das Tausendfache. Die Blitzdauer beträgt weniger als eine billionstel Sekunde. Die Wellenlänge der Blitze ist so klein, dass selbst atomare Details erkennbar werden: Sie kann im Bereich zwischen einem und einem zehntel Nanometer variiert werden. Die unvorstellbar kurzen Röntgenpulse werden es den Forschern ermöglichen, regelrechte Filme aus dem Mikrokosmos aufzunehmen, etwa zu verfolgen, wie eine chemische Reaktion abläuft, wie Feststoffe entstehen oder wie die Abläufe in lebenden Zellen aussehen. - Das TESLA-Projekt wird zurzeit im Auftrag der Bundesregierung zusammen mit sieben anderen geplanten deutschen Forschungsprojekten vom Wissenschaftsrat begutachtet. Basierend auf diesem Ergebnis kann im Jahr 2003 mit einer TESLA-Entscheidung gerechnet werden.


Petra Folkerts | idw
Weitere Informationen:
http://www.desy.de/presse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas
19.09.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

nachricht Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern
15.09.2017 | Max-Planck-Institut für Quantenoptik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie