Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bonner Astronomen erklären die Herkunft junger Sterne im Zentrum der Galaxis

22.07.2008
Astronomen der Universität Bonn haben die Herkunft einer Klasse junger Sterne aufgeklärt, die dem Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße besonders nahe sind.

Computersimulationen halfen, das Rätsel um ihre Entstehung zu lösen. Die Forscher vom Argelander-Institut für Astronomie haben jetzt ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal Letters" (Preprint siehe: http://arxiv.org/abs/0807.2239) veröffentlicht.

Das Zentrum der Milchstraße ist ein Ort der Extreme: Dort befindet sich ein Schwarzes Loch, um das auf engstem Raum mehr Sterne kreisen als irgendwo sonst in der Galaxis. Besonders nah ist ihm eine Gruppe junger Sterne, die so genannten S-Sterne. Ihre Herkunft war den Astronomen bislang schleierhaft. Die enorme Anziehungskraft des Schwarzen Lochs lässt die Entstehung von Sternen in so geringer Entfernung nämlich eigentlich nicht zu.

Die S-Sterne kreisen in einer Entfernung von gerade einmal einem zehntel Lichtjahr um das Zentrum der Galaxis - ein Katzensprung für astronomische Verhältnisse. Das Schwarze Loch ist fast vier Millionen mal so schwer wie die Sonne. In seiner Umgebung befinden sich auch außergewöhnlich viele junge, massereiche Sterne. Astronomen haben etwa zwanzig junge Sterne entdeckt, die mit typischen Geschwindigkeiten von mehreren Millionen Kilometern pro Stunde um das Schwarze Loch herum rasen. Weiter entfernt vom Schwarzen Loch machten die Astronomen zwei Ringe aus jungen Sternen aus, die wahrscheinlich aus Gaswolken entstanden sind, die ins Zentrum der Milchstraße gefallen waren.

... mehr zu:
»Astronom »Galaxis

Per Computersimulationen gelang es nun dem Diplom-Mathematiker Ulf Löckmann erstmals, eine Verbindung zwischen den Sternen in den Ringen und den S-Sternen herzustellen und zu zeigen, wie Sterne aus den Ringen in die Nähe des Schwarzen Lochs gelangen. Löckmann gehört zur Arbeitsgruppe von Heisenbergstipendiat Priv.-Doz. Dr. Holger Baumgardt und Professor Dr. Pavel Kroupa.

Kräftemessen am Schwarzen Loch

Die Interaktion der beiden Ringe spielt dabei eine entscheidende Rolle: Aufgrund der Schwerkraft verbiegen sie sich gegenseitig. Dabei werden zahlreiche Sterne auf Bahnen gebracht, auf denen sie dem Schwarzen Loch äußerst nahe kommen. Zwar übersteht ein einzelner Stern solche nahen Begegnungen unbeschadet, aber viele Sterne entstehen nicht einzeln sondern in Doppelsternen. Kommen diese dem Schwarzen Loch sehr nahe, wird die Gezeitenkraft des Schwarzen Lochs größer als die Schwerkraft, die den Doppelstern zusammenhält - so wird das Paar getrennt und ein Stern mit bis zu zehn Millionen Stundenkilometern aus dem Zentrum der Galaxis heraus geschossen. Er verlässt nach einigen zehn Millionen Jahren die Milchstraße und erlischt irgendwann in der Einsamkeit des Kosmos. Der andere Stern bleibt auf einer sehr engen Bahn um das Schwarze Loch zurück, auf der er es in wenigen Jahren umrundet: Ein neuer S-Stern ist entstanden.

Die Berechnungen der Flugbahnen wurden auf einem Supercomputer des Argelander-Instituts der Universität Bonn durchgeführt. Dabei kam ein Rechenprogramm für supermassive Schwarze Löcher zum Einsatz, das die Astronomen völlig neu entwickelt haben.

Kontakt:
Prof. Dr. Pavel Kroupa, Dr. Holger Baumgardt, Ulf Löckmann
Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-3649 und -6790 und 0177/9566127
E-Mail: uloeck@astro.uni-bonn.de, holger@astro.uni-bonn.de,
pavel@astro.uni-bonn.de

Dr. Andreas Archut | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/
http://www.astro.uni-bonn.de/~uloeck/sstars.gif
http://astro.uni-bonn.de/~uloeck/sstars.gif

Weitere Berichte zu: Astronom Galaxis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Neue Perspektiven durch gespiegelte Systeme
05.12.2016 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Waschen für die Mikrowelt – Potsdamer Physiker entwickeln lichtempfindliche Seife
02.12.2016 | Universität Potsdam

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten