Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Max-Planck auf dem Mars

23.05.2008
Eine Kamera des Instituts für Sonnensystemforschung sucht auf dem roten Planeten nach gefrorenem Wasser

Die NASA-Sonde Phoenix soll in der Nacht zum Montag auf dem Mars landen. Als einzige deutsche Einrichtung nimmt das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau an der Mission teil. Die Wissenschaftler haben eine Weltraum-Kamera entwickelt, die zusammen mit der Landeeinheit auf dem roten Planeten aufsetzt. Die Kamera spielt eine entscheidende Rolle bei der Suche nach gefrorenem Wasser im Marsboden und soll klären helfen, ob es auf dem Erdnachbarn jemals Leben gegeben hat.


Expedition zum roten Planeten: Das Landegerät Phoenix soll auf dem Mars nach Leben suchen, unterstützt von einer Kamera aus dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Bild: NASA

Wasser ist die wichtigste Voraussetzung für das Entstehen von Leben. Zwar sind sich die Experten einig, dass es derzeit kein flüssiges Wasser auf dem Mars gibt. Doch geologische Formationen deuten darauf hin, dass einst mächtige Flüsse die Marslandschaft durchzogen. Als mögliches Überbleibsel dieser Wassermassen findet sich heute noch Eis auf dem kalten Planeten: Es lagert in kleinen Mengen an den Polen, die hauptsächlich von gefrorenem Kohlendioxid (Trockeneis) bedeckt sind. "Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Eis in den polaren Regionen einige Zentimeter unter der Oberfläche existiert, ähnlich wie in der irdischen Tundra", sagt Walter Goetz vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung.

In drei Monaten kommt der Winter

... mehr zu:
»Planet

Um herauszufinden, ob dieses Eis organische Verbindungen enthält, landet mit Phoenix erstmals eine Mission in der nördlichen Polarregion des Planeten. Viel Zeit haben die Forscher für ihre Arbeit allerdings nicht: Bereits nach drei Monaten versinkt die Landestelle in der Dunkelheit und Kälte des Marswinters.

Bis der herannahende Winter die Solarzellen der Landeeinheit lahmlegt, ist der 2,35 Meter lange Roboterarm mit der deutschen Kamera in Aktion. Während sich die Schaufel des Gelenkarms bis zu einen Meter tief in den Marsboden gräbt, liefert die nur 415 Gramm schwere Kamera Farbbilder der Bodenproben und der Ablagerungen in den Seitenwänden der Grube.

Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, ist die Weltraum-Kamera ein echter Alleskönner. Das Präzisionsinstrument, das die Forscher des Katlenburger Max-Planck-Instituts zusammen mit Kollegen von der University of Arizona in den USA entwickelt haben, muss nicht nur die heftigen Erschütterungen des Raketenstarts wegstecken. Sie ist auch bei minus 120 Grad Celsius noch funktionstüchtig und kommt mit winzigen Strommengen aus.

Den Boden im Fokus

"Unsere Kamera ist die erste im All, deren Fokus sich verstellen lässt", sagt Horst Uwe Keller, unter dessen Leitung das Instrument entstanden ist. Auf diese Weise gelingen nicht nur Makroaufnahmen von Bodenproben mit einer Auflösung von nur 50 Mikrometern, dem Viertel der Dicke eines menschlichen Haares. Auch Bilder der Umgebung sind möglich. "Im Notfall", so Keller, "kann unsere Kamera sogar die Stereokamera ersetzen, die von der Landeeinheit aus großflächige Aufnahmen der Marslandschaft gewinnen soll."

Ein weiterer Beitrag des Max-Planck-Instituts in Katlenburg-Lindau sind Bauteile eines optischen Mikroskops, das die Bodenproben weiter analysiert. Zu diesem Instrument steuern die deutschen Wissenschaftler einen Detektor samt Elektronik bei. Die Geräteeinheit enthält zudem ein Rasterkraftmikroskop sowie Instrumente, die den pH-Wert und die Leitfähigkeit des Marsbodens untersuchen.

Dr. Bernd Wirsing | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Planet

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht ALMA beginnt Beobachtung der Sonne
18.01.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

nachricht Magnetische Kraft von einzelnen Antiprotonen mit höchster Genauigkeit bestimmt
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Kernphysik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik