Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einer der stärksten Laser Deutschlands in Betrieb gegangen

23.05.2008
In nur einem Jahr ist es der Arbeitsgruppe "Laser-Teilchenbeschleunigung" am Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) gelungen, ein neues Hochintensitätslaser-Labor aufzubauen, das am gestrigen Donnerstag (22. Mai 2008) durch die sächsische Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange in Betrieb genommen wurde.

Der neue Laser kann Lichtpulse mit der enormen Leistung von 150 Terawatt (TW) erzeugen und ist damit einer der leistungsstärksten Ultrakurzpuls-Laser in Deutschland. Für einen winzigen Moment wird im Brennfleck des Laserstrahls eine Lichtintensität erreicht, welche derjenigen entspricht, die die Sonnenstrahlung durch ein Brennglas, das so groß ist wie die gesamte Erde, auf einer Bleistiftspitze bewirken würde.

Europaweit existieren in der Leistungsklasse des neuen Rossendorfer Lasers nur eine Handvoll vergleichbarer Systeme. Trotz der unvorstellbaren Pulsleistungen brauchen solche Laser nur wenig Platz - aufgrund ihrer ultrakurzen Pulse von einigen 10 Femtosekunden (100 Femtosekunden braucht Licht, um die Breite eines menschlichen Haares zu durchqueren) kommen sie bei 10 Pulsen pro Sekunde mit der mittleren Leistung einer Glühbirne aus. Im Puls ist das Licht jedoch so intensiv, dass es beim Auftreffen auf Materie deren Bausteine, die Atome und Elektronen, trennt. Die Gesetze, die normalerweise bei der Wechselwirkung von Licht und Materie gelten, ändern sich dramatisch: Elektronen werden auf mikroskopischen Strecken in Richtung des Laserpulses auf Energien beschleunigt, die sonst nur mit großen Beschleunigeranlagen erreicht werden können.

Das noch sehr junge Gebiet der Laser-Teilchenbeschleunigung hat also verglichen mit der klassischen Beschleunigertechnologie den Vorteil, extrem kompakte Teilchenbeschleuniger bauen zu können. Normalerweise sind die Beschleunigungsstrecken - wie z.B. beim Elektronenbeschleuniger ELBE am FZD - mehrere Meter lang. Bei der Laser-Teilchenbeschleunigung genügen einige Millimeter, um Beschleunigungsspannungen von mehreren 100 Millionen Volt zu erzeugen. Besonders die Medizin setzt große Hoffnungen in die neue Technologie und erwartet kompaktere und folglich preiswertere Anlagen zur Strahlentherapie bei Krebserkrankungen. Zu den weiteren möglichen Anwendungen ultrakurz gepulster Laser zählen z.B. auch moderne Lichtquellen im Röntgenbereich.

Erste Experimente zur Beschleunigung von Teilchen sind am FZD im Sommer dieses Jahres geplant. "In den nächsten Tagen wollen wir den nächsten Meilenstein auf dem Weg dahin erreichen und die Fokussierbarkeit des Laserstrahls auf eine winzige Fläche von einigen Mikrometern Durchmesser demonstrieren", sagt Dr. Ulrich Schramm, Leiter der Arbeitsgruppe Laser-Teilchenbeschleunigung. Dies ist eine Grundvoraussetzung für physikalische Anwendungen, da die Intensität des Laserstrahls umso größer ist, je kleiner die Fläche wird, auf die man ihn richtet. Da jeder Laserpuls nur sehr kurz ist, ähnelt der noch unfokussierte Laserstrahl bei einer Breite von ca. 10 cm mehr einem fliegenden hauchdünnen Blatt Papier.

Die FZD-Wissenschaftler wollen die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Laser-Teilchenbeschleunigung vorantreiben. Der neue Laser steht nur am Anfang der Entwicklung noch leistungsfähigerer Laser am FZD. Die anvisierten langfristigen Anwendungen z.B. im medizinischen Bereich im Auge, haben die Forscher das Ziel, die Beschleunigungsprozesse reproduzierbar zu beherrschen. "Mit unserem Laser befinden wir uns nicht nur in der höchsten Leistungsklasse in diesem Pulsbereich", sagt Dr. Schramm, "sondern verfügen vor allem über die ausgezeichnete Reinheit der Pulse, die nötig ist, um hauchdünne Folien zu beschießen, bevor diese verdampfen". Dazu werden hauchdünne, beispielsweise mit Kunststoff beschichtete Metallfolien verwendet. Um beispielsweise Protonen, also Wasserstoffkerne, zu beschleunigen, fokussieren die Wissenschaftler das Laserlicht auf eine solche Folie. Das Licht drückt Elektronen auf der Rückseite heraus. Da sich unterschiedliche Ladungen anziehen, entsteht so ein senkrechtes Kraftfeld, das die positiv geladenen Protonen beschleunigt.

Der neue Hochintensitäts-Laser befindet sich in der ELBE-Halle im FZD in unmittelbarer Nähe des Elektronenbeschleunigers ELBE. Durch die Kopplung beider Geräte können in einem weiteren Schritt einmalige Experimente zur Laserbeschleunigung von Elektronen durchgeführt werden. Davon versprechen sich die Forscher hochenergetische Elektronenpulse hoher Qualität, wie sie zum Treiben von kompakten und dennoch brillanten Röntgenquellen eingesetzt werden könnten.

Veröffentlichung:
Der Artikel "Heller wird's schneller" (Internetportal "Welt der Physik") von Prof. Roland Sauerbrey und Dr. Ulrich Schramm erklärt kurz und verständlich die Beschleunigung von Teilchen mittels Laser. http://www.weltderphysik.de/de/6057.php
Weitere Informationen:
Dr. Ulrich Schramm
Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Arbeitsgruppe Laser-Teilchenbeschleunigung
Tel.: 0351 260 - 2471 / 2693
Email: u.schramm@fzd.de
Pressekontakt:
Dr. Christine Bohnet
Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bautzner Landstr. 128, 01328 Dresden
Tel.: 0351 260 - 2450 oder 0160 969 288 56
Email : c.bohnet@fzd.de
Information:
Das FZD leistet wesentliche Beiträge in der Grundlagen- und anwendungsorientierten Forschung auf folgenden Gebieten:
o Wie verhält sich Materie unter dem Einfluss hoher Felder und in winzigen Dimensionen?
o Wie können Tumorerkrankungen frühzeitig erkannt und wirksam behandelt werden?
o Wie schützt man Mensch und Umwelt vor technischen Risiken?
Das FZD engagiert sich für die Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse im Hinblick auf die zukünftige Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft. Es betreibt zu diesem Zweck 6 größere Forschungsanlagen, die auch externen Nutzern zur Verfügung stehen.

Das FZD ist mit ca. 700 Mitarbeitern das größte Institut der Leibniz-Gemeinschaft http://www.wgl.de und verfügt über ein jährliches Budget von rund 57 Mill. Euro (Stand: 12/2006). Hinzu kommen etwa 10 Mill. Euro aus nationalen und europäischen Förderprojekten sowie aus Verträgen mit der Industrie. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 83 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung, weshalb sie von Bund und Ländern gemeinsam gefördert werden. Die Leibniz-Institute verfügen über ein Gesamtbudget von gut 1 Milliarde Euro und beschäftigen mehr als 13.000 Mitarbeiter.

Dr. Christine Bohnet | idw
Weitere Informationen:
http://www.weltderphysik.de/de/6057.php
http://www.wgl.de
http://www.fzd.de/

Weitere Berichte zu: FZD Laser Laser-Teilchenbeschleunigung Laserstrahl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor
23.02.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Kühler Zwerg und die sieben Planeten
23.02.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie