Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die musikalische Sonne: Materiebögen schwingen wie Gitarrensaiten

27.06.2002


Rhythmische Auf- und Abbewegungen der Sonnenphotosphäre (des scheinbaren Sonnenrandes) sind seit etwa vier Jahrzehnten nachgewiesen. Jetzt stellten Wissenschaftler fest, dass auch in der Sonnenkorona - der Atmosphäre der Sonne - Schwingungen messbar sind.

Das Problem der Aufheizung der Sonnenkorona und die damit verbundenen Fragen nach Ursachen und Auswirkungen heftiger solarer Stürme, die aus dieser Region stammen, gehören zu den derzeit interessantesten und schwierigsten Arbeitsgebieten der Sonnenphysik. Die Sonne ist, wie wir heute wissen, nicht etwa eine ruhig vor sich hin glimmende Kugel, sondern eine brodelnde Masse glühenden Plasmas, auf deren Oberfläche sich immer wieder neue Strukturen bilden. Die in der Konvektionszone der Sonne aufsteigenden Gasblasen stören das Gas, durch das sie fließen - es werden Turbulenzen und gleichzeitig Schallwellen erzeugt, deren bekannteste Vertreter mit einer Periode von etwa 5 Minuten und einer Geschwindigkeitsamplitude von 500 m/s vertikal schwingen. Die Sonne schwingt millionenfach in unglaublich vielen Grund- und Obertönen, und man vergleicht sie gern mit einer riesigen Glocke, die dem ungeordneten Geprassel von Regen- oder Graupelschauern ausgesetzt ist
.

Zu den unterschiedlichen imposanten Erscheinungen auf der Sonnenoberfläche gehören auch die extrem heißen "loops", gewaltige, aus ionisierten Gasen bestehende Bögen, die sich von der Sonnenoberfläche aus an magnetischen Feldlinien entlang weit hinaus ins All wölben und hunderttausende Kilometer lang sein können. Die Sonnenkorona ist durchsetzt mit vielen Millionen unterschiedlich großen und unterschiedlich heißen Loops; einige erreichen Temperaturen von mehreren Millionen Grad. Unter diesen Umständen sind leichte Elemente wie Wasserstoff oder Kohlenstoff vollständig ionisiert, jedoch strahlen Eisenionen in diesen Loops ultraviolettes Licht ab, das von dem Instrument SUMER (Solar Ultraviolet Measurements of Emitted Radiation) auf der Sonde SOHO (Solar and Heliospheric Observatory) gemessen werden kann. Die Wellenlänge dieses Lichtes schwankt geringfügig, wenn die Loops hin- und herschwingen. Mit SUMER wurden jetzt Geschwindigkeitsoszillationen in den Loops von bis zu 100 km/s nachgewiesen. Die Schwingungen sind stark gedämpft und kommen nach 2-3 Perioden zur Ruhe; außerdem kühlt das Gas sehr schnell ab. Dr. Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Aeronomie (MPAE), der verantwortliche Wissenschaftler für das SUMER-Instrument, stellte diese Ergebnisse am 13. Juni auf einer Fachtagung auf der griechischen Insel Santorin (Thira) vor. Er wählte wiederum ein Bild aus der Musik, um den Vorgang zu veranschaulichen, und verglich das Schwingen der Gasbögen mit dem langsamen Schwingen von tief gestimmten Gitarrensaiten. Der an der Saite zupfende Finger - der das Schwingen der Bögen verursacht - ist vermutlich ein Ausbruch energiereicher Teilchen in der unteren Sonnenkorona. Curdt nimmt an, dass die vibrierenden Loops eine Schlüsselrolle zum Verständnis der Sonnenkorona spielen.

Weitere Auskünfte:
Dr. Werner Curdt, Telefon 05556 / 979 420; E-Mail: curdt@linmpi.mpg.de

Dr. Bernd Wöbke | idw
Weitere Informationen:
http://star.mpae.gwdg.de/release/sounds.html
http://www.gsfc.nasa.gov/topstory/20020613sohoguitar.html
http://www.linmpi.mpg.de/english/projekte/sumer

Weitere Berichte zu: Loops Sonnenkorona

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Heiß & kalt – Gegensätze ziehen sich an
25.04.2017 | Universität Wien

nachricht Astronomen-Team findet Himmelskörper mit „Schmauchspuren“
25.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie