Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Radioaktive Folgeprodukte von Thoron dank PTB exakt messbar

31.03.2008
Etwa ein Viertel der jährlichen Strahlenbelastung nimmt der Mensch in seinen eigenen vier Wänden durch Atmung auf. Eine dabei relevante Strahlungsquelle ist Thoron, ein Isotop des Edelgases Radon, das bisher nur schwer zu messen war.

Forschern der Physikalisch-Technischen-Bundesanstalt (PTB) ist hier nun der entscheidende Schritt gelungen: Mit ihrer neuen Thoron-Folgeprodukt-Kammer lassen sich Messgeräte seit neuestem mit einer weltweit einmaligen Genauigkeit kalibrieren.

Das ist die Voraussetzung dafür, dass Thoron (Radon-220) und seine Folgeprodukte mit hoher Genauigkeit bestimmt werden können. Für den Gesundheitsschutz exponierter Personen ist das von großer Bedeutung, denn die Ergebnisse von Thoronmessungen variierten je nach Messgerät bisher sehr stark und ließen damit viel Raum für Schätzungen.

Wer Thoron messen will, muss sehr schnell sein. Bereits 55 Sekunden nach seiner Entstehung ist die Hälfte des radioaktiven Gases in seine Folgeprodukte zerfallen- und die haben es in sich. "Obwohl Thoron sehr schnell zerfällt, ergibt sich aus seinen Folgeprodukten eine 14-fach höhere Strahlendosis als aus den Folgeprodukten des Radon-222", erläutert Anja Honig, die innerhalb der PTB-Arbeitsgruppe für die technische Betreuung der Thoron-Folgeprodukt-Kammer zuständig ist.

... mehr zu:
»Messgerät »Thoron

Das natürlich auftretende Gas Radon (in diesem Fall ist das Isotop Radon-222 gemeint) stellt nach heutigen Erkenntnissen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs dar - gleich nach dem Rauchen. Seine radioaktiven Folgeprodukte lagern sich an Staubteilchen an und werden eingeatmet. Radon entsteht durch den radioaktiven Zerfall von Uran im Boden. Es diffundiert aus dem Erdreich und Baustoffen und sammelt sich in Wohn- und insbesondere Kellerräumen. Besonders in gut gedämmten und schlecht gelüfteten Räumen können Konzentrationen entstehen, die 100-fach oder gar 1000-fach über dem natürlichen Wert in der Außenluft liegen. Die zur Messung des Radon-222 eingesetzten Messgeräte werden bereits seit vielen Jahren mit kleinen Unsicherheiten in der PTB kalibriert.

Doch so einfach war es mit dem Thoron und seinen Folgeprodukten bisher nicht. Sie ließen sich nicht mit vergleichbar kleinen Unsicherheiten messen. Thoron ist zwar ebenfalls ein Isotop des Radon (nämlich Radon-220), es entsteht aber nicht aus Uran sondern durch den Zerfall von Thorium im Bodengestein und ist wesentlich kurzlebiger. Gleichzeitig sind seine Folgeprodukte langlebiger und verursachen dadurch eine höhere Strahlendosis.

Die PTB hat nun die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sowohl Radon als auch Thoron und deren Folgeprodukte zuverlässig gemessen werden können: Mit Hilfe der Thoron-Folgeprodukt-Kammer können Messgeräte mit einer weltweit einmaligen Genauigkeit kalibriert werden. Dabei werden Temperatur, Luftfeuchte, Luftdruck und Staubkonzentration mitberücksichtigt, denn diese Faktoren können das Messergebnis erheblich verfälschen. Somit steht nun erstmals die messtechnische Grundlage zur Verfügung, um den Einfluss von Thoron und dessen Folgeprodukten auf den Menschen genau zu untersuchen.

Finanziert wurde das inzwischen abgeschlossene dreijährige Projekt mit 328000 Euro vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Die Forschungsnachricht auf den Internetseiten der PTB-Abteilung
http://www.ptb.de/de/org/6/nachrichten6/2008/60208_de.htm
Ansprechpartnerin:
A. Röttger, Fachbereich 6.1, Arbeitsgruppe 6.13, E-Mail: Annette.roettger@ptb.de
Weitere aktuelle PTB-Nachrichten
o Härtetest auf kleinstem Raum: Nanoindentation (26. März)
o DART: Neuartige Möglichkeiten im Explosionsschutz (17. März)
o Weltweit erste Video-Übertragung mit Terahertz-Wellen (12. März)

Imke Frischmuth | idw
Weitere Informationen:
http://www.ptb.de
http://www.ptb.de/de/org/6/nachrichten6/2008/60208_de.htm

Weitere Berichte zu: Messgerät Thoron

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht ALMA beginnt Beobachtung der Sonne
18.01.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

nachricht Magnetische Kraft von einzelnen Antiprotonen mit höchster Genauigkeit bestimmt
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Kernphysik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik