Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zinkoxid zeigt neuartige magnetische Eigenschaften

29.02.2008
Riesige Mengen an Daten werden heute unter Ausnutzung magnetischer Effekte auf Computerfestplatten gespeichert. Nach ungefähr zehn Jahren gehen viele Daten jedoch verloren.

Weltweit wird deshalb nach einem Werkstoff gesucht, der die Lebensdauer der gespeicherten Informationen verlängert. Diesem sind Wissenschaftler vom Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) jetzt auf der Spur.

Sie konnten nachweisen, dass in unmagnetischem Zinkoxid gezielt magnetische Eigenschaften hervorgerufen werden können, indem man dessen Struktur beschädigt. Die Ergebnisse werden aktuell im „Journal of Applied Physics“ und in „Applied Physics Letters“ veröffentlicht.

Bei der Speicherung von Daten in Computerfestplatten werden die magnetischen Eigenschaften der verwendeten Stoffe – häufig Legierungen aus ferromagnetischen Materialien wie Kobalt, Chrom oder Eisen – ausgenutzt. Mit diesen Legierungen sind die Festplatten beschichtet. Die Schichten bestehen aus winzigen Partikeln, von denen jedes magnetisierbar ist.

... mehr zu:
»Defekt-Magnetismus »Zinkoxid

Gleichzeitig sind die Partikel jedoch so voneinander isoliert, dass sie sich gegenseitig nicht beeinflussen können. Sie speichern die Daten in Form von magnetischen Bits, indem das Magnetfeld jeweils entweder nach Nord oder Süd ausgerichtet ist. Diese binäre Codierung wird von einem ebenfalls magnetischen Schreibkopf über der Festplatte erkannt und abgelesen. Abhängig von der Temperatur ändern sich die magnetischen Felder der Partikel allerdings langsam. Damit verfälschen sich die gespeicherten Daten, sie werden unbrauchbar.

Zinkoxid, das normalerweise als Bestandteil von Wandfarbe oder in medizinischen Präparaten zur Haut- und Wundbehandlung verwendet wird, ist nicht magnetisch. Zwei Forschergruppen im FZD haben jetzt aber nachgewiesen, dass Zinkoxid durch Beschädigung magnetisch wird. Dr. Kay Potzger und seine Kollegen beschossen kristallines Zinkoxid mit Ionen, also mit schnellen geladenen Atomen. Dr. Heidemarie Schmidt dagegen untersuchte dotierte Zinkoxid-Dünnschichten, welche an der Universität Leipzig gezüchtet wurden.

Solch eine Züchtung bringt gezielt magnetische Ionen in das Zinkoxid ein, gleichzeitig werden die Beschädigungen in den dünnen Schichten durch die Züchtungsbedingungen kontrolliert. Beide Gruppen kamen übereinstimmend zu dem Schluss, dass eine besondere Art des Magnetismus im Zinkoxid hervorgerufen werden kann, der in der Fachwelt Defekt-Magnetismus genannt wird. Dieser Defekt-Magnetismus zeigt allerdings nicht die Temperaturabhängigkeit von Legierungen in heutigen Computerfestplatten, welche nach mehreren Jahren zu Datenverlust führt.

Theorien zum Defekt-Magnetismus gibt es seit rund 15 Jahren, doch war der Effekt selbst bislang umstritten. 1991 wurden beispielsweise magnetische Effekte dieser Klasse im Kohlenstoff entdeckt; technisch angewendet wurden sie bisher jedoch nicht. Ein grundsätzliches Problem, vor dem nun auch die FZD-Wissenschaftler stehen, ist, dass der erzeugte Defekt-Magnetismus von der Stabilität der erzeugten Defekte abhängt und nach kurzer Zeit wieder verschwinden kann. „Gegenwärtig bleibt implantiertes, kristallines Zinkoxid drei Tage lang ferromagnetisch. Innerhalb dieser Zeit ist es aber temperaturunempfindlich“, so Dr. Kay Potzger. Jetzt stehen die Wissenschaftler vor der Aufgabe, die für den Defekt-Magnetismus verantwortlichen Defekte so zu stabilisieren, dass das Zinkoxid seine magnetischen Eigenschaften länger behält.

„Mit Zinkoxid gibt es einen weiteren Spieler, der eventuell besser für die Stabilisierung seiner magnetischen Eigenschaften geeignet ist als die heute verwendeten Legierungen. Diese kranken vor allem daran, dass die fortschreitende Miniaturisierung in der Speichertechnologie die Temperaturempfindlichkeit weiter erhöht, was von Zinkoxid nicht zu erwarten ist.“, schätzt Dr. Potzger das Potenzial des Materials ein.

Christine Bohnet | alfa
Weitere Informationen:
http://www.fzd.de

Weitere Berichte zu: Defekt-Magnetismus Zinkoxid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Die Sonne: Motor des Erdklimas
23.08.2017 | Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft, München

nachricht Entfesselte Magnetkraft
23.08.2017 | Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft, München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie