Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der leuchtende Schleier der Liebesgöttin

22.02.2008
Die Raumsonde "Venus Express" entdeckt innerhalb der Atmosphäre unseres Nachbarplaneten rasch veränderliche Wetterphänomene

Die europäische Weltraumsonde "Venus Express" hat hell leuchtende Nebelschleier beobachtet, die auf der gesamten Südhalbkugel unseres Nachbarplaneten innerhalb weniger Tage auftauchen und genauso schnell wieder verschwinden. Dieses bisher unbekannte Wetterphänomen haben Forscher mit dem Kamerasystem VMC entdeckt, das am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und dem Institut für Datentechnik gebaut wurde.


Die Sequenz der Bilder zeigt die schnell veränderlichen hellen und dunklen Wolken in der Venusatmosphäre. Diese Wolken sind nur im ultravioletten Wellenbereich des Spektrums sichtbar und sehr variabel. Die hellen Nebel werden durch Schwefelsäure-Bestandteile in den Wolken gebildet. Über die chemischen Prozesse innerhalb der dunklen Gebiete rätseln die Forscher noch. Bild: ESA/MPS/DLR/IDA

Die Raumsonde hatte die spektakulären Bilder der Venusatmosphäre bereits im Juli vergangenen Jahres aufgenommen. Die Auswertung der Daten ergab nun, dass chemische und mikrophysikalische Prozesse in der Gashülle unseres Nachbarplaneten eine entscheidende Rolle spielen. "Die beobachteten hellen Nebelschleier bestehen aus Schwefelsäure", sagt Dmitri Titov, Koordinator von "Venus Express" und Mitglied des VMC-Wissenschaftlerteams am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. "Daraus können wir auf verschiedene Bildungsprozesse in den Wolken der Atmosphäre schließen."

In Höhen von 70 Kilometern und darunter beinhaltet die an Kohlendioxid reiche Venusatmosphäre auch kleine Anteile von Wasserdampf und Schwefeldioxid. Diese Wolken verhindern normalerweise eine gute Sicht auf die Oberfläche des Planeten. Wenn nun durch atmosphärische Prozesse diese Moleküle in größere Höhen gelangen und dort der ultravioletten Strahlung der Sonne ausgesetzt werden, zerfallen sie in Fragmente, die sich mit anderen verbinden. Auf diese Weise entsteht Schwefelsäure, die wiederum den Nebelschleier bildet.

Noch keine Erklärung haben die Wissenschaftler für die dunklen Gebiete, die sich ebenfalls auf den Bildern der Kamera zeigen. Sie werden durch bislang unbekannte Chemikalien gebildet, welche die ultraviolette Strahlung verschlucken. Das Team von "Venus Express" hofft, diesem Rätsel demnächst mit dem Bordinstrument VIRTIS auf die Spur zu kommen.

Dr. Bernd Wirsing | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Berichte zu: Nachbarplanet Sonnensystemforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht MADMAX: Ein neues Experiment zur Erforschung der Dunklen Materie
20.10.2017 | Max-Planck-Institut für Physik

nachricht Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung
20.10.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie