Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eisfontänen über dem Saturnmond Enceladus

07.02.2008
Wissenschaftler der Universität Potsdam veröffentlichen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in "Nature"

In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals "Nature" berichten Physiker der Universität Potsdam über ein von ihnen entwickeltes Modell für die Entstehung von Eisteilchen im Saturnsystem. Die dort entdeckten Fontänen aus Wassergas und winzigen Eisteilchen, die sich über dem Südpol des Saturnmondes Enceladus aufbauen, waren eine der großen Überraschungen der NASA/ESA Mission CASSINI zum Saturn. Obwohl die Eispartikel nur eine Größe von einem tausendstel Millimeter haben, sind sie als dünner Schleier in den Bildern von CASSINI gut sichtbar, wenn sie von der Sonne von hinten angeleuchtet werden.

Das von den Potsdamer Wissenschaftlern um Dr. Jürgen Schmidt entwickelte Modell liefert eine Erklärung für die Entstehung dieser Eisteilchen durch Kondensation aus Wassergas. Das Gas bildet sich durch die Verdampfung von Seen unter der Oberfläche von Enceladus und strömt dann durch ein System von Spalten in der Eiskruste des Mondes in den Weltraum. Die Eisteilchen, die Enceladus seit tausenden von Jahren in den Weltraum abgibt, formen den E-Ring des Saturns, einen riesigen Staubring, der sich außerhalb der Hauptringe des Planeten erstreckt. Die Staubteilchen, die bei Enceladus "geboren" werden, wandern langsam weg vom Mond und Planeten und bevölkern so langsam den E-Ring. Die Bilder der CASSINI Mission belegen, dass zumindest die größten Eisfontänen im Verlauf der letzten Jahre aktiv blieben, auch wenn ihre Stärke sehr wahrscheinlich variiert.

Die Potsdamer Physiker beschreiben die Strömung des Gases von den unterirdischen Seen bis zur Oberfläche und zeigen, wie die Eisteilchen aus dem Gas kondensieren. Sie schlussfolgern, dass das Gas eine gewisse minimale Dichte haben muss, um eine so große Zahl von Eispartikeln durch die Spalten zur Oberfläche transportieren und in den Weltraum schleudern zu können. Solche vergleichsweise hohen Gasdichten erfordern hohe Temperaturen an der Stelle, wo sich das Gas durch Verdampfung bildet. Damit konnten alternative Modelle ausgeschlossen werden, die von einem kalten, vollständig gefrorenen Mond ausgehen. Das Potsdamer Modell liefert somit ein weiteres Indiz für die Existenz von flüssigem Wasser unter dem Südpol von Enceladus. Aus ihrer Theorie zur Kondensation von Eispartikeln leiten die Forscher Voraussagen über die Zahl der Teilchen in den Fontänen ab, die mit den Messungen des Staubdetektors an Bord von CASSINI und mit der Helligkeit der Fontänen in CASSINI-Bildern übereinstimmen.

... mehr zu:
»Cassini »Eisteilchen »Physik
Hinweis an die Redaktionen:
Der vollständige Beitrag der Wissenschaftler ist zu entnehmen:
Jürgen Schmidt, Nikolai Brilliantov, Frank Spahn, Sascha Kempf : Slow dust in Enceladus' plume from condensation and wall collisions in tiger stripe fractures, Nature, Band 451, Seite 685
Für weitere Auskünfte stehen Ihnen aus dem Institut für Physik der Universität Potsdam zur Verfügung:

Dr. Jürgen Schmidt, Tel.: 0331/977-1626 oder 0177/4390144, E-Mail: jschmidt@agnld.uni-potsdam.de, Homepage: http://www.agnld.uni-potsdam.de/~jschmidt und Prof. Dr. Frank Spahn, Tel.: 0331/977-1696, E-Mail: FSpahn@agnld.uni-potsdam.de

Andrea Benthien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de/pressmitt/2008/pm025_08.htm
http://www.agnld.uni-potsdam.de/~jschmidt

Weitere Berichte zu: Cassini Eisteilchen Physik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für Kernphysik

nachricht Neue Perspektiven durch gespiegelte Systeme
05.12.2016 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten

06.12.2016 | Medizintechnik