Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Schaltbare" Kristalle bei Raumtemperatur

14.01.2008
Dresdner Physiker entdecken ungewöhnliche Eigenschaft des Materials Strontiumtitanat

Innerhalb der Forschergruppe 520 ("Ferroische Funktionselemente"), die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert wird, analysiert die Nachwuchsgruppe Nanostrukturphysik um Juniorprofessor Dirk C. Meyer seit circa drei Jahren die strukturellen und elektrischen Eigenschaften verschiedener Materialien.

Eines davon ist Strontiumtitanat (Sr2TiO3) - eine chemische Verbindung von Strontium, Titan und Sauerstoff, die in der Natur nur äußerst selten zu finden ist und für technische Anwendungen aufwendig synthetisch erzeugt werden muss. Strontiumtitanat gehört zu einer Gruppe von Kristallen, die in ihrer regelmäßigen Struktur dem Mineral Perowskit (Calciumtitantrioxid) ähneln.

Dabei prüften die Festkörperphysiker auch, welche Änderungen der Atomanordnung durch das Anlegen einer elektrischen Spannung auftreten, und welche neuen Materialeigenschaften mit so einer Umordnung verbunden sind. Besonders interessant war, dass sich die Atome der untersuchten Strontiumtitanat-Kristalle durch erneutes Anlegen von Feldern offenbar wieder und wieder umordnen lassen, und zwar nicht erst bei den ansonsten erforderlichen höheren Temperaturen, sondern schon bei Raumtemperatur. Durch Interferenzmessungen mit Röntgenstrahlen wiesen die Forscher kürzlich präzise nach, dass die Kristallstruktur von Strontiumtitanat tatsächlich gezielt und umkehrbar "geschaltet" werden kann. Ihre Ergebnisse haben sie unlängst unter anderem auf der Herbsttagung der Materials Research Society in Boston/USA vorgestellt sowie in der angesehenen Zeitschrift Applied Physics publiziert.

Die Technische Universität Dresden hat inzwischen mehrere Patentanmeldungen zu technischen Anwendungen dieser Forschungsergebnisse eingereicht, rückt doch die Umkehrbarkeit so eines Schaltvorgangs gänzlich neue Einsatzmöglichkeiten ins Blickfeld von Forschern und Technikern. So könnte Strontiumtitanat in der Optoelektronik verstärkt Verwendung finden, und es erscheint nun auch möglich, neuartige Datenspeicher, die das reversible Schalten auf kleinstem Raum zur Grundlage haben, zu bauen. Da ist es nur verständlich, dass Hersteller von Kristallen, aber auch von optischen Geräten und Datenspeichern lebhaft an Kooperationen mit der Nachwuchsgruppe interessiert sind.

Informationenfür Journalisten: Prof. Dr. Dirk C. Meyer, Tel. 0351 463-32536, E-Mail: dirk.meyer@physik.tu-dresden.de

Kim-Astrid Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de/

Weitere Berichte zu: Kristall Raumtemperatur Strontiumtitanat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Ultra-sensitiv dank quantenmechanischer Verschränkung
28.06.2017 | Universität Stuttgart

nachricht Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit
26.06.2017 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive