Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie konstant leuchtet die Sonne?

19.12.2007
Auch Heidelberger Wissenschaftler fiebern dem Start des Space Shuttle ATLANTIS entgegen - Landesternwarte des Zentrums für Astronomie der Universität Heidelberg ist mit SOLSPEC, einem Sonnenspektrometer, beteiligt

Wenn das Space Shuttle ATLANTIS wie vorgesehen am 10. Januar 2008 von der Startrampe 39A im Weltraumbahnhof Cape Canaveral mit einem weiteren Segment für die Internationale Raumstation abhebt, haben auch einige Heidelberger Wissenschaftler diesem Ereignis entgegengefiebert. Zusammen mit dem Weltraumlabor COLUMBUS, dem europäischen Beitrag zur ISS, wird auch SOLSPEC, ein Sonnenspektrometer, zum Einsatz kommen, das auf eine mehr als dreißigjährige Entwicklungsgeschichte zurückblicken kann.

Dieses Experiment wurde von dem als "Strahlungspapst" bekannten Prof. Dietrich Labs und Dr. Holger Mandel von der Landessternwarte in Heidelberg zusammen mit französischen und belgischen Partnern entwickelt und wird zur Messung der Strahlungsleistung unserer Sonne im Wellenlängenbereich zwischen 180 nm-3200 nm verwendet. Der Heidelberger Beitrag umfasste dabei Arbeiten zur Kalibration des Instruments mit einem so genannten Schwarzen Körper, einer hoch genauen Strahlungsquelle, die bei Temperaturen von mehr als 3000 Grad Celcius eine präzise Eichung der in SOLSPEC mitfliegenden Vergleichslichtquellen gewährleistet. Seit Anfang 2005 bildet die Landessternwarte zusammen mit dem Astronomischen Rechen-Institut und dem Institut für Theoretische Astrophysik das Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg.

Bis vor wenigen Jahrzehnten waren nur erdgebundene Messungen möglich, die infolge der Filterwirkung unserer Erdatmosphäre aber nur einen kleinen Bruchteil der Sonnenstrahlung erfassten. So wurden die ersten Messungen bereits in den fünfziger Jahren von Prof. Labs mit kleinen Teleskopen auf dem Jungfraujoch durchgeführt. Doch erst mit Beginn des Raumflugzeitalters wurde das komplette Sonnenspektrum zugänglich. So misst SOLSPEC neben dem sichtbaren Bereich auch den Infrarot- und Ultraviolettanteil der Strahlung und ermöglicht damit eine Bestimmung der Solarkonstanten und deren zeitliche Variation. Für diese Messungen interessieren sich nicht nur Astronomen, sondern auch Klimatologen, denn letztendlich ist die Sonne für alles Leben auf der Erde der wichtigste Himmelskörper.

... mehr zu:
»Raumstation »SOLSPEC

Aus historischen Quellen ist bekannt, dass schon das Klima des letzten Jahrtausends erhebliche Schwankungen aufgewiesen hat. So kam es während des 15. und 17. Jahrhunderts über jeweils mehrere Jahrzehnte zu deutlichen Kälteeinbrüchen und im 11./12. Jahrhundert zu einer ausgeprägten Wärmeperiode, die erstmals die Besiedlung Grönlands und die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger erlaubte. Noch weiter zurück liegen die großen Eiszeiten, bei denen weite Teile Europas unter einem dicken Eispanzer begraben lagen. Die mittlere Jahrestemperatur der Erde war hierbei nur wenige Grade niedriger als heute.

Mit Hilfe von Eiskernbohrungen und Isotopenanalysen lässt sich zwischen der Sonnenaktivität und Temperaturschwankungen auf der Erde eine enge Korrelation sogar über einen Zeitraum von mehreren hunderttausend Jahren nachweisen. Die bei den SOLSPEC-Missionen überdeckte Zeitdauer erscheint mit 35 Jahren dabei eher gering. Der Erstflug erfolgte im Jahr 1983 mit dem europäischen Weltraumlabor Spacelab 1, zusammen mit dem ersten (westdeutschen) Wissenschaftsastronauten Ulf Merbold. In den Folgejahren kam das Experiment noch mehrfach zum Einsatz. Zunächst im Rahmen dreier ATLAS-Missionen der NASA in den Jahren 1992, 1993 und 1994, bei denen auf einer im Space-Shuttle fest eingebauten Palette mehrere Sonnenexperimente gleichzeitig eingesetzt wurden. Diese Flüge waren jedoch auf die jeweilige Space-Shuttle-Mission abgestimmt und deshalb auf eine typische Dauer von ein bis zwei Wochen begrenzt. Erst mit der freifliegenden Raumplattform EURECA der europäischen Raumfahrtbehörde ESA, die im August 1992 mit einem Shuttle ins All transportiert und im Juli 1993 von einem zweiten Shuttle wieder eingefangen wurde, konnten erstmals Messungen über einen längeren zusammenhängenden Zeitraum durchgeführt werden. Die Ergebnisse zeigten eine erstaunliche Konstanz der Sonnenstrahlung im visuellen und infraroten Spektralbereich, aber deutliche Schwankungen bei kürzeren Wellenlängen. Doch genau diese Strahlung ist für die komplexe Wechselwirkung verschiedener Vorgänge in der Hochatmosphäre unserer Erde von großer Bedeutung, sodass SOLSPEC nun zusammen mit einigen weiteren Experimenten im SOLAR-Modul auf der internationalen Raumstation über mehrere Jahre eingesetzt werden soll.

Auf die Ergebnisse sind alle Beteiligten schon heute gespannt. SOLSPEC selbst muss aber einem heißen Ende entgegensehen. Aus Kostengründen ist es bisher nicht geplant, das Experiment wieder auf die Erde zurückzubringen und wird nach erfüllter Mission einfach abgeschaltet. Genau wie beim Absturz der ersten amerikanischen Raumstation SKYLAB Ende der siebziger Jahre wird die Hardware zusammen mit der ausgedienten ISS in nicht allzu ferner Zukunft bei einem gesteuerten Wiedereintritt des riesigen Komplexes in der Atmosphäre unserer Erde verglühen.

Weitere Informationen:
Dr. Holger Mandel
Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg, Landessternwarte
Tel. 06221 541734
h.mandel@lsw.uni-heidelberg.de
Allgemeine Rückfragen von Journalisten bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
Irene Thewalt
presse@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Raumstation SOLSPEC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht In einem Quantenrennen ist jeder Gewinner und Verlierer zugleich
27.03.2017 | Universität Wien

nachricht Proteintransport - Stau in der Zelle
24.03.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise