Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aufbau des weltgrößten Radioteleskops hat begonnen

19.11.2009
Zwei Unternehmen aus NRW unterstützen Wissenschafts-Projekt ALMA

Das weltgrößte Radioteleskop, das sich aus insgesamt bis zu 66 Hochleistungsantennen auf einer Fläche von zwölf Quadratkilometern zusammensetzt, soll den Himmelsforschern neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums liefern.


Die ALMA-Antennen aus Material der ThyssenKrupp VDM werden an ihren finalen Standort gebracht.
European Southern Observatory (ESO)

Mit dem Aufbau der wissenschaftlichen Anlage in den chilenischen Anden ist kürzlich begonnen worden. Zwei Unternehmen aus NRW unterstützen das ALMA-Projekt mit ihrem Know-how: Die Firma Vertex Antennentechnik aus Duisburg und die ThyssenKrupp VDM aus Werdohl.

Einen tiefen Blick ins Weltall auf der Suche nach den kosmischen Ursprüngen soll das ALMA-Projekt (Atacama Large Millimeter Array) gewähren. Das weltgrößte Radioteleskop, das sich aus insgesamt bis zu 66 Hochleistungsantennen auf einer Fläche von zwölf Quadratkilometern zusammensetzt, soll den Himmelsforschern neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums liefern. Mit dem Aufbau der wissenschaftlichen Anlage in den chilenischen Anden ist kürzlich begonnen worden. Die ersten Antennen sind mit einem Spezialfahrzeug auf eine 5.000 Meter hohe Ebene transportiert worden.

Der Standort ist die trockenste Region der Erde, Luftfeuchtigkeit würde den Empfang der Weltraumstrahlung stören. Zwei Unternehmen aus NRW unterstützen das ALMA-Projekt mit ihrem Know-how: Die Firma Vertex Antennentechnik fertigt in ihrem Duisburger Werk 25 der über 100 Tonnen schweren Antennen mit einem Durchmesser von zwölf Metern und greift dabei unter anderem auf Werkstoffe der ThyssenKrupp VDM (Werdohl) zurück.

Das Besondere an dem internationalen ALMA-Projekt, das unter der Federführung der Europäischen Südsternwarte ESO steht: Die 66 Antennen werden elektronisch miteinander verbunden und ergeben so ein Teleskop für die Weltraum-Beobachtung mit enormen Ausmaßen und ungeahnter Präzision. Die Antennen empfangen elektromagnetische Strahlungen im Millimeter- und Submillimeter-Wellenlängenbereich. Durch die Kopplung der Antennen können die Wissenschaftler Bilder des Universums mit einer bis heute nicht erreichten Genauigkeit und Auflösung aufnehmen. Dies stellt außergewöhnliche Anforderungen an die Präzision der Antennen. Die Geräte müssen absolut maßgenau sein - selbst bei Temperaturdifferenzen von 40 Grad und mehr, wie sie in der chilenischen Atacama-Wüste herrschen. Der von der ThyssenKrupp VDM gefertigte Hochleistungswerkstoff Pernifer 36 bringt genau diese Eigenschaft mit: Er dehnt sich bei wechselnden Temperaturen praktisch nicht aus. "Über den Durchmesser von zwölf Metern dürfen die Teleskop-Spiegel nur 0,025 Millimeter von der idealen Parabolform abweichen", erläutert Peter Fasel von der Firma Vertex - ein menschliches Haar ist fünfmal dicker. Damit es zu keiner Verformung innerhalb des Teleskops kommt, sind viele Teil der Unterkonstruktion aus Pernifer 36. "Der Kegel etwa, der die Schnittstelle bildet zwischen Stahlkonstruktion und Reflektor der Antenne, ist aus diesem Material", so Fasel.

"Pernifer 36 ist auch bei diesen Bedingungen formstabil, so dass es auch bei diesen Bedingungen zu keinem Verzug der Antenne kommt. Das Material ist von uns in Form von Bandblechen und Stangen an Vertex geliefert und ist für die mechanische Stabilität der Antennen-Konstruktion verantwortlich", berichtet Dr. Bernd de Boer von ThyssenKrupp VDM, einem der weltweit führenden Hersteller von Hochleistungswerkstoffen. Weitere Bleche sind an das US-amerikanische Vertex-Schwesterunternehmen RSI ausgeliefert worden. Die von der Vertex Antennentechnik GmbH in Duisburg gefertigten Parabol-Antennen sind im hiesigen Werk komplett zusammengesetzt worden. Anschließend wurden die Teleskop-Einheiten in Einzelteile zerlegt, nach Südamerika gebracht und dort im Basislager auf 2.900 Metern erneut aufgebaut und getestet. Jetzt ging aus für die ersten Antennen an ihren endgültigen Bestimmungsort, dem Observatorium auf 5.000 Metern Höhe, wo sie millimetergenau positioniert wurden. Dort sind die Bedingungen, extreme trockene und dünne Luft, ideal für die Beobachtungen des Weltraums. Die ALMA-Antennen sind die genauesten, die jemals hergestellt worden sind. Sie können einen Golfball in 15 Kilometer Entfernung erkennen. Die ersten drei ALMA-Antennen werden Anfang 2010 miteinander verbunden. Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen sollen 2011 erfolgen, Ende 2012 soll das gigantische Radioteleskop mit allen 66 Antennen im Einsatz sein. Dann erhoffen sich die Astronomen Blicke auf jüngst entstandene Sterne und Galaxien sowie bahnbrechende Erkenntnisse zur Entstehung unseres Weltalls.

Erik Walner | ThyssenKrupp
Weitere Informationen:
http://www.thyssenkrupp.com
http://www.thyssenkruppvdm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars
26.04.2018 | Universität Bern

nachricht Belle II misst die ersten Teilchenkollisionen
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Physik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics