Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Astronomen entdecken große Mengen an Gas und Staub um ein Schwarzes Loch im frühen Universum

28.03.2012
Mit Hilfe der IRAM - Millimeterwellen-Teleskope in den französischen Alpen hat ein Team von europäischen Astronomen aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich ein großes Reservoir an Gas und Staub in einer Galaxie entdeckt, die das am weitesten entfernte massereiche Schwarze Loch umgibt, das wir kennen.
Das Licht der Galaxie mit der Bezeichnung J1120+0641 war so lange bis zur Erde unterwegs, dass wir die Galaxie in ihrem Zustand sehen, den sie lediglich 740 Millionen Jahre nach dem Urknall besaß. Damals hatte das Universum nur 1/18 seines heutigen Alters.

Teamleiter Dr. Bram Venemans vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg präsentiert die neue Entdeckung am Mittwoch, 28. März auf dem RAS/AG National Astronomy Meeting in Manchester, Großbritannien (NAM 2012).

Das Observatorium des Institut de Radioastronomie Millimétrique (IRAM) befindet sich auf dem 2550 m hohen Plateau de Bure in den französischen Alpen und besteht aus sechs 15-m-Teleskopen, mit denen Strahlung bei Millimeter-Wellenlängen (etwa tausendmal so lang wie sichtbares Licht) entdeckt werden kann. Die IRAM-Teleskope werden in einem so genannten Interferometer zusammengeschaltet, um damit ein viel größeres Teleskop zu simulieren. Dies erlaubt es, tiefer und schärfer ins All zu blicken.
Eine kürzlich durchgeführte Modernisierung von IRAM hat es den Wissenschaftlern nun erlaubt, das neu entdeckte Reservoir an Gas und Staub nachzuweisen und festzustellen, dass es erhebliche Mengen an Kohlenstoff enthält. Dies ist ziemlich unerwartet, da das chemische Element Kohlenstoff über die Kernfusion von Helium in den Zentren von massereichen Sternen erzeugt wird und erst in der Galaxie verteilt wird, wenn solche Sterne in dramatischen Supernova-Explosionen ihr Leben beenden.

"Es ist wirklich verblüffend, dass sich eine solche enorme Menge an mit Kohlenstoff angereichertem Gas in diesen frühen Zeiten im Universum bilden konnte. Das Vorhandensein von so viel Kohlenstoff bestätigt, dass es bereits in der kurzen Zeit zwischen dem Urknall und der Phase, in der wir die Galaxie beobachten, massive Sternentstehung gegeben haben muss.", kommentiert Dr. Venemans das Ergebnis.

Mit Hilfe der Strahlung des Staubes konnten Venemans und sein Team zeigen, dass die Rate der Sternentstehung in dieser Galaxie diejenige unseres eigenen Milchstraßensystems um einen Faktor 100 übertrifft.

Das Team ist sich sicher, dass erst das IRAM-Upgrade die neue Entdeckung möglich gemacht hat. "In der Tat wären wir noch vor wenigen Jahren nicht in der Lage gewesen, diese Strahlung zu entdecken.", sagt Teammitglied Dr. Pierre Cox, Direktor des IRAM.

Die Astronomen sind erfreut darüber, dass das Objekt auch von der südlichen Hemisphäre beobachtbar ist, denn in Chile wird gerade das Atacama Large Millimeter / Submillimeter Array (ALMA) gebaut, das weltweit fortschrittlichste Observatorium dieser Art. Beobachtungen mit ALMA werden es ermöglichen, eine detaillierte Studie über die Struktur dieser Galaxie durchzuführen, einschließlich der Art und Weise, wie sich Gas und Staub darin bewegen.

Dr. Richard McMahon, ein Mitglied des Teams von der University of Cambridge in Großbritannien, freut sich darüber, dass ALMA wohl noch in diesem Jahr voll funktionsfähig sein wird. "Die aktuellen Beobachtungen geben uns nur einen kleinen Eindruck von dem, wozu wir mit ALMA in der Lage sein werden, wenn wir das neue Observatorium nutzen, um die Bildung der ersten Generation von Galaxien zu studieren."

Dies ist eine Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA), der Royal Astronomical Society (RAS) und der Astronomischen Gesellschaft (AG) anlässlich des National Astronomy Meetings (NAM 2012) in Manchester.

Bilder und Informationen finden Sie auch unter
http://www.mpia.de/Public/menu_q2.php?Aktuelles/PR/2012/PR2012.html

Webseite der NAM 2012 - Tagung:
http://www.jodrellbank.manchester.ac.uk/meetings/nam2012/

Presseveröffentlichung der Royal Astronomical Society (engl.)
http://www.jodrellbank.manchester.ac.uk/meetings/nam2012/pressreleases/
nam10.html

Kontakt (zum wissenschaftlichen Team)

Dr. Bram Venemans
Max-Planck Institut für Astronomie, Heidelberg
Tel: +49 6221 528417
Email: venemans@mpia.de

Dr. Richard McMahon
Institute of Astronomy, University of Cambridge,
Tel: +44 1223 337519
Email: rgm@ast.cam.ac.uk

Prof. Dr. Pierre Cox
Director Institut de Radioastronomie Millimetrique, Grenoble
Email: cox@iram.fr

Weitere Kontakte:

Dr. Klaus Jäger
Wissenschaftlicher Referent, Max-Planck Institut für Astronomie (MPIA)
Pressesprecher im Vorstand der Astronomischen Gesellschaft (AG)
Tel: +49 6221 528 379
Email: jaeger@mpia.de

NAM 2012 Press Office
(0900 – 1730 GMT, 27.-29. März; 0900 – 1630 GMT; 30. März)
Room 3.214
University Place building, University of Manchester
Tel: +44 (0)161 306 7313
Dr. Robert Massey
Royal Astronomical Society
Mob: +44 (0)794 124 8035
Email: rm@ras.org.uk

Anita Heward
Royal Astronomical Society
Mob: +44 (0)7756 034 243
Email: anitaheward@btinternet.com

Dan Cochlin
Media Officer (Faculty of Engineering and Physical Sciences)
University of Manchester
Tel: +44 (0)161 275 8387
Email: daniel.cochlin@manchester.ac.uk

Weitere Informationen

Das wissenschaftliche Team
…besteht aus Bram Venemans (Max-Planck Institut für Astronomie [MPIA], Heidelberg, Deutschland), Richard McMahon (Institute of Astronomy [IoA], Cambridge, Großbritannien), Fabian Walter (MPIA), Roberto Decarli (MPIA), Pierre Cox (Institut de Radioastronomie Millimetrique [IRAM], Frankreich), Roberto Neri (IRAM), Paul Hewett (IoA), Daniel Mortlock (Imperial College London [Imperial], Großbritannien), Chris Simpson (Liverpool John Moores University, Großbritannien), Stephen Warren (Imperial).

Weblinks
IRAM Plateau de Bure Interferometer http://www.iram-institute.org
Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) http://www.almascience.org
Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg http://www.mpia.de
Institute of Astronomy, Cambridge http://www.ast.cam.ac.uk/
Imperial College London http://www3.imperial.ac.uk/
Liverpool John Moores University http://www.ljmu.ac.uk/

NAM – Tagung 2012
Mehr als 900 Astronomen und Weltraumforscher treffen sich zwischen dem 27. und 30. März 2012 beim National Astronomy Meeting (NAM 2012) im Konferenzzentrum der Universität Manchester in Großbritannien. Die Konferenz ist eine gemeinsame Veranstaltung der Royal Astronomical Society (RAS) und der Deutschen Astronomischen Gesellschaft (AG) und findet in Verbindung mit dem Treffen der britischen Sonnenphysik (UKSP: http://www.uksolphys.org) und dem MIST-Meeting (MIST: Magnetosphäre Ionosphäre Solar Terrestrial, http://www.mist.ac.uk) statt. Die NAM 2012 wird hauptsächlich durch RAS, AG, STFC und die Universität Manchester unterstützt.

Die Royal Astronomical Society
...wurde 1820 gegründet, unterstützt und fördert das Studium der Astronomie, der Sonnensystemforschung, der Geophysik und verwandte Gebiete aus der Wissenschaft. Die RAS organisiert wissenschaftliche Tagungen, publiziert internationale Forschungs- und Review-Journale, würdigt herausragende Leistungen durch Auszeichnungen und Preise, unterhält eine große Bibliothek, unterstützt die Bildung durch finanzielle Förderungen und Öffentlichkeitsarbeit und vertritt die britische Astronomie national und international. Ihre mehr als 3500 Mitglieder (mit etwa einem Drittel in Übersee) sind u.a. Wissenschaftler an Universitäten, Observatorien und Laboratorien, sowie Historiker der Astronomie.

Die Astronomische Gesellschaft (AG)
...wurde 1863 gegründet und ist eine moderne astronomische Organisation mit mehr als 800 Mitgliedern, die sich der Förderung der Astronomie und Astrophysik widmet und die Vernetzung der Astronomen – national und international - unterstützt. Zu den wichtigsten Aktivitäten der AG zählen: die Durchführung von wissenschaftlichen Tagungen, die Herausgabe von Publikationen, die Förderung junger Astronomen, die Auszeichnung hervorragender Wissenschaftler, sowie die Öffentlichkeitsarbeit und Bildung. Weitere Informationen unter http://www.astronomische-gesellschaft.de.

Das Science and Technology Facilities Council
...fördert die Rolle Großbritanniens an vorderster Front internationaler Wissenschaft sowie die Erforschung einiger der wichtigsten Herausforderungen der Gesellschaft wie die zukünftige Energieversorgung, den Klimawandel und die weltweite Sicherheit. Das STFC hat ein breites wissenschaftliches Arbeitsfeld und arbeitet zusammen mit akademischen und industriellen Einrichtungen in den Bereichen Materialwissenschaften, weltraum- und bodengebundener Astronomie, Laser-wissenschaften, Mikroelektronik, Wafertechnologien, Teilchen- und Kernphysik, alternativer Energien, Radiokommunikation und Radar. Das STFC ermöglicht britischen Wissenschaftlern den Zugang zu führenden internationalen Wissenschaftseinrichtungen wie z.B. der Europäischen Südsternwarte.

Das Jodrell Bank Centre for Astrophysics
…(JBCA: http://www.jb.man.ac.uk) ist Teil der School of Physics & Astronomy an der Universität Manchester und über zwei Standorte verteilt: das Alan Turing-Gebäude in Manchester und das Jodrell Bank Observatory in Cheshire:

Abb.1 Dieses Bild zeigt die helle Emission von Kohlenstoff und Staub in der Galaxie rund um das am weitesten entfernte massereiche Schwarze Loch, das wir kennen. Das Kohlenstofflicht wird von der Galaxie im Infrarot-Wellenlängenbereich emittiert (der normalerweise vom Erdboden aus nicht beobachtbar ist). Durch die Entfernung der Galaxie, die einer Zeit nur 740 Millionen Jahre nach dem Urknall entspricht, ist die Strahlung jedoch aufgrund der Expansion des Universums zu den viel längeren Millimeter-Wellenlängen hin rotverschoben. Diese kann man mit Einrichtungen wie dem IRAM Plateau de Bure Interferometer beobachten.

Am Jodrell Bank Observatory bildet das neue Discovery Centre einen wesentlichen Schwerpunkt für das Engagement in Öffentlichkeitsarbeit und Bildung. Jodrell Bank ist eines der weltweit führendes Institute in der radioastronomischen Forschung und Technologieentwicklung. JBCA betreibt das E-MERLIN National Radio Astronomy Observatorium und das Lovell-Teleskop, beherbergt den regionalen englischen ALMA-Node und das internationale Büro des SKA. Gefördert durch die Universität, das STFC und die Europäische Kommission, ist es eine der größten Astrophysikeinrichtungen Großbritanniens.

Dr. Klaus Jäger | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpia.de
http://www.mpia.de/Public/menu_q2.php?Aktuelles/PR/2012/PR2012.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht APEX wirft einen Blick ins Herz der Finsternis
25.05.2018 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

nachricht Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie
23.05.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics