Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Asteroiden aus der Bahn werfen

02.09.2013
Trifft ein Asteroid auf die Erde, kann das verheerende Folgen haben. Um die Kollision zu verhindern, muss der heranrasende Himmelskörper aus seiner Bahn geworfen werden. Durch den Aufprall einer Raumsonde ist das möglich.

Die Erde vor etwa 65 Millionen Jahren: Tsunamis fegen über den Planeten, eine riesige Staubwolke verdunkelt den Himmel, saurer Regen geht auf Tiere und Pflanzen nieder. Für mehr als 50 Prozent aller Gattungen beginnt ein schleichender Niedergang. Auch die Dinosaurier werden diese apokalyptische Katastrophe nicht überleben.


Ein Asteroid trifft mit voller Wucht auf die Erde. Um diese Katastrophe zu verhindern, wollen Forscher herannahende Himmelskörper mit Satelliten beschießen. © Donald Davis

Auslöser war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein etwa zehn Kilometer großer Asteroid, der im heutigen Golf von Mexiko einschlug und einen mindestens 170 Kilometer großen Krater in die Erdoberfläche bohrte. Ein aus heutiger Sicht unvorstellbares Szenario? Astronomen haben bislang fast 10 000 Asteroiden identifiziert, die der Erde sehr nahe kommen können. Tendenz steigend. Erst im Februar verletzte ein Meteorit fast 1500 Menschen, als er über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk explodierte. Er hatte einen Durchmesser von etwa 20 Metern, mit einem Gewicht von 10 000 Tonnen.

Weitaus größer sind die Objekte mit denen sich Frank Schäfer vom Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut, EMI in Freiburg beschäftigt. Der Forscher hat die mittelgroßen Kaliber von 100 bis zu 300 Metern Länge im Visier. Prallen Asteroiden dieser Größe auf die Erde, können sie einzelne Städte oder ganze Regionen auslöschen. Die Wissenschaftler haben nun in ersten Modellversuchen im Labor gezeigt, dass es möglich ist, die Asteroiden durch den Aufprall einer schweren Masse mit hoher Geschwindigkeit – zum Beispiel einer großen Raumsonde – aus der Bahn zu werfen.

Das Prinzip beim Zusammenstoß ist ähnlich wie beim Billard: Trifft eine Kugel auf die andere, ändert diese ihre Bahn. »Die Raumsonde überträgt beim Aufprall auf den Asteroiden nicht nur ihren eigenen Impuls. Hinzu kommt der Rückstoß durch die – entgegen der Einschlagrichtung – ausgeschleuderte Kratermasse«, beschreibt Schäfer eines der wesentlichen Testergebnisse. »Dieser Rückstoßeffekt wirkt wie ein Turbolader auf die Ablenkung des Asteroiden.« Die Versuche haben gezeigt, dass der übertragene Impuls durch diesen Effekt bis zu viermal größer ist, als das mit der Raumsonde alleine der Fall wäre.

Geschwindigkeiten von bis zu 10 km/s

Um dies genauer zu untersuchen, hängen die Forscher unterschiedliche Materialien mit asteroidenähnlichen Eigenschaften aus dichtem Quarzit, porösem Sandstein oder luftigem Beton an ein Pendel und beschießen diese mit kleinen Aluminiumprojektilen. Dabei haben sie herausgefunden, dass der Impulstransfer geringer wird, je poröser das Asteroidengestein ist. Die Beschusstaktik ist also besonders effizient für dichte, schwere Himmelskörper.

Bis zu 10 km/s sind die Geschosse im Labor schnell und können damit die anvisierte Aufprallgeschwindigkeit erreichen, die sich die Forscher für eine zukünftige Mission wünschen. Um den Impulsübertrag und damit die Effizienz des Aufpralls nachzuweisen, messen die Forscher mit Hilfe von Hochgeschwindigkeitskameras und Laserinterferometern den Ausschlag des Pendels. »In einem realen Fall würde der Einschlag einer Raumsonde die Geschwindigkeit des Asteroiden nur um wenige Zentimeter pro Sekunde ändern. Das reicht jedoch aus, dessen Bahn langsam aber im Lauf der Zeit signifikant abzulenken. Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde muss man daher schon Jahre vorher beschießen, um einen möglichen Zusammenstoß abzuwenden«, erklärt Schäfer.

Der Pendeltest ist Teil des von der EU geförderten Weltraumprojekts NEOShield, das Alan Harris vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) koordiniert. Hier arbeiten Spezialisten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, USA und Russland an Wegen, die Erde vor »Near Earth Objects«, erdbahn-kreuzenden Asteroiden, zu schützen.

Eines der Ziele ist es, bis Mitte 2015 eine Weltraummission zu planen, bei der tatsächlich ein Asteroid abgelenkt werden kann. Versuchsobjekte gehen den Spezialisten nicht aus: Alleine im September stehen uns laut der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA über 20 weitere »close approaches« bevor. »2008 HB38« kommt uns dabei am 15. des Monats mit knapp fünf Millionen Kilometern am nächsten.

Dr. Frank Schäfer | Fraunhofer Forschung Kompakt
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2013/september/asteroiden-aus-der-bahn-werfen.html

Weitere Berichte zu: Asteroid Aufprall Impuls Labor Luft- und Raumfahrt Pendel Raumsonde Zusammenstoß

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung
21.02.2017 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Sternenmusik aus fernen Galaxien
21.02.2017 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten