Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Asteroid Vesta enthüllt Überraschendes über die Planetenentstehung

17.07.2014

Computersimulationen eines Asteroiden zeigen, dass der Aufbau und die Entstehung von Planeten – auch der Erde – anders sein könnten als bisher gedacht. Die Ergebnisse beruhen auf Modellberechnungen des Berner Center for Space and Habitability (CSH).

Planeten entstanden massgeblich durch Kollisionen zwischen Himmelskörpern – nach einem Crash «schluckten» sie jeweils das fremde Material und wuchsen von ihrer Vorform, den Protoplaneten, immer mehr zu Planeten heran. Asteroiden hingegen sind Kleinkörper, die nicht von den Planeten «geschluckt» wurden und in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung bestehen blieben. Sie bergen deshalb unschätzbare Informationen zur Entstehung unseres Sonnensystems.


Das Innenleben von Vesta. Grafik: EPFL

Besonders der Asteroid Vesta: Er ist er der einzige bekannte Asteroid, der eine erdähnliche Struktur aufweist – mit einem Kern, einem Mantel und einer Kruste. Computersimulationen des Berner Astrophysikers Martin Jutzi zeigten bereits vor einem Jahr, wie Vesta durch den Zusammenprall mit zwei Meteoriten seine elliptische Form erhielt.

Die Simulationen erlaubten auch erstmals Rückschlüsse auf das Innenleben von Vesta und halfen bei der Auswertung von Daten aus Weltraummissionen mit – wie etwa der Raumsonde «Dawn», die Vesta umkreiste und unter anderem Informationen zu den Mineralien auf seiner Oberfläche lieferte.

Nun halfen Jutzis Simulationen, das Innenleben von Vesta noch weiter offenzulegen – mit einem überraschenden Ergebnis: Die Kruste des Asteroiden scheint viel dicker zu sein als angenommen, und der darunterliegende Mantel, der den Kern umhüllt, viel dünner. Dies bedeutet, dass die Zusammensetzung und Entstehung von Vesta, aber auch der Erde und anderer Planeten, neu betrachtet werden muss. Die Ergebnisse der Studie, die in Zusammenarbeit mit der EPFL und Partneruniversitäten in den USA und Frankreich entstanden, werden nun in «Nature» publiziert.

80 Kilometer tiefe Einschläge

Zwei riesige Krater durch Meteoriteneinschläge auf Vesta waren der Ausgangspunkt: Martin Jutzi untersuchte anhand seiner Modellberechnungen, wie diese Krater entstanden sind und wie die Zusammensetzung der Gesteine auf der Oberfläche von Vesta nach den grossen Meteoriteneinschlägen aussehen sollte.

Ein Vergleich mit den Daten der «Dawn»-Mission brachte zutage, dass etwas fehlte: Das Mineral Olivin, der Hauptbestandteil des Mantelmaterials, das nach einem so tiefen Einschlag eigentlich überall auf der Oberfläche herumliegen sollte, war nicht auffindbar. «Wir gingen von einer Krustendicke von 30 Kilometern aus», sagt Jutzi. «Dass aber kein Olivin aus der darunterliegenden Mantelschicht vorhanden ist, zeigt, dass die Meteoriten die Kruste trotz ihrer Einschlagstiefe von 80 Kilometern nicht durchdringen konnten und diese also viel dicker sein muss als angenommen.»

Damit verschieben sich auch die Proportionen: Wenn die Kruste dicker ist als 80 Kilometer, muss der darunterliegende Mantel wiederum viel dünner sein. Dies lässt auch auf eine andere Zusammensetzung des Materials schliessen. «Möglicherweise wurde die Kruste durch im Mantel gebildete vulkanische Brocken verdickt, die teilweise an die Oberfläche gelangten», sagt Jutzi. Dies wirft neue Fragen auf, wie Vesta, aber auch die Erde und andere Planeten zusammengesetzt sind und wie sie entstanden sind.

Weitere Informationen:

http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/index_ger.ht...

Nathalie Matter | Universität Bern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Die „dunkle“ Seite der Spin-Physik
16.01.2018 | Technische Universität Berlin

nachricht Blick ins Universum
15.01.2018 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal mit neuem Onlineauftritt - Lösungskompetenz für alle IT-Szenarien

16.01.2018 | Unternehmensmeldung

Die „dunkle“ Seite der Spin-Physik

16.01.2018 | Physik Astronomie

Wetteranomalien verstärken Meereisschwund

16.01.2018 | Geowissenschaften