Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

AIT Austrian Institute of Technology: Quantentechnologie - Vom Phänomen zum Industriestandard

27.11.2009
Im Rahmen einer vom AIT u. der Gesellschaft f. Informationstechnik im OVE (OVE-GIT) organisierten Veranstaltung diskutierten am 17. Nov. 80 Vertreter aus Wirtschaft u. Industrie mit Repräsentanten aus Wissenschaft u. Forschung über zukunftsorientierte Kooperationsmodelle zwischen Grundlagenforschung u. Markterfolg am Beispiel der Quantenforschung am AIT.

Anton Zeilinger (Universität Wien, IQOQ), Heinz Hubmer, Leiter d. Forschungsabteilung bei Corporate Technology d. Siemens AG Österreich u. Helmut Leopold, Head of Safety & Security Department (AIT) erörterten gemeinsam Ansätze für eine Sicherstellung von wirtschaftlichem Erfolg am Standort Österreich für Unternehmen im globalen Wettbewerb.

Die Runde war sich einig: Die Industrie forscht, wo auch die Rahmenbedingungen stimmen, das heißt, so Heinz Hubmer (Leiter der Forschungsabteilung bei Corporate Technology der Siemens AG Österreich): "Es braucht einen attraktiven Absatzmarkt, ein gutes F&E Fördersystem und vor allem kluge Köpfe, also universitäre sowie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mit internationaler Reputation. Den außeruniversitären Einrichtungen, wie dem AIT, kommt dabei zusätzlich die wichtige Rolle zu, Forschung in Industrienähe zu treiben." Schließlich bedarf es aber auch potenter Wirtschaftsunternehmen, um die Erkenntnisse aufzugreifen und auf den Weg in die Kommerzialisierung vorantreiben.

Aufbauend auf der weltweit erfolgreichen Grundlagenforschung von Anton Zeilinger in seinem Institut setzte das AIT Austrian Institute of Technology ein strategisches Ziel in der Industrialisierung. Die Kooperationsmöglichkeiten zwischen Forschung und Wirtschaft konnten anhand der Quantenkryptografie dargestellt werden, wirkten mit dem AIT als Vermittler zwischen der Universität Wien und der Siemens AG Österreich doch drei Kompetenzzentren aus Wissenschaft und Industrie zusammen. Denn für die Wissenschafts- und vermehrt auch Wirtschaftsszene präsentierte sich die Quantenkryptografie in Hinblick auf ihre höchste Sicherheit im Rahmen der Datenübertragung besonders bestechend, wo nicht zuletzt der Standort Wien als weltweit führendes Kompetenzzentrum in den vergangenen Jahren bereits einige Bahn brechende Erfolge vorweisen konnte.

AIT-ForscherInnen entwickelten gemeinsam mit WissenschaftlerInnen der Universität Wien eine Technologie, um ein absolut abhörsicheres System zu bauen. 2004 gelang den ForscherInnen des heutigen AIT die erste, den Gesetzen der Quantenkryptografie folgende, Banküberweisung, und im Oktober 2008 setzte man mit dem ersten verschlüsseltem standortübergreifenden Datentransfer ebenfalls weltweit Maßstäbe: 41 Partner aus 12 Ländern kooperierten im damaligen Projekt SECOQC nicht zuletzt auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Umsetzung des prototypischen Netzwerkes. Diese Leistungen spiegeln die Sichtweisen der Vertreter aus Universitäten, innovativen Unternehmen und dem AIT Austrian Institute of Technology wider. "Unter diesen Voraussetzungen Wien als quasi Welthauptstadt der Quantenforschung zu profilieren, ist demnach auch keine Vision mehr, sondern eine Zielsetzung", meint Helmut Leopold, Head of Safety & Security Department. "Wenn die richtigen Akteure erfolgreich zusammenarbeiten, haben wir die Möglichkeit, Wien und Österreich an vorderster Front zu positionieren. Ich halte das sogar für eine ganz wichtige Zielsetzung unserer Anstrengungen."

Weitere konkrete industrielle Anwendungen sieht Zeilinger im Bereich der Quanten-Zufallsgeneratoren. "Wir können sowohl Zufallszahlen lokal generieren, sowie auch zwei gleiche Zufallszahlen an verschiedenen Orten," meint Zeilinger. Praktische Chancen im Rahmen einer globalen Umsetzung sieht er etwa in der Glücksspielindustrie. Physikalische Zufallsgeneratoren ermöglichen im Gegensatz zu den mathematischen nämlich erstmals garantiert und über jeden Verdacht erhabenes Zahlenmaterial.

Standardisierung von Quantenkryptographie

Den nachhaltigen Ausbau der Kooperation zwischen Forschung und Wirtschaft verfolgt das AIT im Rahmen des von der österreichischen Forschungs¬förderungsgesellschaft (FFG) geförderten Projektes TRUQ, bei dem der praktische Einsatz von Quantenkryptografie in Europa und im Speziellen in Österreich eine besondere Rolle spielt.

Zentrales Augenmerk liegt dabei auf der laufenden Einbindung von Industrie-Unternehmen, um einen aktuellen wirtschaftlichen Fokus in den Forschungsarbeiten - auch in Hinsicht auf zukünftige mögliche Anwendungsfelder und Applikationen - sicherzustellen. Dies bildete die Grundlage für die von der OVE-GIT und dem AIT organisierte Veranstaltung.

Durch das Engagement von AIT-ForscherInnen im Rahmen einer Expertengruppe des European Telecommunications Standards Institute (ETSI) hat das AIT in der Thematik der Entwicklung gemeinsamer Standards in diesem Kontext bereits eine führende Rolle in Europa eingenommen.

Michael Hlava | idw
Weitere Informationen:
http://www.ait.ac.at
http://www.truq.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Schnell wachsende Galaxien könnten kosmisches Rätsel lösen – zeigen früheste Verschmelzung
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht 3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind
24.05.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften