Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Acker sicher auf den Teller

16.01.2015

BfR informiert auf der Internationalen Grünen Woche 2015 über Schimmelpilze, giftige Wildkräuter und Pflanzenschutzmittel

Schadpilze oder Wildkräuter können Kulturpflanzen schädigen, ihr Wachstum beeinträchtigen oder das Erntegut verunreinigen. Gelangen sie in Lebensmitteln zu Verbrauchern, können sie gegebenenfalls deren Gesundheit gefährden.

Pyrrolizidinalkoloide im Jakobskreuzkraut wirken beispielsweise krebserzeugend, Mutterkornalkaloide können zu Übelkeit, Herzkreislaufproblemen oder Störung der Fortpflanzung führen. Das BfR bewertet die Gesundheitsrisiken von unerwünschten sowie natürlich vorkommenden Inhaltsstoffen und entwickelt Analysemethoden, um sie in Lebens- und Futtermitteln nachweisen zu können.

Um Ernten gegen Pilzbefall und die Verunreinigung durch Wildkräuter zu schützen, werden neben ackerbaulichen und agrartechnischen Maßnahmen auch Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Aber nicht gegen jeden Pilzbefall gibt es einen Wirkstoff. Wichtig ist somit vor allem eine gute landwirtschaftliche Praxis, um gesunde Lebensmittel zu produzieren.

Damit der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln für Verbraucher, den Anwender und unbeteiligte Dritte sicher ist, bewertet das BfR die gesundheitlichen Risiken. Nur wenn von Pflanzenschutzmitteln kein Gesundheitsrisiko ausgeht, werden diese in Deutschland zugelassen.

„Viele Menschen sind sich nicht bewusst, welche Gesundheitsrisiken von natürlich vorkommenden Pflanzen und Pilzen ausgehen können. Oftmals fürchten sich Verbraucher mehr vor Pflanzenschutzmittelrückständen“, so Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Am BfR-Stand 124 in Halle 3.2 (Erlebnisbauernhof) zeigt das BfR auf der Internationalen Grünen Woche vom 16. bis 25. Januar 2015, wie Pflanzenkrankheiten aussehen und gibt Einblick in seine Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln.

Auf dem Lehrpfad des BfR-Standes ist nachgebildet, was neben den gewünschten Kulturpflanzen noch alles auf Äckern wachsen kann. Die Besucher lernen unterschiedliche Weizenanpflanzungen - mit Pflanzenschutzmittel behandelter Weizen, mit Schimmelpilzen befallenen Weizen und Weizen, der mit Wildkräutern verunreinigt ist, zu unterscheiden. Es wird auch das giftige Jakobskreuzkraut gezeigt.

Die Besucher erhalten Tipps, wie sie sich und ihre Familien gegen Schimmelpilze und giftige Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln schützen können und Hinweise, wie man einen Befall von Wiesen und Weiden mit Jakobskreuzkraut bekämpft. Da Pflanzenschutzmittel im Fokus der Risikowahrnehmung von Verbrauchern stehen, erklärt das BfR außerdem, wie bei der gesundheitlichen Bewertung von Pflanzenschutzmitteln oder der Ableitung von Rückstandshöchstgehalten vorgegangen wird. Besucher des BfR-Standes können an einem Quizspiel am BfR-Glücksrad mit Fragen rund um das Thema „Vom Acker sicher auf den Teller“ teilnehmen. Auf Kinder wartet ein Suchspiel.

Schadpilze auf Getreidekulturen können Mykotoxine produzieren, die ein Gesundheitsrisiko für Verbraucher darstellen. Mykotoxine sind giftige Stoffwechselprodukte von Pilzen, die Übelkeit und Erbrechen sowie schwere Gesundheitsschäden auslösen können. Beispiele für mykotoxinbildende Schimmelpilze sind der Mutterkornpilz, Fusarien und Schwärzepilze.

Auch nach der Ernte kann bei Lagerung und Verarbeitung Schimmelpilzbefall auftreten. Eine hohe Getreidefeuchtigkeit begünstigt den Befall. Zur Bekämpfung können neben wichtigen vorbeugenden Maßnahmen, wie die richtige Auswahl der Fruchtfolgen und ackerbaulicher Maßnahmen, Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Mit Schimmelpilzen befallenes Tierfutter kann auch die Gesundheit von Tieren schädigen. Das am BfR angesiedelte Nationale Referenzlabor für Mykotoxine entwickelt und validiert Methoden zum Nachweis von Mykotoxinen in Lebens- und Futtermitteln.

Es gibt mehr als 500 verschiedene Pyrrolizidinalkaloide, die in über 6000 Pflanzenspezies vorkommen. Sie wachsen vorwiegend auf Weiden und Brachflächen und leisten als Wildkräuter einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt. Pyrrolizidinalkaloidhaltige Pflanzen gehören zu den Familien der Korbblütler (Asteraceae), der Rauhblatt- oder Borretschgewächse (Boraginaceae) und der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).

In Deutschland sind beispielweise das Jakobskreuzkraut, das Gemeine Greiskraut oder der Natternkopf heimisch. Eine Verunreinigung von Lebensmitteln und Futtermitteln mit Pyrrolizidinalkaloiden ist unerwünscht, da sie Krebs erzeugen können. Sie wurden in Kräutertees, Getreide, Salaten, Blattgemüsen, Honigen und Futtermitteln nachgewiesen. Das BfR entwickelt Analysemethode zum Nachweis von Pyrrolizidinalkaloiden in verschiedenen Lebensmitteln und Futtermitteln.

Pflanzenschutzmittel werden eingesetzt, um Kulturpflanzen vor Schaderregern wie Pilzen, Wildkräutern oder Schadinsekten zu schützen und den Ernteertrag und die Qualität der Nahrungsmittel zu sichern. Im November 2014 waren in Deutschland 775 verschiedene Pflanzenschutzmittel zugelassen. Diese Pflanzenschutzmittel enthielten insgesamt 276 unterschiedliche Wirkstoffe. Pflanzenschutzmittel werden entsprechend ihrer Wirkung in verschiedene Gruppen eingeteilt: Es gibt Herbizide gegen Wildkräuter, Insektizide gegen Insekten, Fungizide gegen Pilze, Molluskizide gegen Schnecken, Akarizide gegen Milben, Rodentizide gegen Nagetiere und Wachstumsregler zur Steuerung biologischer Prozesse.

Auch wenn Pflanzenschutzmittel vorschriftsmäßig eingesetzt werden, können Rückstände auf dem Getreide, dem Obst oder Gemüse verbleiben. Im Rahmen der europäischen Verfahren zur Genehmigung von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen und zur Festsetzung von Rückstandshöchstgehalten bewertet das BfR die gesundheitlichen Risiken von Wirkstoffen und schlägt Rückstandshöchstgehalte vor.

Höchstgehalte werden im Rahmen des EU-weiten Verfahrens nicht höher festgesetzt als es nach guter landwirtschaftlicher Praxis erforderlich ist. Damit wird dem Minimierungsgebot für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln Rechnung getragen. Werden diese Höchstgehalte eingehalten, ist nach Stand der Wissenschaft nicht von einem Gesundheitsrisiko durch Rückstände von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen auszugehen, werden sie überschritten, ist das Lebensmittel nicht verkehrsfähig.

Viele Verbraucher gehen davon aus, dass in Lebensmitteln keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln enthalten sein dürfen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung der deutschen Bevölkerung zur Thematik „Pflanzenschutzmittel-Rückstände in Lebensmitteln“, die im Auftrag des BfR durchgeführt wurde. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln werden von Verbrauchern als relativ großes gesundheitliches Risiko angesehen. Dem BfR liegen keine Meldungen vor, dass es durch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen gekommen wäre. Vor diesem Hintergrund informiert das BfR auf der Grünen Woche über Pflanzenschutzmittel, um Verbrauchern eine realistische Einschätzung des Risikos zu ermöglichen.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Weitere Informationen:

http://www.bfr.bund.de/de/veranstaltung/vom_acker_sicher_auf_den_teller___besuch... Veranstaltungsankündigung des BfR

Dr. Suzan Fiack | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Boden – Grundlage des Lebens / Bodenforscher auf der Internationalen Grünen Woche
16.01.2018 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht EMAG auf der GrindTec 2018: Kleine Bauteile – große Präzision
11.01.2018 | EMAG GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics