Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vollautomatisch − auf den Spuren von Bertha Benz

10.09.2013
In dem von Daimler auf der IAA gezeigten automobilen Mercedes-Benz S 500 INTELLIGENT DRIVE steckt auch Forschung und Entwicklung von Karlsruher Forschern des KIT und FZI.

Das Auto mit Autopilot, das selbstständig in fließenden Verkehr einfädeln, Kreuzungen sicher überqueren und Hindernisse erkennen kann, hat die historische Strecke der legendären Fahrt von Bertha Benz über mehr als 100 Kilometer durch 24 Städte und Ortschaften mit Hilfe der Karlsruher Forscher zurückgelegt.


Mit Hilfe einer detaillierten digitalen Karte können auch Kreisverkehre automatisch durchfahren werden. Abb.: Julius Ziegler

Fahrzeuge, die mitdenken und für mehr Sicherheit im Verkehr sorgen: Das ist Ziel eines gemeinsamen Projektes von Karlsruher Forschern und der Daimler AG. Mit videobasierter Ortung und Navigation sowie intelligenten Sensoren kann sich der Mercedes-Benz S 500 INTELLIGENT DRIVE selbstständig in den fließenden Verkehr einfädeln, Kreuzungen sicher überqueren und Hindernisse erkennen.

Dass das System funktioniert, haben die Partner nun auf einer besonderen Route demonstriert: Das autonome Fahrzeug fuhr die Strecke nach, die Bertha Benz vor 125 Jahren für die historische erste Langstrecken-Autofahrt wählte. Daimler stellt das Fahrzeug in dieser Woche auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt vor.

Das Fahrzeug legt dabei autonom die Route zurück, die über rund 100 Kilometern auf Bundes- und Landstraßen durch insgesamt 24 Städte und Ortschaften von Mannheim nach Pforzheim führt. Dafür wurde die Mercedes-Benz-S-Klasse unter Federführung der Daimler AG in einer Forschungspartnerschaft mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem FZI Forschungszentrum Informatik am KIT mit der entsprechenden Technologie ausgestattet.

Die Sensorik, über die das Fahrzeug seine Umgebung wahrnimmt, hat Daimler entwickelt und ist in ähnlicher Weise bereits heute in der neuen E- und S-Klasse verfügbar. Dafür, dass das Fahrzeug auf die von seinen Sensoren gelieferten Daten auch reagieren kann, sorgen Verfahren, die Daimler gemeinsam mit dem Team um Professor Christoph Stiller am Institut für Mess- und Regelungstechnik des KIT und am FZI erarbeitet hat.

Bei der Entwicklung dieser Verfahren ging es vor allem darum, berechnen zu können, wie sich das Fahrzeug im Verkehr verhalten soll (Verhaltensgenerierung), um dann den optimalen Weg zu wählen (Trajektorienplanung).

„Aus den Sensordaten bestimmt das System dann Lenkradwinkel, Beschleunigungen und Verzögerungen – kurz: wohin und wie schnell das Fahrzeug fahren soll“, sagt Stiller. So sei das Fahrzeug in der Lage, Kreisverkehre und Kreuzungen zu überqueren, sich in den fließenden Verkehr einzufädeln, andere Verkehrsteilnehmer und Ampeln zu erkennen sowie Hindernisse zu umfahren. „In diesem Forschungsprojekt haben wir demonstriert, das hochautomatisiertes Fahren mit einfachen Videosensoren möglich ist. Assistenzfunktionen, die das Fahren noch sicherer und umweltfreundlicher machen, werden wir schon bald in Serienfahrzeugen sehen“, so Stiller.

Für die Fahrt auf der Bertha-Benz-Route haben er und seine Mitarbeiter sich zusammen mit Daimler auch mit Inhalten für die zum autonomen Fahren erforderlichen neuartigen digitalen Karten beschäftigt. Sie sind mit den Karten, die heutigen Navigationssystemen zugrunde liegen, zwar vergleichbar, jedoch wesentlich detaillierter.

„Diese Karten enthalten die Informationen, die das Fahrzeug während der Fahrt nicht oder nur schlecht selbst erfassen kann, etwa die Lage von Fahrkorridoren im Kreuzungsbereich, die Position von Ampeln oder auch Vorfahrtsregeln“, erläutert Julius Ziegler, Projektleiter am FZI, der das Projekt auf Karlsruher Seite gemeinsam mit Christoph Stiller koordinierte. Dafür muss das Fahrzeug in der Lage sein, seine Position jederzeit sehr genau zu bestimmen.

„Für handelsübliche Navigationssysteme reicht eine Satellitenortung über GPS mit einer Genauigkeit von einigen Metern aus – für unser Vorhaben war allerdings eine zentimetergenaue Ortung erforderlich“, so Ziegler. Gelöst haben die Wissenschaftler dies über ein videobasiertes Lokalisierungsverfahren. Mit einem speziell ausgestatteten Fahrzeug wird hierzu eine Kartierungsfahrt durchgeführt, das heißt, anhand von Kameradaten wird ein visuelles Modell der Strecke und ihrer näheren Umgebung erzeugt. Das automatische Fahrzeug gleicht dieses Modell später über seine eigene Kamera mit der Umgebung ab und ermittelt so jederzeit sehr genau, wo auf der Strecke es sich befindet.

Seit Juni 2012 haben die Projektpartner mehr als 6.500 Kilometer im öffentlichen Straßenverkehr autonom zurückgelegt. Bei diesen Testfahrten waren jederzeit zwei Sicherheitsfahrer im Fahrzeug, die bei Bedarf eingreifen konnten. Die Testfahrten blieben von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, denn äußerlich ist das Forschungsfahrzeug – das Daimler auf der diesjährigen IAA vorstellt – nicht von einem Serienfahrzeug zu unterscheiden. Bei vorherigen Probefahrten war auch das am Institut für Mess- und Regelungstechnik des KIT entwickelte autonome Fahrzeug „AnnieWAY“ im Einsatz, das bereits in den vergangenen Jahren bei internationalen Wettbewerben erfolgreich war, unter anderem als Sieger des Grand Cooperative Driving Challenge 2011 sowie als Finalist des Urban Challenge 2007.

Über das FZI Forschungszentrum Informatik
Das FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie ist eine gemeinnützige Einrichtung für Informatik-Anwendungsforschung und Technologietransfer. Es bringt die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Informationstechnologie in Unternehmen und öffentliche Einrichtungen und qualifiziert junge Menschen für eine akademische und wirtschaftliche Karriere oder den Sprung in die Selbstständigkeit. Geführt von Professoren verschiedener Fakultäten entwickeln die Forschungsgruppen am FZI interdisziplinär für ihre Auftraggeber Konzepte, Software-, Hardware- und Systemlösungen und setzen die gefundenen Lösungen prototypisch um. Mit dem FZI House of Living Labs steht eine einzigartige Forschungsumgebung für die Anwendungsforschung bereit. Alle Bereiche des FZI sind nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert; Bereiche mit Anwendungsforschung für Medizinprodukte auch nach DIN EN ISO 13485:2010. Hauptsitz ist Karlsruhe.

Das FZI ist mit einer Außenstelle in Berlin vertreten.

Über das Karlsruher Institut für Technologie
Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und gebaute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter knapp 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 000 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.
Weitere Informationen
FZI Forschungszentrum Informatik
Haid-und-Neu-Str. 10–14, 76131 Karlsruhe
Ansprechpartnerin: Johanna Barsch, FZI Corporate Communications and Media
Telefon: +49 721 9654-904
E-Mail: barsch@fzi.de
Karlsruher Institut für Technologie
Kaiserstraße 12
76131 Karlsruhe
Ansprechpartnerin: Monika Landgraf, Pressesprecherin
Telefon: +49 721 608-47414
E-Mail: presse@kit.edu

Vera Münch | idw
Weitere Informationen:
http://www.fzi.de
http://www.kit.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Digitalisierung von HR-Prozessen – tisoware auf der Personal Nord und Süd
21.03.2017 | tisoware Gesellschaft für Zeitwirtschaft mbH

nachricht Hochauflösende Laserstrukturierung dünner Schichten auf der LOPEC 2017
21.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise