Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schön lackiert - auf Basis nachwachsender Rohstoffe

17.03.2009
Wie entstehen aus Zuckern und Pflanzenölen kratzbeständige Holzlacke? Fraunhofer-Forscher zeigen es: Sie haben Möbellacke entwickelt, die etwa zur Hälfte aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen – bei gleich guten Eigenschaften wie herkömmliche Lacke. Ihre Neuentwicklungen präsentieren die Wissenschaftler auf der Messe European Coatings Show vom 31. März bis zum 2. April in Nürnberg (Halle 9, Stand 163).

Die Erdölvorräte sind begrenzt und nachwachsende Rohstoffe werden in Zukunft an die Stelle petrochemischer Grundstoffe treten müssen.

Was Möbellacke betrifft, konnten Fraunhofer-Forscher am Institut für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI in Braunschweig Erdölbestandteile bereits zu einem großen Teil ersetzen: Die Wissenschaftler haben wasserverdünnbare Möbellacke auf Basis von Pflanzenölen und Zuckern entwickelt, die in ihren Eigenschaften den handelsüblichen Lacken in nichts nachstehen. Sie sind genauso chemikalienbeständig, abriebfest und kratzbeständig.

»Mit diesen Lacken können wir der Industrie eine ansprechende Alternative zur Petrochemie bereitstellen, die sich gut bewährt hat und wirtschaftlich ist«, berichtet Dr. Claudia Philipp vom Fraunhofer WKI. Die neuen Lacke basieren auf der chemischen Verbindung 1,3-Propandiol, das sich aus Glycerin herstellen lässt. Glycerin wiederum ist die Grundsubstanz aller Pflanzenöle und fällt als Nebenprodukt etwa bei der Herstellung von Fettsäuren oder Biodiesel an. Aus 1,3-Propandiol synthetisieren die Forscher im Labor das Lack-Bindemittel Polyurethan, ein Bestandteil von harten und kratzbeständigen Klarlacken. »Das kostengünstige 1,3-Propandiol soll einen teuren petrochemischen Synthesebaustein ersetzen, wobei die Beschichtungseigenschaften des Lacks gleichbleiben«, erklärt Dr. Guido Hora, Abteilungsleiter am Fraunhofer WKI.

1,3-Propandiol wurde bislang wenig Beachtung geschenkt und ist momentan noch ein seltener Lackrohstoff. »Wir haben erstmals den Zusammenhang zwischen dem Ausgangsstoff und den Eigenschaften des Lacks genauer unter die Lupe genommen«, erläutert Philipp. Das Ergebnis: »Wie die chemische Struktur von 1,3-Propandiol vermuten lässt, ist der neue Lack nicht nur hart, sondern auch stoßelastisch.« Er platzt demnach nicht ab, wenn beispielsweise eine Tasse auf den lackierten Tisch fällt. Ein guter Lack soll zwar hart sein, aber einen Stoß auch in gewissem Maße abfangen, um das Möbelstück unter ihm zu schützen. Der neue Lack der Fraunhofer-Forscher ist zudem NMP-frei. Die Substanz N-Methyl-2-pyrrolidon (NMP), einst ein beliebtes Lösemittel für Polyurethanlacke, war früher in vielen Produkten vertreten. Jedoch schädigt die Substanz das Kind im Mutterleib und ist inzwischen EU-weit in Konzentrationen von größer fünf Prozent kennzeichnungspflichtig.

Erstmals ist es den Forschern auch gelungen, einen Acryllack auf Basis von gewöhnlichen Zuckern herzustellen. Dieser besteht zu über 60 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und enthält härtere Grundbausteine als gewöhnliche Acryllacke. Auf der Messe European Coatings Show in Nürnberg präsentieren die Forscher vom Fraunhofer WKI die beiden neuentwickelten Lacke. Highlight ist ein Tisch, der mit dem neuen Polyurethanlack lackiert ist. In einem Schaukasten sieht der Besucher auch, welche Stationen ein Lack bei seiner Entstehung durchläuft. Das Motto des Fraunhofer-Gemeinschaftstands lautet: »Vom Rohstoff zur Funktionsbeschichtung«. Mit dabei sind weitere Fraunhofer-Institute, die auf die Herstellung von Lacken und Farben spezialisiert sind: das Institut für Silicatforschung ISC, das Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM und die Allianz Photokatalyse. Das Fraunhofer ISC präsentiert Glasfassadenelemente mit funktionellen Oberflächen, das Fraunhofer IFAM ein Flugzeugmodell mit speziellen Polyurethan-Beschichtungen.

Claudia Philipp | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.wki.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Laser World of Photonics 2017: Abhörsicher kommunizieren mit verschränkten Photonen
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht EMO 2017: Smarte Lösungen für Produktionsoptimierung und Sägetechnologie
20.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften