Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schneller zum Mikroscanner mit VarioS

10.01.2011
Die Neuentwicklung mikroskopisch kleiner Scannerspiegel für optische Geräte wie Supermarkt-Handscanner ist zeitraubend. Industriekunden müssen viele Monate auf erste Muster oder Vorserienmodelle warten.

Auf der Messe Photonics West 2011 in San Francisco stellen Fraunhofer-Forscher jetzt ihren »Mikroscanner-Baukasten« VarioS vor – ein schnelles und effizientes Fertigungssystem. Damit schrumpfen die Kosten und die Wartezeiten von der Bestellung bis zur Auslieferung auf wenige Wochen.

Man braucht sie für den Scanner an der Supermarktkasse oder für moderne Head-Up-Displays, die die Tachoanzeige und Warnsymbole auf die Windschutzscheibe von Oberklasse-Autos werfen: Mikroscanner. Das sind mikroelektromechanische Systeme (MEMS), also Spezialchips, in deren Oberflächen ein winziges Kipp-Spiegelchen hineingeätzt wird. Dieses wird durch elektrischen Strom zum Schwingen angeregt. Fällt Licht auf den Spiegel, kann es abgelenkt werden und eine Oberfläche abtasten. Damit sind die kleinen Bauteile das Herzstück von Handscannern oder hochpräzisen Mini-Projektoren. Der Herstellungsprozess der Mikroscannerchips ist ungeheuer aufwändig. In mehr als 100 Arbeitsschritten werden Schichten auf eine Siliziumscheibe aufgebracht, belichtet und strukturiert, sodass feine Leiterstrukturen und die bewegliche Spiegelfläche entstehen.

Die Hersteller von Handscannern oder anderen hochwertigen optischen Geräten müssen sich deshalb bislang in Geduld üben und hohe Kosten einplanen, um an erste Muster von geeigneten Mikroscannerspiegeln zu gelangen. Von der ersten Projektskizze bis zum fertigen Mikroscannerchip vergehen viele Monate. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist dies ein Problem. Sie sind darauf angewiesen, dass sie die Entwicklungskosten eines neuen Produkts schnell durch Verkaufserlöse wieder einspielen.

Forscher vom Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS in Dresden, die zu den führenden Entwicklern von Mikroscannern gehören, haben jetzt mit ihrem Mikroscanner-Baukasten VarioS einen Weg gefunden, die Wartezeit für die Industriekunden erheblich zu reduzieren. Dabei handelt es sich um ein modulares Fertigungssystem, in das Kunden über eine Internet-Plattform eine Anfrage eingeben. Die Kunden können ähnlich wie in einem Online-Shop einen passenden Mikroscanner auswählen oder den Mikroscanner innerhalb gewisser Designgrenzen nach eigenen Wünschen konfigurieren. So kann man zwischen verschiedenen Spiegeldurchmessern oder Modellen wählen, deren Spiegel eindimensional oder zweidimensional kippen kann. Je nachdem, wie ausgefallen die Wünsche sind, beträgt die Lieferzeit für einen neuen Mikroscanner zwischen drei und maximal neun Wochen.

Natürlich lässt sich die Hightech-Produktion der Mikroscanner nicht allein durch den Internet-Auftritt beschleunigen. Vielmehr wird die Lieferzeitverkürzung durch eine Veränderung der Produktion erreicht. Bislang wurden verschiedene Eigenschaften des Mikroscanners am Anfang des Prozesses festgelegt. Orderte ein Kunde einen neuen Spiegel, musste das Bauteil von der blanken Siliziumscheibe an neu gefertigt werden. Entsprechend lang war die Wartezeit. Den IPMS-Spezialisten ist es nun gelungen, die Strukturierung der Chipoberfläche so flexibel zu gestalten, dass Sonderwünsche des Kunden noch relativ spät im Prozess berücksichtigt werden können.

»Die Mikroscanner haben jetzt bereits rund zwei Drittel des Herstellungsprozesses durchlaufen, wenn die Endfertigung nach Kundenwunsch beginnt«, sagt Denis Jung, der die VarioS Baukasten-Entwicklung am IPMS leitet. Entsprechend schnell kann das fertige Bauteil ausgeliefert werden. Eine kundenspezifische Fertigung sei künftig aber gar nicht immer nötig, denn der Online-Konfigurator, mit dem Kunden einen neuen Mikroscanner an ihre Anforderungen anpassen können, bietet auch Bauteile an, die sich im Lager befinden. Mit 150 fertigen Designs, die direkt ab Lager geliefert werden können, finden Kunden ein großes Angebot unterschiedlicher Bauteile für verschiedene Anwendungen bereits vor. Das IPMS kann Einzelstücke aber auch größere Mengen an Mikroscannern für Kleinserien liefern.

Während der Photonics West 2011 können sich interessierte Kunden am Stand des IPMS – North Hall, Stand 4421 – erstmals ihren Wunsch-Mikroscanner mit dem Scanner-Konfigurator VarioS unter www.micro-mirrors.com zusammenstellen und sich ein Angebot einholen.

Denis Jung | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.micro-mirrors.com
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/13/Schneller-zum-Mikroscanner-mit-VarioS.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Diamantlinsen und Weltraumlaser auf der Photonics West
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht COMPAMED 2017 zeigte neue Fertigungsverfahren für individualisierte Produkte
06.12.2017 | IVAM Fachverband für Mikrotechnik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik