Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Papier mit gutem Sound

02.05.2012
Das Institut für Print- und Medientechnik der TU Chemnitz präsentiert auf der Drucktechnik-Messe drupa auf Papier gedruckte Lautsprecher und einen Solarbaum mit gedruckten Solarzellen
Das Institut für Print- und Medientechnik der Technischen Universität Chemnitz (pmTUC) präsentiert vom 3. bis 16. Mai 2012 auf der Fachmesse drupa neue Forschungsergebnisse, die im wahrsten Sinne aufhorchen lassen: Lautsprecher, die im Flexodruckverfahren auf Standardpapier gedruckt wurden. Das Team um pmTUC-Leiter Prof. Dr. Arved Hübler ist auf der weltgrößten Messe für Drucktechnik in der Messe Düsseldorf am Stand des Druckmaschinenherstellers Windmöller & Hölscher KG (Lengerich) zu finden: Halle 15 – Stand A41/1.

Der gedruckte Papierlautsprecher wird - wie jeder andere Lautsprecher auch - an einen Audioverstärker angeschlossen. "Das Frequenzverhalten und damit die Klangqualität sind gut. Überraschend laut sind die Papiere auch. Lediglich die Bässe des Papierlautsprechers sind etwas schwach", erläutert Dr. Georg Schmidt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am pmTUC. Die Chemnitzer Forscher stellen die dünnen Lautsprecher aus mehreren Schichten eines leitfähigen organischen Polymers sowie einer piezoaktiven Schicht her. "Sie sind erstaunlich robust können durch Drucken extrem kostengünstig produziert werden", erklärt Projektmitarbeiterin Maxi Bellmann. Die Papierlautsprecher können zusätzlich mit farbigen Botschaften bedruckt werden.

Prof. Hübler erhofft sich mit dem Papierlautsprecher ein großes Spektrum neuer Anwendungen: Zum Beispiel könnten sie - integriert in gängige Druckprodukte - für die Werbung attraktiv werden. "Außerdem sind Soundtapeten oder rein technische Anwendungen wie Abstandssensoren vorstellbar, denn die Papiere sind auch im Ultraschallbereich aktiv", sagt Hübler und ergänzt: "Da das Drucken freie Formen der Lautsprecher zulässt, hat man auch ganz neue Möglichkeiten, die erzeugten Schallwellen zu beeinflussen." Die Entwicklung entstand im Rahmen des Projektes Plastic Acoustics (PACU), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Beteiligt waren die Robert Bosch GmbH (Stuttgart), die Heraeus Clevios GmbH (Leverkusen), die X-spex GmbH (Berlin) und das Chemnitzer Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS.

Wo Strom an Bäumen wächst

Neben den gedruckten Lautsprechern zeigt das pmTUC auf der drupa auch Weiterentwicklungen der gedruckten Papiersolarzelle. "Vor einem halben Jahr haben wir 3PV - also printed paper photovoltaics - als Weltneuheit vorgestellt", berichtet Hübler. Auf der Fachmesse in Düsseldorf zeigen die Chemnitzer Forscher einen Solarbaum, an dem 50 gedruckte Papiersolarzellen als überdimensionale Blätter hängen. Einem realen Baum ähnlich, sammeln die der Sonne zugewandten Blätter Energie. Verbunden sind sie über Druckknöpfe. Via Kabel im Baumstamm fließt der Solarstrom in eine Batterie.

"Schaut man von unten in das schattige Blätterdach des Solarbaums, sind die Unterseiten der Blätter mit Werbung bedruckt", verrät Hübler und ergänzt mit einem Augenzwinkern: "Das ist besser als in der Natur." Denn laut Hübler ist die Werbebranche die treibende Kraft der Druckindustrie: "Sobald der Kunde entdeckt, dass man Werbung, die eine Solarzelle trägt, besser nicht wegwirft, sondern damit Strom erzeugt, wird die gedruckte Solarzelle ein unschlagbarer Werbeträger mit einem nachhaltigen Image", so der Chemnitzer Professor. Hübler glaubt nicht nur, dass die an der TU Chemnitz entwickelte 3PV-Technologie dereinst einen echten Beitrag zur Energieversorgung leisten kann, sondern dass damit auch der Durchbruch für die gedruckte Elektronik kommen wird.

In dem Buch "Print wird Elektronik", das Hübler anlässlich der drupa in Deutsch und Englisch veröffentlicht, analysiert er die Hintergründe dieser Entwicklungen und erklärt, welcher Wandel des klassischen grafischen Gewerbes aus seiner Sicht zu erwarten ist. Laut Hübler wird der Unterschied zwischen den elektronischen Medien und den klassischen Printmedien in Zukunft Stück für Stück verschwinden. "Elektronik wird zunehmend gedruckt werden, und Printmedien werden elektronisch sein", blickt Hübler in die Zukunft. Das Buch ist auf der drupa erhältlich und kann am pmTUC angefordert werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Arved Hübler, Telefon 0371 531-23610, E-Mail pmhuebler@mb.tu-chemnitz.de, und Sylvia Strauß, Telefon 0371 531-35501, E-Mail sylvia.strauss@mb.tu-chemnitz.de
Homepage: http://www.tu-chemnitz.de/pm
Zur 3PV-Technologie: http://www.pppv.de

Katharina Thehos | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/pm
http://www.pppv.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht COMPAMED 2017 zeigte neue Fertigungsverfahren für individualisierte Produkte
06.12.2017 | IVAM Fachverband für Mikrotechnik

nachricht Schlanke Motorsteuergeräte schaffen Platz im Schaltschrank erweitert RiLine Compact - Portfolio
30.11.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften