Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue 3D-Kamera revolutioniert Einzelhandel

18.05.2017

Eine an der TU Chemnitz entwickelte, neuartige 3D-Kamera soll in einem EXIST-Gründungsprojekt zur Marktreife entwickelt werden – Forscher stellen Prototyp auf der Messe „Sensor+Test“ in Nürnberg vor

Forscher der Professur Digital- und Schaltungstechnik der Technischen Universität Chemnitz entwickelten eine neue 3D-Kamera mit einem extrem weite Sichtbereich, welcher mit konventioneller 3D-Technik bisher nicht erreichbar war.


Markus Heß und Dr. Michel Findeisen (v.l.) von der Professur Digital- und Schaltungstechnik diskutieren die aktuellen Messergebnisse der neuen 3D-Sensor-Technik.

Foto: TU Chemnitz/Lars Meinel


Darstellung der Kundenanalyse in einem Supermarkt. Anders als bei vergleichbaren Technologien kann die Erfassung flächendeckend in der gesamten Verkaufsfläche erfolgen.

Grafik: TU Chemnitz/Stephanie Pester

Bedingt durch den extrem großen Erfassungsbereich und die hohe Messgenauigkeit bietet die Technologie das Potenzial etablierte Sensortechnologien zu ersetzen sowie völlig neue Anwendungen zu erschließen. Vom 30. Mai bis 1. Juni 2017 präsentieren die Chemnitzer ihre Innovation auf der internationalen Fachmesse Sensor+Test in Nürnberg, Gemeinschaftsstand „Forschung für die Zukunft“ (Halle 5, Stand 5-209).

Maschinelles Sehen im Aufwind

Ob zur Mensch-Technik-Interaktion, zur Steuerung von Maschinen und Robotern oder im Bereich der Fahrerassistenz und des autonomen Fahrens – die Methoden des maschinellen Sehens haben in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Neben aktuellen Themen der Datenauswertung (Stichwort „Deep Learning“) spielen auch neue Kamera-Technologien in dieser Wachstumsbranche eine enorme Rolle. In diesem Umfeld entstand in den vergangenen Jahren eine Vielzahl neuer Produkte. Die 3D-Kameras „Kinect“ oder „RealSense“ der Firmen Microsoft und Intel sind dabei nur zwei prominente Vertreter.

Sensor-Technik für den Außen-und Inneneinsatz

„Unsere neue Sensorik kann z. B. zur Hinderniserkennung und Kollisionsvermeidung in Robotern und Drohnen eingesetzt werden oder - an der Decke installiert - Personen in Innenräumen erkennen und deren Verhalten analysieren“, berichtet Lars Meinel, einer der Entwickler. Die Technik basiere auf dem sogenannten Stereo-Vision-Verfahren, welches mehrere bildgebende Sensoren nutzt, um zusätzlich zur Bild- auch eine Tiefeninformation zu berechnen.

„Der Vorteil dieser Stereo-Technik ist, dass sie sehr vielseitig einsetzbar ist. Sie funktioniert in Innenräumen genauso gut wie im Freien, wo aktive Messverfahren wie Time-of-flight oder Stuctured-light schnell an ihre Grenzen kommen“, erklärt der Wissenschaftler. Insbesondere die Dissertation des Chemnitzer Forschers Michel Findeisen zu einem neuen Verfahren der trinokularen Stereo-Berechnung habe die Grundlage für die neue Technologie zur hemisphärischen Echtzeit-3D-Erfassung gebildet.

Kundenverhalten im Einzelhandel in Blick

„Die möglichen Anwendungen unserer 3D-Kamera sind vielseitig, doch die wirtschaftliche Verwertbarkeit erfolgt erst durch den flächendeckenden Einsatz in einer praktischen Anwendung“, sagt Meinel. Die Umsetzung einer praxisnahen Anwendung sei von Anfang an das Ziel der Entwickler gewesen. Deshalb startet in Kürze das Gründungsprojekt „HemiStereo“. Wichtigste Zielbranche ist aktuell der stationäre Einzelhandel. Dieser kämpft seit Jahren gegen die Überlegenheit der Online-Konkurrenz.

„Ein Kernproblem steckt in der Verfügbarkeit von Informationen“, weiß Meinel und erklärt: „Die großen eCommerce-Anbieter wissen viel mehr über ihre Kunden als die stationären Händler und können so individuellere Angebote bereithalten und ihr Warenangebot und ihren Lagerbestand effektiver optimieren.“ Nun dringe Branchengigant Amazon mit dem vollautomatisierten Supermarkt namens „Go“ auch in den stationären Lebensmitteleinzelhandel vor.

Um hier als stationären Händler mithalten zu können, kann die 3D-Kamera aus Chemnitz in Verbindung mit Algorithmen des maschinellen Sehens künftig ein wichtiges Hilfsmittel sein. Dazu Meinel: „Mithilfe der 3D-Kamerasysteme kann das Kundenverhalten analysiert werden. So werden beispielsweise Laufwege ermittelt und festgestellt, welche Waren angesehen und eingepackt wurden. Die Auswertung erfolgt natürlich anonymisiert.“ Aufgrund des großen Sichtbereiches der Sensorik seien nur wenige Systeme pro Geschäft nötig.

Ab auf den Markt

Für ihre Idee wurde das dreiköpfige Gründerteam der TU Chemnitz kürzlich mit einem EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) ausgezeichnet. Mit der Förderung treiben die Chemnitzer nun die Entwicklung voran, erproben den Kundennutzen in der Applikation des Einzelhandels und bereiten die Vermarktung der Technologie in Form des Verkaufs von Sensorkomponenten vor.

Weitere Informationen erteilen Lars Meinel, Telefon 0371 531-33593, E-Mail lars.meinel@etit.tu-chemnitz.de, sowie Dr. Michel Findeisen, Telefon 0371 531-37919, E-Mail michel.findeisen@etit.tu-chemnitz.de, www.triscape.de

Dipl.-Ing. Mario Steinebach | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht IHP präsentiert sich auf der productronica 2017
17.11.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

nachricht Rittal auf der Messe "Meer Kontakte": IT sicher und platzsparend an Bord
08.11.2017 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte