Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartiges Diagnosesystem - Computerauge für Orthopäden

12.11.2008
Mediziner wünschen sich manchmal, in die inneren Bewegungsprozesse eines Patienten hineinschauen und genau sagen zu können, wodurch seine Beschwerden verursacht werden.

Hier ist die Wissenschaft gefragt, um mit immer präziseren Technologien Ärzte bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Eine innovative Entwicklung für die Bewegungsanalyse stellen Fachleute vom Lehrstuhl für Mechanik und Robotik der Uni Duisburg-Essen (UDE) bei der 40. medica vor. Die internationale Medizin-Messe findet vom 19. bis zum 22. November in Düsseldorf statt.

Durch die Bewegungsanalyse lassen sich pathologische Bewegungsabläufe diagnostizieren und der Erfolg von Behandlungen kontrollieren. Am Gemeinschaftsstand des Landes Nordrhein-Westfalen (Halle 3, Stand D 91) wird das neuartige Diagnosesystem für Operations- und Rehabilitationsmaßnahmen präsentiert. Unter dem Namen "MobileBody" wurde es gemeinsam mit der ITBB GmbH, einem aufstrebenden Biotechnik-Unternehmen, entwickelt. Es optimiert die derzeitigen Analysemethoden und erleichtert die Arbeit in der Praxis.

Um Störungen festzustellen, klebt man derzeit reflektierende Kugeln auf für die Bewegung relevanten Stellen am Körper. Diese so genannten Marker werden von Infrarotkameras verfolgt, während sich der Proband über eine Messstrecke bewegt. Dadurch können anschließend das Skelett und die Bewegungsabläufe rekonstruiert und ausgewertet werden. "Es gibt aber zwei Probleme an den derzeitig verfügbaren Softwares: Sie haben erstens nur ein Standard-Skelett, das an die Größe des jeweiligen Probanden angepasst wird und somit nicht die wirkliche Topologie des Patienten wiedergibt. Zweitens bestehen die Ergebnisse aus Plots und Grafiken, die für Ärzte meist nur schwer interpretierbar sind und ein großes Erfahrungswissen erfordern", beschreibt Dipl.-Ing. Dominik Raab vom Lehrstuhl für Mechanik und Robotik die Tücken der Technik.

Deshalb kombinieren die Wissenschaftler um Prof. Dr. Andrés Kecskeméthy diese Analyse mit einer Magnetresonanztomographie (MRT) und Röntgenaufnahmen. Die Auswertung ist somit genauer und man kann am Ende das Original-Skelett des Probanden betrachten. Zudem werden die Ergebnisse verständlicher aufbereitet, angepasst an den klinischen Alltag. "Die nach medizinischen Kriterien ausgelegte Benutzeroberfläche liefert direkt verwertbare Aussagen. Ein Beispiel: Ein Trendelenburg genanntes medizinische Syndrom wird je nach Ausprägung bei einem Patienten mit Graden von 0 bis 3 bewertet (0=gut, 3=schlecht). Unsere Anwendung verarbeitet die Messergebnisse mit einem Algorithmus und am Ende geht eine von vier Lampen an (grün=0=gut, rot=3=schlecht). So muss der Arzt keine komplizierten Grafiken auswerten, sondern er kann das Ergebnis direkt ablesen", erklärt Kecskeméthy.

Das neue System kommt derzeit bei Pilotprojekten in der medizinischen Forschung sowie der Industrie zum Einsatz. Auf der medica wird es dazu eine anschauliche PowerPoint-Präsentation geben. Zusätzlich kann ein Datenhelm aufgesetzt werden, der einen 3D-Film einer Bewegungsanalyse zeigt. "Dabei bewegt sich ein Skelettmännchen und man kann um es herumlaufen, es interaktiv von verschiedenen Blickwinkeln und im Detail betrachten. Ganz so, als ob man vor dem richtigen Patienten steht", so Raab.

Termintipp: Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Andrés Kecskeméthy auf der "Medica Vision" am 22. November um 13.20 Uhr in Halle 3 Stand H 92 zum diesem Thema mit dem Titel "Ganganalyse und 3D-Visualisierung - Neue Wege in der Rehabilitationsplanung und -bewertung".

Weitere Informationen:
Prof. Dr.-Ing. Andrés Kecskeméthy, E-Mail: andres.kecskemethy@uni-due.de;
Dipl.-Ing. Dominik Raab, Tel. 0203/379-3517, 0176/62086129, E-Mail: dominik.raab@uni-due.de

Katrin Braun | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de/lmr

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Medica 2017 – TU Kaiserslautern präsentiert Fortschritte in der Medizintechnologie
20.10.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben
18.10.2017 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise