Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Nebenwirkungen von Medikamenten auf der Spur

07.10.2013
Universität Jena mit zwei Forscherteams auf der Biotechnica vom 8.-10.10. in Hannover vertreten

Egal, ob eine Kopfschmerztablette aus der Hausapotheke oder Antibiotika zur Behandlung einer Lungenentzündung: Jedes Medikament löst im Körper komplexe biochemische Reaktionen aus.


Die Wissenschaftler des Kompetenzdreiecks OptiMi, an dem u. a. die Universität Jena beteiligt ist, präsentieren auf der Biotechnica den Prototyp eines optischen Bioreaktors zur Analyse der Effekte von Wirk- und Giftstoffen.

Foto: TU Ilmenau

Und gerade hier liegt das Problem: Denn bisher können Pharmakologen zwar für einzelne Stoffe testen, wie der Körper darauf reagiert und welche Nebenwirkungen auftreten können. Eine vollständige Entschlüsselung der Effekte von Neben- und Zwischenprodukten innerhalb der biochemischen Reaktionskette ist derzeit jedoch nicht möglich.

Analyse der komplexen Effekte von Wirk- und Giftstoffen

Wissenschaftler des Kompetenzdreiecks Optische Mikrosysteme (KD OptiMi), an dem u. a. die Friedrich-Schiller-Universität Jena beteiligt ist, haben ein hochintegriertes optisches Mikrosystem entwickelt, das die komplexen Effekte von Wirk- und Giftstoffen auf Lebewesen aufschlüsselt und damit vielfältige Anwendungen in Pharmazie und Umweltanalytik eröffnet. Einen ersten Prototyp des Bioreaktors stellen die Forscher auf der größten Fachmesse für Biotechnologie, Life Sciences und Labortechnik in Europa „Biotechnica“ vor, die vom 8. bis 10. Oktober in Hannover stattfindet.

„Das System besteht aus mikrofluidischen, mikrooptischen und mikromechanischen Komponenten, so dass mehrere Parameter gleichzeitig gemessen werden können“, erklärt Ira Winkler vom Institut für Angewandte Physik. „Damit ist es effizienter, schneller und kostengünstiger als bisherige Verfahren“, so die Projektkoordinatorin. Neben Schnelltests ermöglicht der neue Bioreaktor die Analyse von Stoffmischungen auch in niedrigen Konzentrationen sowie die dreidimensionale Kultivierung von Zellaggregaten. „Konventionelle zweidimensionale Proben auf einem Glas- oder Plastikträger bestehen aus nur einer Zellschicht“, erläutert Ira Winkler. „Dreidimensionale Proben hingegen imitieren die reale Situation im menschlichen Körper besser und es lassen sich auch die Interaktionen zwischen den Zellen untersuchen.“

Auf der Biotechnica präsentiert das KD OptiMi-Team zudem Technologien und Systemteile für ein mikrooptisches Akkommodationssystem, das Menschen mit Grauem Star oder Alterssichtigkeit helfen soll, Objekte in unterschiedlicher Entfernung wieder scharf zu sehen. Das KD OptiMi wird vom Freistaat Thüringen und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Innovatives Verfahren zur Biomarker-Suche

Darüber hinaus ist auf der Messe auch das Forscherteam um PD Dr. Heidrun Rhode vom Institut für Biochemie I des Jenaer Universitätsklinikums vertreten. Die Wissenschaftler präsentieren ein automatisiertes Verfahren sowie entsprechende Gerätetechnik zur Bestimmung sämtlicher Eiweiße, dem sogenannten Proteom, in Körpersäften, wie etwa Blut und Gehirnflüssigkeit. Der auf der Messe vorgestellte Prototyp wurde in einem erst in der vergangenen Woche abgeschlossenen Verbundprojekt mit dem Universitätsklinikum Jena, der Jenaer CyBio AG und der Ilmenauer X-CASE GmbH entwickelt.

„Das Besondere ist, dass die Methode sehr robust und präzise ist und das gesamte Proteom erfasst“, sagt Heidrun Rhode. Damit eignet sich das Verfahren, um charakteristische biologische Merkmale für Erkrankungen zu identifizieren – sogenannte Biomarker. Bisher haben sich die Forscher auf Nierenerkrankungen und schwere Entzündungen konzentriert. Jetzt werden damit Biomarker zur Erkennung von Komplikationen bei Schuppenflechte und der Nervenerkrankung Amyotrophe Lateralsklerose gesucht. In Kooperation mit dem neuen Forschungscampus "InfectoGnostics" wollen sie zukünftig auch Biomarker bei Infektionskrankheiten aufspüren. Darüber hinaus ist das innovative Verfahren der Jenaer Wissenschaftler für die forschende Pharmaindustrie interessant, die damit die Wirkung von Arzneistoffen analysieren kann.

Beide Jenaer Forscherteams sind am Gemeinschaftsstand der Hochschulen und Forschungseinrichtungen Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens „Forschung für die Zukunft“ (Halle 9, Stand F14) zu finden.

Kontakt:
Ira Winkler
Institut für Angewandte Physik der Universität Jena
Albert-Einstein-Straße 15, 07745 Jena
Tel.: 03641 / 947807
E-Mail: ira.winkler[at]uni-jena.de
PD Dr. Heidrun Rhode
Institut für Biochemie I des Universitätsklinikums Jena
Nonnenplan 2-4, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 938620
E-Mail: heidrun.rhode[at]med.uni-jena.de

Claudia Hilbert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Verbessertes Sprachverstehen und automatische Spracherkennung für Call- und Servicecenter
15.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT

nachricht Ortsübergreifende Produktion durch flexibles Transportsystem - DFKI/SmartFactoryKL auf der HMI 2017
14.02.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Wie ehrlich sind unsere Lebensmittel?

21.02.2017 | Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Deep Learning sagt Entwicklung von Blutstammzellen voraus

21.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

36 Forschungsprojekte zu Big Data

21.02.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Sternenmusik aus fernen Galaxien

21.02.2017 | Physik Astronomie