Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mathematiker bringen Computern das Lernen bei

26.02.2014

Verbundprojekt wird auf der CeBIT 2014 präsentiert

Junge Forscher vom Institut für Mathematik der Universität Rostock und die Schweriner Firma „Planet intelligent systems GmbH“ haben nach eigenen Angaben eines der besten Software-Systeme für Schrift-und Handschriftlesung entwickelt, das es bis jetzt gibt. Ihr gemeinsames Verbundprojekt, das das Land mit 800 000 Euro förderte, wird auf der CeBIT in Hannover vom 10. bis 14. März auf dem Gemeinschaftsstand des Landes MV vorgestellt.


Jesper Kleinjohann und Tobias Strauß (v.l.) demonstrieren am Laptop wie unleserliche Schriften entziffert werden. Foto: Edeltraud Altrichter/Uni Rostock

„Dort sind wir ein Exot“, ist Planet-Chef Welf Wustlich, der an der Uni Rostock Physik studierte und gemeinsam mit Bruder Hagen, einem Betriebswirtschaftler, die 30-köpfige Firma leitet, überzeugt.

Exot? „Ja“, sagt der Firmen-Chef. „Wir koppeln jahrelange praktische Erfahrung mit modernster akademischer Forschung. Als aktuelles Beispiel dafür steht eben dieses Verbundprojekt zum Erkennen von Adressen. Das Besondere: „Die Forscher aus Rostock und die Praktiker aus Schwerin haben eine Software entwickelt, mit deren Hilfe auf dem Computer die vereinfachte Version eines Gehirns nachempfunden ist.

„Das funktioniert so, als wenn ein kleines Kind lesen lernt“, erklärt Institutsmitarbeiter Tobias Strauß. Und sein Mathematiker-Kollege Jesper Kleinjohann, der nach seinem Mathematik-Studium in Rostock nun bei „Planet“ in Schwerin arbeitet, verweist auf so genannte Neuronale Netze. Das sind mathematische Strukturen, die dem menschlichen Hirn nachempfunden sind und es vermögen, aus großen Datenmengen zu erlernen, neue Bilder zu lesen. Damit das funktioniert, haben die Forscher der Universität für die Praktiker Algorithmen entwickelt und in Testszenarien implementiert.

„Man zeigt dem Neuronalen Netz immer wieder Wörter und Sätze in verschiedenen Schriftarten und sagt dem Computer, was da steht“, sagt Tobias Strauß. Das kann zwei Tage, aber auch bis zu zwei Monate dauern“. „Der Computer ist aber sehr lernfähig“.

Und auch die ausgetüftelte Softwarelösung, die Rasern auf Deutschlands und Österreichs Straßen das Leben schwer macht, wird auf der CEBIT vorgestellt. Sie ermöglicht, dass unleserliche Nummernschildern leserlich werden. In Zusammenarbeit mit der Polizei, Städten und Kommunen, bringt die von Forschern und Praktikern entwickelte Software also Auflösung im wahrsten Sinne des Wortes bei Geschwindigkeits- und Abstandsverstößen aus der Videoüberwachung.

Doch auch die unleserlichste Handschrift auf Briefen oder Paketen lässt sich Dank des Verbundprojektes identifizieren. Die Forscher und Praktiker aus Rostock und Schwerin, deren Zusammenarbeit bereits 1995 ihren Anfang nahm, planen indes den nächsten Schritt: „Jetzt wollen wir diese Technologie, die nachrüstbar ist, auch bei Dokumentenanalysen testen“, blickt Welf Wustlich voraus. Die Voraussetzungen könnten besser nicht sein: Die vorliegende Software identifiziert Adressdaten inzwischen bestens. Sie erkennt und analysiert sowohl gedruckte als auch teilweise handgeschriebene Adressen und unterscheidet automatisch zwischen dem Adressblock des Absenders und des Empfängers.

„Es gibt nichts Besseres, als ein gemeinsames Projekt mit einer Firma“, urteilt Tobias Strauß. „Da wird man immer wieder auf den Boden der Realität geholt und bekommt Ideen für neue Forschungsfelder“. Zudem gibt es durch Anwendungen in der realen Welt immer wieder Hinweise, was funktioniert und was nicht.

„Die anspruchsvolle Software, die wir entwickelt haben, wäre ohne die Zusammenarbeit mit „Planet“ nicht entstanden“, sagt Tobias Strauß. Inzwischen sind die Schweriner und Rostocker international führend, was die Technologie für Bild-und Schrifterkennung angeht. Erst vor einem halben Jahr haben sie mit ihrer gemeinsamen Leistung auf dem weltweit größten Kongress für Dokumentenanalyse (ICDAR) in Washington in dem dort durchgeführten Wettbewerb führender Schrifterkennungssysteme den dritten Platz belegt. Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:
Universität Rostock
Institut für Mathematik
Tobias Strauß
T: 0381 498 6632
Mail: tobias.strauss@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Computer Lernen Planet Praktiker Software Technologie Verbundprojekt Wettbewerb

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Auswerte-Elektronik QUADRA-CHEK 2000 von HEIDENHAIN: Zuverlässig und einfach messen
20.04.2018 | DR. JOHANNES HEIDENHAIN GmbH

nachricht tisoware auf der Zukunft Personal Süd und Nord 2018
20.04.2018 | tisoware - Gesellschaft für Zeitwirtschaft mbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics