Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kopfläuse wirksam mit Plasma bekämpfen

03.11.2015

Sie sind lichtscheu, flink und hartnäckig – Kopfläuse. Die Blutsauger krallen sich am Haar fest, man wird sie nur schwer wieder los. Üblicherweise wird Läusebefall mit chemischen Mitteln und Nissenkamm behandelt. Fraunhofer-Forscher entwickeln einen Kamm, der die Schädlinge mithilfe von Plasma zuverlässig abtötet – ohne Biozide und den Einsatz von Chemie. Auf der Messe MEDICA in Düsseldorf präsentieren sie ein Funktionsmuster (Halle 10, Stand G05).

Kopfläuse können jeden befallen, besonders häufig betroffen sind jedoch Kinder zwischen drei und zehn Jahren. Die Parasiten ernähren sich von Blut, sie krabbeln blitzschnell von Kopf zu Kopf. Deshalb breiten sie sich besonders in Kindergärten oder Grundschulen aus, wo Kinder ihre Köpfe zusammenstecken.


Menschen spüren die Behandlung von Kopfläusen mit dem Plasmakamm nicht, sie ist schmerzfrei.

© Fraunhofer IST

Läuse verursachen nicht nur einen quälenden Juckreiz, man wird sie zudem nur schwer wieder los. Gegen sie helfen verschiedene chemische Wirkstoffe in Form von Shampoos, Lotionen oder Gels. In der Regel werden sie nach dem Waschen in das noch leicht feuchte Haar einmassiert.

Anschließend wird dieses mit einem Nissenkamm ausgekämmt. Der Nachteil: Bei der Behandlung werden zwar die Läuse abgetötet, nicht aber ihre Eier – die Nissen. Die Behandlung muss daher nach einer Woche wiederholt werden. Die Prozedur ist für Kinder langwierig, unangenehm und schmerzhaft.

Viele Eltern wollen auch nicht zu chemischen Arzneimitteln greifen, zumal einige Wirksubstanzen für Kleinkinder und Säuglinge schädlich sind. Zudem können Läuse und Nissen resistent gegen die Wirkstoffe werden.

Forscher des Anwendungszentrums für Plasma und Photonik des Fraunhofer-Instituts für Schicht- und Oberflächentechnik IST in Göttingen setzen daher auf eine alternative Behandlungsmethode, die ohne Biozide und chemische Stoffe auskommt. Sie verwenden kaltes Atmosphärendruckplasma, das die Blutsauger schmerzfrei und zuverlässig abtötet. Für die Anwendung haben die Forscher einen speziellen Plasma-Läusekamm entwickelt. Das Projekt wird von der Volkswagenstiftung gefördert.

Elektrische Felder zwischen Elektroden wandeln Luft in Plasma

Der Trick: Im Gehäuse des batteriebetriebenen Kamms befindet sich ein Hochspannungserzeuger, der Pulse an die Kammzinken abgibt, die als Elektroden fungieren. Durch das Anlegen eines Hochspannungspulses wird die Luft zwischen den Elektroden, also zwischen zwei Zinken, ionisiert. Dabei entsteht Plasma. »Plasma ist ein Aggregatszustand, der entsteht, wenn einem Gas oder Gasgemisch Energie zugeführt wird«, erläutert Prof. Dr. Viöl, Leiter des Anwendungszentrums für Plasma und Photonik.

Die Hochspannung wird nur sehr kurzzeitig angelegt. Es wird gerade so viel Energie zugeführt, dass nur die winzigen Elektronen beschleunigt werden, ohne die schweren Gasteilchen aufzuheizen. So lässt sich die Temperatur des Plasmas auf Raumniveau einstellen. Die kalten Plasmen töten die Läuse sowie die Nissen ab, beschädigen jedoch nicht das Haar und die Kopfhaut.

Für Menschen sind sie harmlos. »Bereits nach einmaligem Durchkämmen sind die Hälfte der flügellosen Insekten tot. Innerhalb eines Tages ist man die Quälgeister los«, sagt Viöl. Dies konnten der Forscher und sein Team durch umfangreiche Wirksamkeits- und Sicherheitstests belegen, die in Zusammenarbeit mit einem Forschungsinstitut durchgeführt wurden. »Der Plasmakamm wurde bereits in regionalen Kinderarztpraxen vorgestellt und kann wie ein normaler Kamm angewandt werden«, so Viöl.

Von der Läusebekämpfung mit Plasma profitieren auch Patienten mit Vorerkrankungen wie Asthma oder Allergien. Ihnen bleiben Probleme durch aggressive Wirkstoffe erspart. Darüber hinaus bedeutet der Verzicht auf chemische Substanzen eine geringere Belastung für die Umwelt.

Die Forscher haben ihre Technologie durch ein Patent geschützt. Geplant ist, den Läusekamm als kosmetisches Produkt zunächst in Kleinserie auf den Markt zu bringen. »Der Plasmakamm kann biozidhaltige Mittel ersetzen. Passt man die Form und den Abstand der Zinken entsprechend an, lassen sich auch Haustiere mit Ungeziefer behandeln«, erläutert Viöl. Denkbar sei auch der Einsatz in Entwicklungsländern, wo Kopfläuse gefährliche Bakterien wie Erreger des Fleckfiebers oder des Fünf-Tage-Fiebers übertragen können.

Weitere Informationen:

http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2015/November/kopflaeuse-...

Dr. Simone Kondruweit | Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Digitalisierung von HR-Prozessen – tisoware auf der Personal Nord und Süd
21.03.2017 | tisoware Gesellschaft für Zeitwirtschaft mbH

nachricht Hochauflösende Laserstrukturierung dünner Schichten auf der LOPEC 2017
21.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen