Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Chance für Industriepiraten und Co

10.02.2014
Künftig sollen sich Produktionsanlagen untereinander abstimmen und Maschinen häufiger aus der Ferne gewartet werden.

Doch kein Firmenchef möchte riskieren, Industriespionage und Sabotage durch unsichere Netze Tür und Tor zu öffnen. Eine neue Entwicklung bietet besonders hohe Sicherheit. Auf der Messe embedded world vom 25. bis 27. Februar in Nürnberg stellen Forscher das System vor (Halle 5, Stand 5-250).


Produktionsanlagen stimmen ihre Arbeitsschritte miteinander ab und tauschen Informationen aus. Diese Daten müssen vor dem unberechtigtem Zugriff geschützt sein. © Fraunhofer IPA

Was anmutet wie in einem Science-Fiction-Film, soll in den Produktionshallen der Zukunft bald Realität werden: Produkte, die in Fertigungslinien wissen, wo sie sind, welche Schritte sie bereits durchlaufen haben und was ihnen zum fertigen Produkt noch fehlt. Die Anlagen stimmen ihre Arbeitsschritte miteinander ab und tauschen Informationen aus.

Der Techniker muss die Hallen für die Wartungen nicht mehr betreten, sondern überprüft die Maschinen aus der Ferne. Kurzum: Produkte und Anlagen werden intelligent. Man spricht dabei auch von Industrie 4.0, also der Industrie der vierten Generation nach Mechanisierung, Elektrifizierung und Digitalisierung.

Einer der Knackpunkte: Die Anlagen kommunizieren über ein Datennetz miteinander, und auch die Produkte müssen sich »einloggen«. Der Mensch steuert und überwacht die Produktion über diese Netzverbindung – so behält er die Anlagen auch dann im Blick, wenn er gerade nicht in der Produktionshalle ist. Hinzu kommen Fernwartungen und Fernaktualisierungen von Software.

Für all diese Funktionen ist eines unabdingbar: Ein sicherer Zugang, der Industriepiraten und Saboteuren den Zugriff verweigert. Zwar können Unternehmer die normale Internetverbindung für einen solchen Datenverkehr nutzen, und sie etwa über ein »Virtual Private Network«, kurz VPN, absichern. »Was viele jedoch nicht wissen: VPN ist nicht gleich VPN – und nicht jeder VPN-Zugang ist sicher«, verrät Bartol Filipovic, Bereichsleiter am Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC in Garching.

Die Forscher haben einen Router entwickelt, der über einen sicheren VPN-Zugang verfügt, Berechtigungs- und Firewall-Funktionalitäten sichern diesen weiter ab. Die notwendigen Sicherheitsprotokolle können auch direkt in die Anlagen und Maschinen beim Industriekunden integriert werden.

»Das System ist ein Software-Bausatz: Die Basiskomponenten haben wir bereits entwickelt, diese können wir dann jeweils an die speziellen Anforderungen der Kunden anpassen«, sagt Filipovic. Das dauert etwa vier Wochen. Die Forscher integrieren dabei auch einfache Systeme wie Sensoren, die beispielsweise in der Pharmaindustrie Füllstände anzeigen oder die Mischverhältnisse angeben – denn auch diese sollen ihre Information nicht an Unberechtigte weitergeben.

Physischer Schutz: Folie schlägt Alarm

Das System schützt die Unternehmen einerseits vor Spionen, die sich aus der Ferne in das Netz hacken wollen. Anderseits schlägt es auch Datendieben ein Schnippchen, die Routern und Platinen ihre Geheimnisse vor Ort entlocken möchten. Eine spezielle Folie auf den sicherheitsrelevanten Gehäusen meldet sofort, wenn jemand versucht, die Schutzhülle aufzuschrauben, um sensible Daten abzugreifen. Die am AISEC entwickelte Folie wird auf das Router-Gehäuse oder auch direkt auf die Platine, also die Leiterplatte mit den für die Steuerung wichtigen Elementen wie Mikrocontrollern, Chips, Dioden und anderen sicherheitskritischen Recheneinheiten angebracht und an mehreren Punkten verschweißt.

Ist der Router ausgeschaltet, ist jegliche Software darauf verschlüsselt abgelegt. Ist er jedoch in Betrieb, so braucht er die entschlüsselten Programmcodes. Der jeweilige Schlüssel hängt von den Folieneigenschaften ab. Verändert man diese – etwa indem man die Folie aufreißt oder durchbohrt, um an die Platine heranzukommen – erkennt die Folie den Angriff in wenigen Millisekunden und handelt umgehend: Sie löscht alle sicherheitsrelevanten Daten, die unverschlüsselt vorliegen.

Unbefugte Eindringlinge kommen nicht an die Software heran. Für den Unternehmer ist das Löschen der Daten jedoch kein Problem: Er kann die Software einfach neu aufspielen und eine neue Folie anbringen. »Mit der Kombination aus Software und Folie erreichen wir ein ideales Sicherheitsniveau«, sagt Filipovic, »und wie wichtig das ist, hat das Jahr 2013 sehr deutlich gezeigt.« Sichere Soft- und Hardware für die Kommunikation ist grundlegend für die Weiterentwicklung der Produktion in Richtung Digitalisierung und Industrie 4.0, der Schutz vor Spionage, Sabotage und Produktpiraterie wichtig für Innovation und eine starke Wettbewerbsposition.

Marion Horn | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2014/Februar/keine-chance-fuer-industriepiraten.html
http://www.fraunhofer.de/de/veranstaltungen-messen/messen/embedded2014.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Laser World of Photonics 2017: Abhörsicher kommunizieren mit verschränkten Photonen
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht EMO 2017: Smarte Lösungen für Produktionsoptimierung und Sägetechnologie
20.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften