Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IAA Nutzfahrzeuge 2016: Roboter hilft Rettungskräften, Überlebende in Katastrophengebieten zu finden

16.09.2016

Bei Erdbeben wie jüngst in Italien zählt für Rettungskräfte jede Minute. Doch oft fehlt ihnen die passende Ausrüstung, um etwa gefahrlos in geschädigte Gebäude zu gelangen. Mit Forscherkollegen haben Ingenieure der TU Kaiserslautern zwei Roboter entwickelt, die Helfer hierbei unterstützen. Sie erkundigen selbstständig Häuser, die etwa durch Trümmer blockiert oder durch Einsturz gefährdet sind. Dabei liefern sie Helfern Daten, um die Lage besser einzuschätzen und Überlebende aufzuspüren. Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) Nutzfahrzeuge in Hannover stellen die Forscher die Roboter vom 22. bis 29. September am Gemeinschaftsstand von Rheinland-Pfalz (Halle 13, Stand C26) vor.

In Katastrophengebieten bringen sich Rettungskräfte oft selbst in Gefahr, wenn sie Überlebende suchen und bergen. Um ihnen in unwegsamen Gelände nach Erdbeben, Überflutungen oder Anschlägen zu helfen, haben Forscher im Projekt „Integrated Components for Assisted Rescueand Unmanned Search operations“ (Icarus) an Robotern gearbeitet, die an Land, im Wasser und in der Luft zum Einsatz kommen sollen.


Atabak Nezhadfard und Massimo Tosa mit dem Such- und Rettungsroboter SUGV

TU Kaiserslautern


Der kleine Roboter SUGV wird während eines ICARUS-Projekt Tests von dem großen Roboter LUGV auf einem zerstörten Gebäude eingesetzt.

Lehrstuhl Robotersysteme der TU Kaiserslautern

Die Ingenieure der TU Kaiserslautern haben gemeinsam mit Kollegen an einem System gearbeitet, das aus einem großen und einem kleinem Roboterfahrzeug besteht. Mühelos bewegen sich diese in unwegsamen Gelände dank ihres Kettenantriebs fort.

„Unser Projektpartner, das britische Technikunternehmen Allen Vanguard, hat uns den kleinen Roboter zur Verfügung gestellt“, sagt Massimo Tosa, der am Lehrstuhl für Robotersysteme der TU Kaiserslautern bei Professor Dr. Karsten Berns forscht. Das größere Fahrzeug wurde von dem französischen Unternehmen Metalliance gebaut. Es besitzt einen Presslufthammer und einen drei Meter langen Greifarm. „Damit ist er in der Lage, Mauern einzureißen und größeres Gestein zur Seite zu schaffen“, sagt Tosa.

Um das Innere von Gebäuden zu erkunden, kommt der kleine Roboter zum Einsatz, den das größere Gefährt in einer eigenen Transportbox mit an Bord hat. „Mit Hilfe des Greifarms kann er den kleinen Roboter zum Beispiel auf einem Balkon oder ein Dach setzen“, erklärt Tosa weiter. Dieser kann im Anschluss das geschädigte Gebäude untersuchen.

Die Informatiker um Tosa und Berns haben die Roboter unter anderem mit neuer Software ausgestattet. Mit Sensoren und Kameras können sie sich dabei einen Lageplan ihrer Umgebung erstellen und sicher vorankommen. „In freiem Gelände nutzen wir für unsere Technik hauptsächlich GPS-Daten“, so Tosa. „Doch im Inneren von Gebäuden müssen wir auf eine sogenannte intertiale Messeinheit zurückgreifen.“ Dieses System misst mittels Sensoren verschiedene Größen wie zum Beispiel die Beschleunigung und kann so die genaue Position errechnen.

Den kleinen Roboter haben die Forscher zusätzlich mit zwei Laserscannern und einem 3D-Kamerasystem ausgestattet. „Die Technik funktioniert auch ohne Lichtquelle und kann Hindernisse erkennen“, sagt der Informatiker. Mit dem Greifarm kann er außerdem Türen öffnen. Auch eine Kamera ist im Arm eingebaut, die Helfer über eine Fernbedienung steuern können. „Sie ermöglicht einen Blick ins Innere des Gebäudes“, sagt Tosa.

Beide Roboter besitzen ein Assistenzsystem, um beispielsweise nicht gegen ein Hindernis zu fahren. In einer Gefahrensituation übernimmt die Technik die Kontrolle, um eine Kollision mit dem Hindernis zu vermeiden. Zudem hat das Team ein Kommunikationssystem entwickelt, mit dem Rettungskräfte die Roboter einfach fernsteuern und schnell wichtige Informationen erhalten können.

Das Projekt Icarus wurde von der Europäischen Union finanziert. Es zielte darauf ab, Menschen in Katastrophengebieten schneller aufzuspüren und zu retten. Insgesamt waren 23 Forscher aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus zehn europäischen Länder daran beteiligt. Es ist Anfang des Jahres abgeschlossen worden. Die Arbeiten an der TU Kaiserslautern wurde unter anderem am Zentrum für Nutzfahrzeugtechnologie durchgeführt. Auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover stellen die Wissenschaftler ihre Arbeit am Gemeinschaftsstand von Rheinland-Pfalz vor.

Fragen beantwortet:

Massimo Tosa
Lehrstuhl für Robotersysteme
Tel.: 0631 205-3070
E-Mail: tosa(at)cs.uni-kl.de

Katrin Müller | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-kl.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital
19.06.2018 | Fraunhofer IFAM

nachricht Dispensdruckkopf, Netzmodul und neuartiger Batteriespeicher
18.06.2018 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics