Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Helmholtz-Forschung auf der MEDICA 2008

21.11.2008
Über aktuelle Ergebnisse aus der Gesundheitsforschung informiert die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren auf dem MEDICA-Kongress, der die weltweit größte medizinische Fachmesse, die MEDICA 2008, begleitet.

Helmholtz-Forscher stellen in ihren Vorträgen neue Ansätze für Prävention, Diagnose und Therapie von Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen, Herzversagen und Trends in der Entwicklung von Biomaterialien für die regenerative Medizin vor.

Krebs

Für die Erkenntnis, dass humane Papillomviren ursachlich an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt sind, wurde Prof. Dr. Harald zur Hausen mit dem Nobelpreis für Medizin 2008 ausgezeichnet. Prof. Dr. Lutz Gissmann vom Deutschen Krebsforschungszentrum, langjähriger Mitarbeiter von zur Hausen, hat maßgeblich an der Entwicklung von Vakzinen mitgewirkt, die eine Infektion mit den wichtigsten krebsrelevanten Papillomvirus-Typen und damit die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verhindern können. Zwei Impfstoffe gegen Papillomviren sind bereits in Deutschland zugelassen. Aber noch sind nicht alle Probleme gelöst, insbesondere ist der Impfstoff noch zu teuer für Frauen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Gissmann spricht auf der MEDICA über Chancen und Risiken der Impfung und stellt die Forschung zu ihrer Weiterentwicklung vor.

Neue Ansätze zur Krebsbekämpfung werden auch in anderen Vorträgen dargestellt. Prof. Dr. Dolores Schendel vom Institut für Molekulare Immunologie des Helmholtz-Zentrums München untersucht Möglichkeiten, zur gezielten Mobilisierung des körpereigenen Abwehrsystems gegen Krebszellen. Ihr Kollege, Prof. Dr. Rolf Issels, kombiniert Hyperthermie, also gezielte Wärmezufuhr, mit anderen Therapieverfahren zur Behandlung von Krebs. Mit dem Einsatz von schweren Ionen in der Strahlentherapie beschäftigt sich Prof. Dr. Dr. Jürgen Debus vom Universitätsklinikum Heidelberg in Zusammenarbeit mit Forschern des GSI-Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung und des Deutschen Krebsforschungszentrums. Prof. Dr. Hans Reichenbach und Kollegen vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung haben aus Bakterien einen Naturstoff, das Epothilon isoliert und seine Wirkung auf Krebszellen erforscht. Darauf aufbauend hat das Pharmaunternehmen Bristol-Myers Squibb ein Brustkrebsmedikament entwickelt.

Und weil inzwischen die Fülle von Informationen über neue Forschungsergebnisse und Verfahren in der Krebstherapie auch für Ärzte immer schwerer zu überblicken ist, plant der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums einen Informationsservice speziell für Ärzte einzurichten. Darüber informiert der Leiter der Einrichtung Dr. Hans-Joachim Gebest.

Neurodegenerative Erkrankungen

Dass Fortschritte in der Grundlagenforschung neue Möglichkeiten zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen eröffnen, zeigen die Vorträge zweier Forscher aus dem Forschungszentrum Jülich. Prof. Dr. Dr. Peter Tass und sein Team befassen sich mit der Weiterentwicklung von Verfahren zur tiefen Hirnstimulation, mit deren Hilfe Hirnareale veranlasst werden sollen, pathologische Aktivitäten wieder zu "verlernen" und zur normalen physiologischen Funktion zurück zukehren. Auf der Basis mathematisch-physikalischer Modellierungen haben sie Stimulationsverfahren entwickelt, die effektiver und schonender wirken als die bisher verwendeten. Ein neuer Hirnschrittmacher, der beispielsweise zur Behandlung von Parkinson-Patienten eingesetzt werden kann, befindet sich in der klinischen Erprobung.

Prof. Dr. Karl Zilles erforscht gemeinsam mit Kollegen aus Jülich und den umliegenden Universitätskliniken das menschliche Gehirn mit Hilfe bildgebender Verfahren, die es ermöglichen, Informationen sowohl über die Struktur als auch die Funktion von Hirnarealen zu gewinnen. Die Forscher untersuchen das Altern des Gehirns und die Mechanismen nach denen neurodegenerative Veränderungen entstehen. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Suche nach frühen Anzeichen für pathologische Prozesse. Dies können anatomisch-funktionelle Veränderungen, charakteristische molekulare Strukturen, aber auch genetische Veränderungen sein.

Herzversagen

Variationen im Erbgut werden zunehmend als Risikofaktoren für die Entstehung von Krankheiten erkannt. Auch die Entwicklung verschiedener Formen von Herzinsuffizienz kann durch Genvariationen begünstigt werden. Gentests, die solche Variationen offenbaren, können in bestimmten Fällen dazu beitragen, das Leben von Patienten zu retten. Darüber berichtet Prof. Dr. Ludwig Thierfelder vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin. Seine Arbeitsgruppe hat Genvariationen gefunden, die zu Fehlern im Bauplan für das Plakophilin 2, einer wichtigen Komponente der mechanischen Verbindungen zwischen Herzmuskelzellen, führen und damit das Risiko eines plötzlichen Herztodes hervorrufen.

Biomaterialien für die regenerative Medizin

Bei der Entwicklung von regenerativen Therapien zum Ersatz kranker oder zerstörter Gewebe spielen gewebeverträgliche Polymere, sogenannte Biomaterialien, im buchstäblichen Sinne eine tragende Rolle - nämlich als Trägermaterialien für Zellen, von denen die Erneuerung des Gewebes ausgehen soll. Prof. Dr. Andreas Lendlein vom Institut für Polymerforschung des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht berichtet über die Entwicklung neuer gewebeverträglicher Materialien, deren Form, Elastizität, Oberflächeneigenschaften und Lebensdauer für unterschiedliche therapeutische Anforderungen programmiert werden kann.

Vorträge der Helmholtz-Wissenschaftler

Die Vorträge der Helmholtz-Wissenschaftler können am 21.11.2008 im Rahmen der Seminare 303 und 321 gehört werden. Der Besuch dieser Seminare kann für die zertifizierte ärztliche Fortbildung genutzt werden.

Die Helmholtz- Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Ansprechpartner für die Medien:

Thomas Gazlig
Dipl.-Biol./Dipl.-Journ.
Leiter Kommunikation und Medien
Büro Berlin
Anna-Louisa-Karsch-Straße 2
10178 Berlin
Tel/Fax: 030 206 329-57/60
presse@helmholtz.de
Dr. Antonia Rötger
Pressereferentin
Tel: 030 206329-38
antonia.roetger@helmholtz.de

Thomas Gazlig | Helmholtz-Gemeinschaft
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"
24.05.2017 | Universität Ulm

nachricht Neue Prozesstechnik ermöglicht Produktivitätssteigerung mit dem Laser
18.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten