Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fraunhofer auf der Messe Medtec: Medizinische Geräte reinigen

22.02.2010
In Krankenhäusern, Operations-Sälen, Arztpraxen und medizinischen Laboren sind sterile Untersuchungs-Instrumente ein absolutes Muss. Auf der Messe MEDTEC Europe (23. bis 25. März 2010, Halle 6, Stand 1522) in Stuttgart zeigen Fraunhofer-Forscher, wie eine Kombination aus Reinigungsverfahren mit Kohlenstoffdioxid selbst kleinste Innenräume medizinischer Geräte von Partikeln und Keimen befreit.

Ein Patient hat langwierige Magenbeschwerden. Der Arzt empfiehlt eine Endoskopie, um in das Mageninnere blicken zu können und die Ursache für die Beschwerden zu finden. Dazu bahnt sich ein kleiner Schlauch den Weg durch die Speiseröhre des Erkrankten bis in den Magen hinein.

Das hohle Untersuchungsinstrument muss sowohl außen als auch in seinem Inneren absolut sauber und keimfrei sein, denn ein unreiner Schlauch könnte beim Patienten schwere Infektionen verursachen.

"Bei der Produktion von medizinischen Geräten müssen zuverlässige Reinigungsverfahren eingesetzt werden, die Rückstände wie Schmutzpartikel oder Ölreste selbst aus kleinsten Innenräumen entfernen", betont Markus Rochowicz, Gruppenleiter Kontaminationskontrolle am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Viele Hersteller aus der Medizintechnik nutzen Ultraschallbäder zur Reinigung ihrer Produkte, und unterstützen diese oft mit manuellen Vor- und Nachbehandlungen. Jetzt gibt es eine gründliche, schonende und zeitsparende Alternative: Rochowicz und sein Team haben ein Verfahren auf Basis von Kohlenstoffdioxid entwickelt, das besonders für die Innenreinigung kleiner medizinischer Teile geeignet ist.

"In vielen Anwendungsbereichen haben sich schon Reinigungstechniken mit Kohlenstoffdioxid durchgesetzt", sagt der Wissenschaftler. "Meistens werden entweder die chemisch lösenden Eigenschaften von flüssigem und überkritischem CO2 genutzt, oder die gründliche und zugleich schonende Partikelabreinigung mit beschleunigtem CO2-Schnee." Für die Innenreinigung von medizinischen Instrumenten, wie zum Beispiel Endoskopen, kombinieren die Forscher nun diese beiden Reinigungstechniken: "Zunächst leiten wir überkritisches CO2, also eine Mischform aus flüssigem und gasförmigem Kohlenstoffdioxid, in den Innenraum. Dieses steht unter sehr hohem Druck, hat eine Temperatur von über 30 Grad Celsius und besitzt hervorragende Lösungsmitteleigenschaften", erklärt Rochowicz. Das überkritische Gas löst einen Ölfilm oder andere Restbeschichtungen vom Material ab und spült sie aus dem Innenraum des Produkts heraus. In einem zweiten Schritt wird das CO2 in einen festen Zustand verwandelt. Die dabei entstehenden Schneekristalle werden beschleunigt, durchströmen den medizinischen Gegenstand, und entfernen dabei gründlich und schonend Schmutzpartikel sowie Keime.

Das am IPA entwickelte Verfahren hat viele Vorteile: Da sich der CO2-Schnee nach der Reinigung sofort wieder in Gas umformt, muss das Produkt nicht extra getrocknet werden. Durch die schnelle und unkomplizierte Handhabung des Verfahrens können es Hersteller gut in ihre Produktionslinien integrieren - zum Beispiel direkt vor den Verpackungsvorgang. Für das Personal in der Fertigung ist die Reinigung mit Kohlenstoffdioxid, etwa im Gegensatz zur Reinigung mit giftigen Lösungsmitteln, nicht gesundheitsschädlich, und auch die Umwelt wird durch den Einsatz von klimaneutralem Kohlenstoffdioxid nicht belastet.

Das Stuttgarter Fraunhofer-Institut bietet Kunden aus der Medizintechnik und aus weiteren Anwendungsbereichen in seinen Laboren einen umfassenden Service rund um die CO2-Reinigung an. Im Reinraum-Prüfzentrum reinigt und verpackt das Team vom IPA die Produkte seiner Kunden unter sterilen Bedingungen, und ist darüber hinaus Experte für die Untersuchung und Qualitätssicherung von Reinigungsergebnissen.

Axel Storz | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Safety first – höchstmöglicher IT-Schutz
06.09.2016 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Schaltschrank-Standards zum Anfassen
06.09.2016 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise