Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Computersimulation: schnell und effizient zu optimalen Ergebnissen in der Lasermaterialbearbeitung

29.04.2013
Auf der diesjährigen LASER World of Photonics in München vom 13. - 16. Mai zeigt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT, wie Erkenntnisse aus der Computersimulation gezielt zur Optimierung von Fertigungsprozessen und Produkten genutzt werden können.

Dies fördert insbesondere die Einführung neuer Technologien wie der Ultrakurzpulslaser-Technologie. Hierzu zeigt das Fraunhofer ILT auf dem Gemeinschaftsstand 330 in Halle C2 unter anderem ein Prototyp des jüngsten Polygonscanners zur Strahlablenkung und neue optische Systeme, welche die »PS der UKP-Laser auf die Straße bringen«.


Computersimulation für das Schneiden von Displayglas. Bildquelle: Fraunhofer ILT, Aachen

Simulation und Modellierung für Laserfertigungsprozesse

Das Ziel von Anlagenherstellern und Endanwendern von Laserbearbeitungsmaschinen ist es, die Fertigungsprozesse hinsichtlich Präzision, Zuverlässigkeit, Zeit-, Material- und Kostenaufwand fortlaufend zu optimieren. Dazu bedarf es zunächst der exakten Kenntnis der prozessrelevanten Größen, aus denen konkrete Maßnahmen abgeleitet werden können. Gerade bei Laserfertigungsprozessen lassen sich allerdings wichtige Prozessgrößen in den wenigen Mikrometer kleinen Prozesszonen aufgrund der kleinen Abmessungen und der sehr hohen Temperatur schlecht oder gar nicht messtechnisch erfassen.

Automatisierbar und kosteneffizient: Der Blick ins Innere
Zur Optimierung von Laserprozessen werden daher immer häufiger Computersimulationen eingesetzt. Diese ermöglichen es, in die Prozesse »hineinzusehen« und sind im Vergleich zu Experimenten leichter automatisierbar und kosteneffizienter. Zudem können in Simulationen Schwankungen und Messunsicherheiten sowohl ausgeschlossen als auch gezielt berücksichtigt werden. So lassen sich Schlüsselstellen ausfindig machen, Probleme frühzeitig erkennen und lösen. Seit rund zwanzig Jahren befasst sich ein zwölfköpfiges Team hochspezialisierter Wissenschaftler am Fraunhofer ILT ausschließlich mit der computergestützten Simulation von Laserprozessen. Dazu steht ihnen ein Hochleistungs-Rechencluster zur Verfügung, der 2010 im Rahmen des »Zentrums für Nanophotonik« in den eigenen Räumlichkeiten aufgebaut wurde. So können die Aachener Experten komplexe Fragestellungen aus der Lasermaterialbearbeitung mit hoher Auflösung in kurzer Rechenzeit simulieren und konkrete Lösungsansätze ableiten. Beim Laserschneidprozess von Displayglas beispielsweise können durch die Simulation des Prozesses die Abtraggeschwindigkeit erhöht sowie Schädigungen im Glas vermieden werden.
Simulierte Prozesse: Anwendungsbeispiele auf der LASER World of Photonics

Durch das systematische Nutzen von Erkenntnissen aus der Simulation tragen die ILT-Experten maßgeblich zur Produkt- und Verfahrensentwicklung ihrer Industriepartner bei. Fünf Beispiele erfolgreicher Zusammenarbeit stellen sie auf der LASER World of Photonics vor. Dazu gehören die Simulation des Laserverfahrens zum Schneiden von Displaygläsern mit Ultrakurzpulslasern für TRUMPF Lasertechnik, des wasserstrahlgeführten Laserschneidens für SYNOVA sowie die Optimierung des Metallschneidens für TRUMPF Werkzeugmaschinen. Dank der Erkenntnisse der Computersimulation am Fraunhofer ILT konnten Laserstrahlquellen für ROFIN-SINAR optimiert werden. Im Bereich der Produktoptimierung wurden zudem Freiformlinsen-Prototypen für den Automobilzulieferer HELLA berechnet.

UKP-Laser wirtschaftlich nutzen mit Strahlumlenkung

Ultrakurzpulslaser-Systeme erreichen immer neue Rekorde bezüglich Laserleistung und Pulsrate. Im Leistungsbereich von 50 bis 1000 Watt kann bei vielen Anwendungen allerdings meist nur ein sehr kleiner Teil der zur Verfügung stehenden Energie effektiv genutzt werden. Eine zu hohe Leistungseinkopplung in den Bearbeitungspunkt würde aufgrund der zu hohen thermischen Belastung durch Schmelzeffekte zu Aufwürfen und somit zu schlechten Bearbeitungsergebnissen führen. Die Forschungsbemühungen am Fraunhofer ILT gehen nun dahin, die hohe Leistung von UKP-Lasern für die Materialbearbeitung nutzbar zu machen. Beispielsweise durch die Aufteilung des Laserstrahls in mehrere Einzelstrahlen, die das Bauteil gleichzeitig bearbeiten können. Diese Multistrahltechnik wird unter anderem zur Erzeugung periodischer Mikrostrukturen eingesetzt.
Flächiger Abtrag mit Schallgeschwindigkeit

Ein weiterer Ansatz zur Nutzung der hohen Laserleistung besteht in der schnellen Strahlablenkung. Dazu haben ILT-Wissenschaftler ein Polygonscanner-System entwickelt: In diesem Scansystem, rotiert ein Polygonspiegel mit hoher, konstanter Drehzahl und lenkt den Strahl entlang einer Linie auf das Werkstück ab. Durch den Vorschub des Laserstrahls entlang dieser Linie mit Schallgeschwindigkeit wird die hohe Laserleistung auf dem Werkstück verteilt. Die Bearbeitungsfläche wird durch das Verfahren des Werkstücks mit einer Achse senkrecht zu dieser Linie aufgespannt. Der Polygonscanner besitzt eine maximale Apertur von 20 mm und erreicht bei einer Brennweite von 163 mm Scangeschwindigkeiten von bis zu 360 m/s. Er ist somit in der Lage, eine Fläche von 100 x 100 mm2 mit einer lateralen Auflösung von 20 µm in 3 Sekunden zu prozessieren. Um 2,5-D Strukturen zu erzeugen, wird das Material schichtweise mit einer Tiefenauflösung von bis zu 100 nm abgetragen. Im Vergleich zur maximalen Scangeschwindigkeit des Polygonscanners von 360 m/s liegen typische Scangeschwindigkeiten während der Bearbeitung für Galvanometerscanner mit vergleichbaren Aperturen lediglich bei 1-5 m/s. Derzeit gelingt es den Forschern am Fraunhofer ILT, den Laser entsprechend der Positionen von Polygonmotor und Werkstückachse mit bis zu 40 MHz anzusteuern, so dass das Werkstück an der richtigen Stelle bearbeitet wird. Die Herausforderung künftiger Weiterentwicklungen des Polygonscanners besteht nun in der Modulation der Laserleistung entsprechend dieser positionsgenauen Ansteuerung, da aktuelle Lasermodulatoren maximal mit einer Pulswiederholrate von 2 MHz betrieben werden können.

Live-Vorführung auf der LASER World of Photonics

Diese Scantechnik ist insbesondere für die flächige Bearbeitung geeignet, da das Werkstück zeilenweise bearbeitet wird. Einsatzgebiete für das Polygonscanner-System sind insbesondere die Strukturierung von Druck- und Prägeplatten, sowie Spritzgusswerkzeuge beispielsweise für die Erzeugung von Lichtleitstrukturen in der Beleuchtungsindustrie oder für Ledernarbenstrukturen in der Automobil- und Textilindustrie. Weitere Anwendungen sind das Schneiden von Hochleistungskeramiken inklusive Strukturen für formschlüssige Verbindungen, sowie die Waferprozessierung in der Solar- und Halbleiterindustrie. Das Verfahren kann auch auf die flächige Dünnschichtbearbeitung bei Rolle-zu-Rolle Verfahren übertragen werden. Auf der LASER World of Photonics führen Experten des Fraunhofer ILT die Polygonscantechnik am Beispiel metallischer Visitenkarten live vor.

Digital Photonic Production DPP

»Digital Photonic Production« bezeichnet die laserbasierte Herstellung von Bauteilen oder Produkten nahezu beliebiger Komplexität aus digitalen Daten. Die Technologie reicht von generativen Verfahren bis hin zur Hochleistungs-Ultrakurzpulslasern für die Mikrobearbeitung. Im Unterschied zu konventionellen Fertigungsverfahren können mit dem Werkzeug Licht sowohl kleinste Stückzahlen als auch komplexe Bauteile kleinster Dimension aus den unterschiedlichsten Materialien kostengünstig hergestellt werden. Deshalb spricht man im Zusammenhang mit dieser Technologie auch von einer »neuen industriellen Revolution«. Auf Stand 340 in Halle C2 demonstriert das Fraunhofer ILT gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Lasertechnik LLT der RWTH Aachen University anhand ausgewählter Beispiele aus den Bereichen Automotive, Luft- und Raumfahrt, Energietechnik, Leichtbau und Medizintechnik sowie dem Konsumerbereich das enorme Potenzial von DPP.

Presserundgang bei Fraunhofer

Di 14.05.2013
11:00 - 12:00 h
LASER World of PHOTONICS 2013
Halle B2, Stand 421 und Halle. C2, Stand 330
Unter dem Motto »Customized Solutions« zeigen Fraunhofer-Forscher in Halle B2, Stand 421 und Halle. C2, Stand 330 neue Entwicklungen aus der Lasertechnik. Highlights sind Polygonscanner-Systeme, 3D-Objekterkennung, Ultraflache Mikroskope, 3D- Hochgeschwindigkeitsvermessung sowie ein neuartiger, kompakter Bearbeitungskopf zum Laser-Draht-Auftragschweißen.

Der Presserundgang beginnt um 11.00 in Halle B2 am Stand 421 mit Fertigungstechnik für Optiken und endet in Halle C2 am Stand 330 mit Lasersystemen für die Fertigung. Beim anschließenden Imbiss besteht die Gelegenheit zum Austausch mit den Wissenschaftlern.

Vortragssprache: Deutsch und Englisch (mit Simultanübersetzer)

Ansprechpartner

Dr. Jens Schüttler
Gruppe Simulation und Modellierung
Telefon +49 241 8906-680 jens.schuettler@ilt.fraunhofer.de

Prof. Wolfgang Schulz
Leiter Lehr- und Forschungsgebiet für Nichtlineare Dynamik der Laser-Fertigungsverfahren NLD

Telefon +49 241 8906-204 wolfgang.schulz@ilt.fraunhofer.de

Dipl.-Phys. Oliver Nottrodt
Gruppe Prozesssensorik und -Systemtechnik
Telefon +49 241 8906-625 oliver.nottrodt@ilt.fraunhofer.de
Dipl.-Ing. Peter Abels
Leiter Gruppe Prozesssensorik und -Systemtechnik
Telefon +49 241 8906-428
peter.abels@ilt.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT, Aachen

Petra Nolis | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ilt.fraunhofer.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

18.10.2017 | Medizin Gesundheit

Rittal Klima-Tipps: Ist ein Kühlgerät wirklich nötig?

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik

Smartphones im Kampf gegen die Blindheit

18.10.2017 | Medizintechnik