Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CeBIT: Mit Lego-Robotern von der Kassette zum Videoarchiv

21.02.2013
Chemnitzer Medieninformatiker präsentieren vom 5. bis 9. März 2013 auf der CeBIT in Hannover ein Baukastensystem für Archivierungslösungen für die Medienbranche

Videoproduktionen wurden noch vor wenigen Jahren insbesondere auf Kassetten aufgenommen und gespeichert. Abgelöst wurden sie von kassettenlosen Videoaufzeichnungsgeräten. Was aber wird aus den alten Kassettenbeständen, die zum Beispiel in Fernseh- und Industriearchiven, an Hochschulen oder auch in Privathaushalten lagern?

„Ging man ursprünglich von einer Haltbarkeit von zehn bis15 Jahren aus, zeichnet sich in Wirklichkeit eine deutlich größere Spanne von bis zu 30 Jahren ab - je nach Qualität der Lagerung“, sagt Prof. Dr. Maximilian Eibl, Inhaber der Professur Medieninformatik der Technischen Universität Chemnitz. Sicher aber sei: „Die alten Kassettenformate werden in absehbarer Zeit zerstört sein.“

Die Chemnitzer Medieninformatiker arbeiten deshalb an Lösungen, um audiovisuelles Material nicht nur zu retten, sondern auch für die Weiterverwendung - beispielsweise für Online-Videos oder das Versenden digitaler Fernsehbeiträge zwischen Lokalfernsehsendern - aufzubereiten. Dazu gehören neben der Digitalisierung auch die automatische Anreicherung mit Beschreibungsdaten sowie die Integration in eine Suchmaschine. Die Lösungsansätze sind dabei als Baukastensystem konzipiert. Die Chemnitzer Forschergruppe stellt ihr Projekt vom 5. bis 9. März 2013 auf der CeBIT in Hannover (Halle 9, Gemeinschaftstand "Forschung für die Zukunft", Stand A10) vor.

Die zentralen Bausteine bilden zwei miteinander kooperierende softwarebasierte Frameworks AMOPA und Xtrieval, die die vollständige Verarbeitung audiovisueller Medien ermöglichen. AMOPA (Automated Moving Picture Annotator) extrahiert automatisiert aus beliebigen Audio- und Videodateien beschreibende Daten, sogenannte Metadaten. Dazu gehört neben Personen auch die Erkennung von eingeblendeten Texten sowie Informationen zum Sprecher und zum Gesprochenen. Diese Daten können anschließend mit dem zweiten Baustein namens Xtrieval (Extensible Retrieval and Evaluation Framework) durchsucht werden, was besonders für Recherchezwecke geeignet ist.

Beide Komponenten wurden nun in einer durchgehenden „Digitalisierungs- und Annotationsstraße“ verbunden. Komplettiert wird dieser Verbund durch einen eigens konstruierten Roboter, der die Videoplayer mit unterschiedlichen Kassettenformaten füllt. Der Roboter wurde aus etwa 10.000 Legoteilen gebaut und wird durch drei Lego Mindstorm-Einheiten gesteuert. "Die Konstruktion aus LEGO-Teilen ruft meist ein Lächeln und oft auch nostalgische Gefühle hervor. Sie ist aber nicht nur günstiger als ein Industrieroboter, sondern auch sehr flexibel", sagt Eibl. Der Roboter bedient zwölf Player der Kassettenformate S-VHS, DV/HDV und Betacam. Er holt die Kassetten aus einem Schacht, in dem die zu digitalisierenden Kassetten gesammelt sind. Danach legt er sie in das richtige Gerät ein, startet die Digitalisierung und bringt nach getaner Arbeit die Kassetten in ein Magazin. Einige Abspielgeräte haben wir vor dem Müll gerettet und nutzen sie nun, um alte Kassetten digitalisieren zu können", ergänzt Eibl. Die Digitalisierungsstation hat die erste 100-Tage-Testphase erfolgreich absolviert. Der Umfang der Digitalisate beträgt bisher etwa 1.000 Stunden und entstammt dem Lokalsender KabelJournal GmbH aus Grünhain-Beierfeld und der Chemnitzer Filmwerkstatt. Das Spektrum reicht von Kurznachrichten über Werbebeiträgen und Sportsendungen bis hin zu Filmen aus künstlerischen Bereichen.

Zu den nächsten Zielen der Chemnitzer Nachwuchsforscher gehört auch die Entwicklung eines ID-Systems, um technische Randinformationen der Videokassetten wie handgeschriebene oder aufgedruckte Titel automatisch über QR-Tags in einer Datenbank zu erfassen. Diese Daten sollen anschließend mit den inhaltlichen Daten der beiden anderen Bausteine verbunden und im praktischen Einsatz mit den Kooperationspartnern getestet werden. Für dieses Vorhaben sind die Forscher auch weiterhin auf der Suche nach Partnern, um die vorhandenen Lösungen weiterzuentwickeln, so auch auf der CeBIT.

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Maximilian Eibl, Telefon 0371 531-25780, E-Mail eibl@informatik.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Auswerte-Elektronik QUADRA-CHEK 2000 von HEIDENHAIN: Zuverlässig und einfach messen
20.04.2018 | DR. JOHANNES HEIDENHAIN GmbH

nachricht tisoware auf der Zukunft Personal Süd und Nord 2018
20.04.2018 | tisoware - Gesellschaft für Zeitwirtschaft mbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics