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Wie Bürger ihre Daten schützen können - Forschungsprojekt führt zu Prototyp für eine bessere informationelle Selbstbestimmung

14.10.2010
Ein Forschungsverbund unter Beteiligung des Lehrstuhls für Rechnernetze und Rechnerkommunikation der Universität Passau präsentiert am 20. Oktober auf der Nürnberger Messe IT-SA 2010 einen Prototyp des Projekts inSel. Mit dem System sollen Bürger stärker bestimmen, wer ihre persönlichen Daten in welchem Umfang nutzt und dies auch protokollieren können.

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Wer sich in sozialen Netzwerken wie Facebook bewegt, verwandelt sich teilweise in einen gläsernen Bürger. Er kann zwar einstellen, welche seiner Angaben von anderen Nutzern eingesehen werden können, aber nicht verhindern, dass zumindest der Betreiber des Netzwerkes alles weiß – und dieses Wissen geschäftlich nutzt.


„inSel – informationelle Selbstbestimmung in Dienstenetzen - zielt darauf, den Datenverarbeiter als unerwünschten Mitwisser auszuschalten“, erklärt Prof. Dr. Hermann de Meer, Inhaber des Lehrstuhls für Rechnernetze und Rechnerkommunikation der Universität Passau. Der Bürger hinterlegt seine Daten (etwa seine Kontoverbindungen) in einem verschlüsselten Datentresor, auf den Dritte (z. B. ein Verkäufer auf einer Shopping-Plattform) nur dann Zugriff erhalten, wenn der Nutzer es ausdrücklich gestattet. Der Datenverarbeiter, also die Shoppingplattform oder der Betreiber des sozialen Netzwerkes, sieht nur die verschlüsselten Daten.

Diesen Prototyp der Datensicherung präsentieren die Projektpartner am Mittwoch, den 20. Oktober 2010, um 16:15 Uhr auf der Nürnberger Fachmesse IT-SA 2010 im Forum Blau (Technik), Halle 12, Stand 103. Darüber hinaus werden die Resultate des Projektes während der gesamten Messe (19. bis 21. Oktober 2010) auf dem Stand des Konsortialführers Sirrix AG präsentiert.

Als konkreten Anwendungsfall spielen die Beteiligten die Arbeit von Pflegediensten durch. Diese erheben zur Abrechnung ihrer Leistungen mit den Krankenkassen sensible Daten aus dem intimen Lebensbereich ihrer Kunden. Nach dem inSel-Prinzip erfassen und übermitteln sie diese verschlüsselt per Handy. Der Datenverarbeiter, bei dem sie gespeichert werden, kann sie nicht entschlüsseln. Und auch die erlaubten Zugriffe der Krankenkasse werden protokolliert. So kann der Bürger über eine Web-Plattform jederzeit nachvollziehen, ob nur diejenigen Stellen Daten erhalten haben, die sie auch tatsächlich benötigen.

„Von inSel profitieren auch die Anbieter von Waren und Dienstleistungen. Durch die Protokollierung jedes Zugriffs können sie transparent beweisen, dass sie Daten konform mit dem Datenschutzrecht verwalten. Momentan muss der Kunde es ihnen einfach glauben und das tut er oft nicht mehr angesichts vieler Fälle, in denen z. B. Kontodaten auf dem Schwarzmarkt angeboten werden“, erklärt Ralph Herkenhöner, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Rechnernetze und Rechnerkommunikation.

Aufgrund dieses wachsenden Gefahrenpotentials durch zentrale Datenanhäufung und individualisierte Internetnutzung mit Web 2.0- Diensten fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit inSel ein System zur Durchsetzung von Datenschutzvereinbarungen. Die Passauer Forscher beschäftigen sich im Rahmen des inSel-Projektes insbesondere mit der Bewertung der technischen und organisatorischen Umsetzung der Datenschutzmaßnahmen.

Steffen Becker | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-passau.de

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