Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blutkonserven sicher filtrieren

26.02.2009
Alle Blutspenden müssen laut Gesetz filtriert werden, um Patienten vor Krankheiten zu schützen. Ein neues Gerät überwacht die Filtrationen und hilft, fehlerhafte Filter zu erkennen.

Vom 3. bis 5. März präsentieren Fraunhofer-Forscher ihr System auf der Messe MedTec in Stuttgart (Halle 6, Stand 1522).

Seit 2001 müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Blutbanken alle Blutkonserven filtrieren, um die weißen Blutkörperchen zu entfernen. Denn für Empfänger einer Bluttransfusion können weiße Blutkörperchen negative Folgen haben: Sie lösen gelegentlich eine Immunantwort aus.

Dabei bildet der Patient Antikörper gegen die Antigene, die auf der Oberfläche der fremden Zellen sitzen. Die Folgen sind Schüttelfrost und Fieber. Für einige Patienten ist dadurch nur das Blut ganz weniger Spender verträglich. Weiterhin haften auf weißen Blutkörperchen oft Krankheitserreger, beispielsweise bestimmte Viren, die den Patienten infizieren können. Möglicherweise überträgt sich so auch die neue Variante der Creutzfeldt-Jacob-Krankheit.

Eine Filtration senkt die Zahl der weißen Blutkörperchen im Spenderblut auf ein Minimum. Die Blutbanken benutzen dafür sterile geschlossene Blutbeutelsysteme, in die alle benötigten Beutel, Filter und Schläuche integriert sind. Die Schwerkraft sorgt dafür, dass das Blut durch den Filter vom oberen in den unteren Beutel fließt. Die Filter bestehen aus einem Flies von komprimierten Fasern mit unterschiedlicher Porengröße. Die weißen Blutkörperchen haften aufgrund ihrer Größe und ihrer Wechselwirkung mit dem Fasermaterial am Filter und werden so dem Blut entzogen.

Ein neues System der Forscher am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart überwacht solche Blutfiltrationen und stellt fest, wann ein Filter defekt ist oder die Filtration missglückt ist. Ein wichtiges Kriterium dafür ist die Zeit: Jeder Hersteller von Blutprodukten muss eine Spanne festlegen, innerhalb der die Qualität der Blutkonserven gewährleistet ist. Fließt das Blut bei der Filtration schneller als angegeben, kann das ein Hinweis auf eine schlechte Filtration sein. Die Konserven können dann nur nach einer aufwändigen Qualitätskontrolle verwendet werden. Fließt das Blut langsamer, kann das ein Hinweis auf eine Beeinträchtigung der Qualität sein und die Blutkonserven werden sicherheitshalber nicht verwendet. Bisher überprüfen die Mitarbeiter der Blutbank mit einer Stoppuhr, wie lange eine Filtration dauert, und sie entsorgen alle Blutproben, die nach der angegebenen Zeit noch nicht zu Ende filtriert sind. Das Personal bemerkt bisher jedoch nicht, wenn ein Loch im Filter ist und das Blut in kürzerer Zeit durchrauscht.

Bei dem neuen Überwachungsgerät registriert ein Durchflussmesser hinter dem Filter, wann das Blut filtriert ist. Wie lange welche Probe getropft ist, speichert das System in einer Datenbank. Am Bildschirm lässt sich hinterher genau sehen, bei welchen Beuteln der Filter einwandfrei gearbeitet hat und bei welchen nicht. 24 Blutkonserven haben gleichzeitig an einer Anlage Platz. "Unser System macht Blutfiltrationen sicherer und unkomplizierter", sagt Oliver Refle vom IPA. Forscher vom IPA haben es zusammen mit ihren Kollegen von der Blutzentrale Stuttgart entwickelt. Es wird in den nächsten Wochen auf den Markt kommen. Vom 3. bis 5. März führen die Forscher ihr neues System auf der Medizintechnik-Messe MedTec in Stuttgart vor.

Dr. Janine Drexler | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Medica 2017 – TU Kaiserslautern präsentiert Fortschritte in der Medizintechnologie
20.10.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben
18.10.2017 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mehr Wissen über Proteine: Forscher aus Halle verbessern Massenspektrometrie-Verfahren

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Stickoxide: Neuartiger Katalysator soll Abgase ohne Zusätze reinigen

23.10.2017 | Materialwissenschaften