Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hannover Messe: Wie man die Temperatur von Raumkapseln beim Eintritt in die Atmosphäre misst

11.04.2002


Jenaer Wissenschaftler entwickeln hochgenaues berührungsloses Temperaturmessgerät

 Wissenschaftler des Technischen Instituts der Physikalischen Fakultät der Uni Jena um Dr.-Ing. habil. Wolfgang Fried und Dipl.-Ing. Torsten Henning haben ein Messgerätesystem entwickelt, mit dem sich hohe Temperaturen berührungslos und sehr genau erfassen lassen. Das Gerät wird auf der Hannover-Messe vom 15. bis 20. April erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist besonders anpassungsfähig und im Vergleich zu seiner Leistung auch besonders preiswert.

Beim Schweißen, beim Schmelzen von Metallen oder bei vielen chemischen Prozessen entstehen hohe Temperaturen. Häufig möchte man diese Temperaturen möglichst schnell und genau messen, da sie Rückschlüsse auf den Ablauf des Prozesses und auf die Qualität der Produkte zulassen. Dadurch wird es möglich, bei eventuellen Störungen schnell einzugreifen.

Wie alle berührungslosen Temperaturmessgeräte funktioniert das Jenaer Gerät nach dem Pyrometerprinzip. Pyrometer messen die abgestrahlte Wärme und eignen sich deshalb auch für bewegte Objekte und große Entfernungen. Das neuartige Jenaer Pyrometer kann aber noch mehr: Durch seinen mehrkanaligen Aufbau lassen sich problemlos zusätzliche Messfühler anschließen. Dadurch ist es möglich, die Temperatur mehrerer Wärmequellen gleichzeitig und ohne Zeitverzögerung hochgenau zu messen oder die Wärmeverteilung zwischen mehreren Messpunkten zu ermitteln. Der Messbereich liegt zwischen 650 und 3000 Grad Celsius, die Abweichung von der tatsächlichen Temperatur bei weit unter einem Prozent. Die Messdaten werden an einen Computer weitergeleitet und dort ausgewertet. Dieser Computer dient auch dazu, den jeweiligen Prozess zu steuern. Das Pyrometer kann aus der Ferne gewartet und geeicht (Fachwort: kalibriert) werden und ist mit einer Fehlerkorrektur ausgestattet. Sogar weltraumtauglich ist das neue Gerät: Es wurde bereits eingesetzt, um die Hitzeentwicklung von Raumkapseln beim Eintritt in die Atmosphäre zu messen - dabei entstehen immerhin Oberflächentemperaturen bis zu 2400 Grad Celsius. Zum Schutz vor derart hohen Temperaturen sind die Raumkapseln mit Keramikkacheln beklebt. Deren Temperatur wird fortlaufend an verschiedenen Stellen gemessen, damit die Besatzung notfalls den Eintrittswinkel ändern kann. Dazu waren bisher eine ganze Reihe von Pyrometern nötig, die Platz und Gewicht wegnahmen. Das Jenaer Instrument mit seinen zahlreichen Messkanälen macht es nun erstmals möglich, die Oberflächentemperatur mit einem einzigen Gerät zu messen. Die Wissenschaftler arbeiten bereits an einer Weiterentwicklung: In naher Zukunft wollen sie das Gerät mit weiteren Sensoren ausstatten, um auch Entfernungen, Strömungsgeschwindigkeiten, die Konzentration von Stoffen oder deren Dichte zu messen.

Inzwischen hat Torsten Henning gemeinsam mit dem Diplom-Wirtschaftsinformatiker Volker Heinrich die Firma VirtualFab Technologie gegründet. Beim 4. Thüringer Businessplan-Wettbewerb gewann die Ausgründung der Uni Jena den 1. Preis in der Kategorie "Dienstleistungen". Einschließlich der beiden Chefs zählt die High-Tech-Firma zurzeit fünf Mitarbeiter. Die Unternehmensgründer wollen aber nicht nur ihr Pyrometer vermarkten: Sie verstehen sich auch als Spezialisten für wissenschaftliche Analysesoftware und Datenbanksysteme und entwickeln als Dienstleister Anwendungsprogramme für die Messtechnik. Ein weiterer Schwerpunkt der jungen Firma ist die "Virtuelle Fabrik". Dabei schließen sich selbständige Unternehmen für die Dauer eines Projekts zeitweilig zu einem Verbund zusammen. Ein solches Netzwerk bauen die Virtual-Fab-Leute gerade für das Optonet Jena auf, einen eingetragenen Verein, in dem sich mehr als 40 Firmen der optischen Industrie, dazu mehrere Forschungsinstitute, Hochschulen, Banken und Kommunen, zusammengeschlossen haben. Mit dabei sind so prominente Namen wie Carl Zeiss Jena, Jenoptik, Analytik Jena, Asclepion Meditec und Docter Optics, aber auch zahlreiche kleine und mittelständische Spezialfirmen.

Weitere Informationen: VirtualFab - Gesellschaft für Technologieentwicklung mbH, Wildenbruchstraße 15, 07745 Jena, Dipl.-Ing. Torsten Henning, Tel: 0 36 41 / 67 51 90, Fax: 0 36 41 / 67 51 99, E-Mail: t.henning@virtualfab.de oder vom 5. bis 20. April 2002 auf der Hannover Messe, Halle 18, 1. Obergeschoss, auf dem Stand O 15, "Forschungsland Thüringen". Die Firma ist eine Ausgründung der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Hubert J. Gieß | idw
Weitere Informationen:
http://www.virtualfab.de/html/opto-in.htm
http://www.virtualfab.de/index.ht

Weitere Berichte zu: Pyrometer Raumkapsel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen
08.12.2016 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Mobile Learning und intelligente Contentlösungen im Fokus
08.12.2016 | time4you GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie