Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TU Dresden präsentiert neues System zur Computerunterstützten Fabrikplanung

21.03.2002


Hannover Messe, 15.-20.04.2002, Halle 18, 1.OG, Stand M16

Mit dem Baukasten zur idealen Fabrik

"Die perfekte Fabrik aus dem Computer ist eine Fiktion, und bleibt es", urteilt Dr.-Ing. Michael Völker vom Lehrstuhl für Fabrikplanung und Produktionsorganisation der TU Dresden. Alle Versuche, Fabriken komplett - von den Produktionsabläufen über die Architektur und Haustechnik bis zum Umweltmanagement - im Rechner zu erzeugen, sind bislang gescheitert. Das ingenieurwissenschaftliche Know-how wird auch in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen. Doch auf den Rechenknecht verzichten können und wollen die Wissenschaftler deshalb nicht. Zu vielfältig sind die Anforderungen an eine Betriebsstätte, als das sie "aus dem Bauch heraus" konzipiert werden könnte. Die Dresdener Wissenschaftler setzen auf die Computerunterstützte Fabrikplanung, oder im modischen Englisch "Computer Aided Factory Design", kurz CAFD. Hinter dem Begriff verbirgt sich mehr als eine sprachliche Nuancierung.

Es ist ein völlig neuer Ansatz, den die Forscher vom Institut für Produktionstechnik verfolgen. "Neu ist bei uns, dass wir völlig unabhängig von einem Gebäude den eigentlichen Produktionsprozess optimal gestalten und dann mit einem modularen Baukastensystem dazu die ideale Fabrik entwerfen" erläutert Dr. Völker das Konzept der computerunterstützten Fabrikplanung. Ihre Aufgabe gleicht dabei der bekannten Quadratur des Kreises, sagt Dr. Völker:
"Wir müssen für Unternehmen die 100%-ig maßgeschneiderte Fabrik entwickeln mit dem geringst möglichen Kosten, die aber auch mit den geringsten Mehraufwendungen in den nächsten 10 Jahren das Unternehmenskonzept sichert." Doch wie wird die Produktion in einem Jahrzehnt aussehen? Welche Bereiche einer Firma werden schrumpfen, welche wachsen?

Die Antworten müssen die Wissenschaftler kennen, damit am Ende tatsächlich die ideale Fabrik entsteht. Und so beginnt die Arbeit der Fabrikplaner lange vor dem ersten Spatentisch.
Als erstes nehmen die Wissenschaftler dabei das Produkt selbst unter die Lupe. Wie wird es hergestellt, welchen Technologien und Verfahren werden verwendet, wie steht es um die Logistik? Diese Betriebsanalyse bildet den Grundstein für den eigenen Entwurf eines Herstellungssystems. Schon hier gibt es enorme Einsparpotentiale. Mit einem neuen Organisationskonzept für eine Elektronikfabrik konnten die Dresdner beispielsweise den Flächenbedarf auf die Hälfte reduzieren.

Steht das Konzept, beginnt die virtuelle Produktion. Aufwändige Rechenprogramme simulieren bei Bedarf den Produktionsprozess, um mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und den Materialfluss zu optimieren. Erst wenn diese Schritte erfolgreich absolviert sind, beginnen die Fabrikplaner mit der Arbeit am Gebäude. Die bauliche Hülle muss dabei so flexibel sein, dass auch in vielen Jahren noch in ihr gearbeitet werden kann. "Das mit den Gebäudeentwürfen und den technischen Installationen zusammenbringen, das ist sehr kompliziert" betont Dr. Völker. Wenn die Fabrik erst einmal steht, sind Eingriffe in die Grundrisse und Tragwerke, in Versorgungs- oder Datenleitungen nur mit großem Aufwand möglich. Es wäre zwar denkbar, überall Anschlüsse einzuplanen, oder Stützen weit auseinander zu setzen, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, treibt aber die Kosten extrem hoch. Wie hoch, können die Dresdener Fabrikplaner berechnen und ihren Auftraggebern dann Alternativen anbieten. "Wir können in sehr kurzer Zeit, nachdem wir Basislösungen haben, alternative Lösungen bei der Tragwerkskonstruktion, bei Material und Fassadengestaltung erstellen", erklärt Dr. Völker.

Normalerweise bedeutet das jedes Mal ein vollkommen neues Projekt, doch dank der Computerunterstützung hält sich der Aufwand beim Dresdener Fabrikplanungskonzept in überschaubaren Grenzen.

Vielleicht ist das für Unternehmer ein Anreiz, künftig häufiger auf die Dienste von Fabrikplanern zurückzugreifen. Denn noch - so schätzt Dr. Völker - entstehen drei Viertel aller Betriebsstätten "aus dem Bauch heraus" und nicht nach wissenschaftlichen Analysen.

Informationen: Dr.-Ing. Michael Völker, Tel. (03 51) 4 63-3 43 98, E-Mail:  voelker@mciron.mw.tu-dresden.de

Birgit Berg | idw
Weitere Informationen:
http://mciron.mw.tu-dresden.de

Weitere Berichte zu: Produktionsprozess

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben
18.10.2017 | Hochschule Hannover

nachricht IVAM-Produktmarkt „High-tech for Medical Devices“ auf der COMPAMED 2017
18.10.2017 | IVAM Fachverband für Mikrotechnik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik