Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Logistikkonzepte für den Holzfertigbau

26.02.2002


Fertigungsinsel für Holzrahmenhäuser


Fertighaus auf Holzrahmenbasis



Den Durchsatz um 20 Prozent erhöht und die Durchlaufzeiten um 40 Prozent verringert: Neue Logistikkonzepte helfen Handwerksbetrieben auf dem Sprung zur industriellen Fertigung von Holzhäusern. Sie sind das Ergebnis eines BMBF-Projekts zur Förderung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), an dem zwei Fertighaushersteller sowie drei Maschinen- und Anlagenbauer beteiligt waren.


Holzfertighäuser und Autos können mehr gemeinsam haben, als man denkt - zumindest, wenn es nach den Partnern des BMBF-Verbundprojekts »Entwicklung eines modellhaften Logistikkonzeptes zur Durchsetzung des integrierten Umweltschutzes in der Holzwirtschaft« geht. Ingenieure des Fraunhofer IPA haben mit führenden Unternehmen der Branche ein ganzheitliches Logistikkonzept für kleine und mittelständische Holzfertighausbauer entwickelt. Es basiert auf einem Plattformkonzept, wie es die Automobilindustrie bereits erfolgreich einsetzt: Standardisierte Bauelemente, die so aufeinander abgestimmt sind, dass sie - einmal von den offiziellen Stellen zugelassen - ohne größeren Aufwand in unterschiedliche Modellreihen eingebaut werden können. Bleibt beispielsweise die Konstruktion des Tragwerks der Häuser immer gleich, müssen die statischen Berechnungen nicht für jedes Haus neu, sondern nur einmal für die Plattform berechnet werden. Dasselbe gilt für die behördliche Abnahme.

Als wesentliche Komponenten der Fertighaus-Produktplattform kristallisierten sich Grundriss und Tragwerk, Treppe und Installation sowie »Andockmodule« wie Erker, Dachgauben oder Balkone heraus. Unabhängig von Hersteller und Haustyp lässt sich diese Systematik generell auf Häuser auf Holzrahmenbasis anwenden. »Der wesentliche Vorteil des Plattformkonzepts ist eine vereinheitlichte technische Basis für sehr unterschiedliche Endprodukte«, erklärt IPA-Projektleiter Norbert Cottone »Das reduziert Entwicklungszeiten und spart Kosten.«


Im ersten Halbjahr 2000 wurden Deutschland nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF) etwas mehr als 92 000 Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser erteilt, davon rund 12 000 für Häuser in Fertigbauweise. »Die meisten Fertighäuser entstehen bereits in Holzrahmenbauweise. Da Holz im Gegensatz zu anderen Baustoffen ein umweltfreundlicher, nachwachsender Rohstoff ist, soll der Anteil der Holzhäuser nach dem Willen des BMBF weiter erhöht werden«, sagt Cottone. Es sind bislang kleine und mittelständische Unternehmen, die diesen Markt bedienen. Viele sind dabei, sich vom Handwerks- zum Industriebetrieb zu wandeln, weg vom Hersteller individueller Einzelprodukte hin zum Produzenten variantenreicher Kleinserien. »Mass Customization« heißt auch hier das Zauberwort und das Plattformkonzept kommt dieser Philosophie entgegen. Der Wandel zum Industriebetrieb funktioniert jedoch nur mit neuen Produktionsstrukturen, einer angepassten Automatisierung und unternehmensübergreifenden Kooperationen. »Für die Fertighausbranchen sind Vertriebs-, Beschaffungs-, Service-, FuE- sowie Montagenetzwerke hochinteressant«, hat Cottones Mitarbeiter Claus-Peter Eberhardt festgestellt.

Neben Aspekten der Gesamtlogistik nahmen Cottone und sein Team vor allem die innerbetriebliche Logistik unter die Lupe. Die heutigen logistischen Abläufe in einem Unternehmen der Fertighausbranche sind durch eine Vielzahl komplexer und unübersichtlicher Abläufe in den Informations- und Materialflussprozessen gekennzeichnet. Zur besseren Strukturierung und Erhöhung der Transparenz vor allem in der Produktion schlagen die Fraunhofer-Forscher deshalb die Segmentierung vor: entweder vertikal entlang der Prozesskette in Vorfertigung, Elementmontage sowie Verpackung und Versand oder horizontal nach Produkttypen, entsprechend des Grundgedankens von der »Fabrik in der Fabrik«.

Ein wesentliches Element des verbesserten Logistikkonzepts ist die prozessgerechte Ablaufgestaltung. Basierend auf Analysen des bisher üblichen Material- und Informationsflusses entstand ein modulares, bibliotheksbasiertes Simulationspaket, das in die Simulationsumgebung Simple++ implementiert wurde. Das Paket bildet den gesamten logistischen Wertschöpfungsprozess ab. Innerbetriebliche Prozesse sind bereits detailliert beschrieben. Es kann jederzeit um die Bereiche Baustellenlogistik und Auftragsabwicklung erweitert werden. »Durch die Abbildung aller Systemkomponenten in einer Bibliothek, die strenge Strukturierung und Abgrenzung der Systeme und Subsysteme sowie der Schnittstellen ist es möglich, aus diesem ’Baukasten’ sehr schnell ein konkretes Modell zu erzeugen«, erklärt Cottone. Er und sein Team testeten verschiedene logistische Steuerungskonzepte an einem branchentypischen Modellbetrieb und konnten dabei den Durchsatz durch die Produktion um 20 Prozent erhöhen, die Durchlaufzeiten der Aufträge um 40 Prozent verringern und der Anteil der nicht termingerecht gelieferten Aufträge sank ebenfalls um 40 Prozent.

Das Forschungsprojekt lief von Oktober 1999 bis September 2001 unter Beteiligung der beiden Haushersteller Baufritz GmbH & Co., Erkheim, und Carl Platz GmbH & Co., Saulgau, der Werkzeug- und Holzmaschinenbauer Weinmann + Partner GmbH, St. Johann, und Hans Hundegger Maschinenbau GmbH, Hawangen, sowie der Hammer Abbundtechnik GmbH, Fichtenberg.

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA
Dipl.-Ing. Norbert Cottone
Telefon: 0711/970-1218
Telefax: 0711/970-1008
E-Mail: noc@ipa.fhg.de

| Fraunhofer IPA
Weitere Informationen:
http://www.holz-und-umwelt.de/proj_fr.htm
http://www.dgfh.de
http://www.fz-juelich.de/ptj

Weitere Berichte zu: Logistikkonzept Plattformkonzept

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Laser World of Photonics 2017: Abhörsicher kommunizieren mit verschränkten Photonen
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht EMO 2017: Smarte Lösungen für Produktionsoptimierung und Sägetechnologie
20.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften