Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alles eine Frage des Standorts

19.02.2002


KogiPLan erleichtert die Suche nach dem richtigen Standort.
© Fraunhofer IGD, Karten mit freundlicher Unterstützung der Stadt Rodgau.


Wo ist ein geeigneter Platz für die geplante Müllverbrennungsanlage? An welcher Autobahnausfahrt soll der nächste Drive-In errichtet werden? Das System KogiPlan hilft, den richtigen Standort zu finden. Wie es arbeitet, zeigen Forscher auf der CeBIT (13.-20. März in Hannover).

Egal ob beim Bau einer Müllverbrennungsanlage, eines Auslieferungslagers oder einer neuen Supermarkt-Filiale - die Wahl des richtigen Standorts ist schwierig und hat weitreichende Folgen. »Dennoch wird die Entscheidung, wo zum Beispiel ein neues Vertriebszentrum entstehen soll, bisher meist folgendermaßen gefällt: Um die zu beliefernden Filialen wird mit dem Zirkel ein Kreis gezogen und dann innerhalb der Schnittfläche ein Standort gewählt«, berichtet Dr. Stefan Nickel vom Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM. Zwar beziehen

die Planer meist geographische Gegebenheiten wie vorhandene Straßen mit Entfernungen oder Grenzen ein, doch Faktoren wie die Verfügbarkeit von Grundstücken, Grundstückspreise, Verkehrsauslastung der Straßen oder die künftige Entwicklung der Region werden außer Acht gelassen. Nicht so bei dem System KogiPlan, das derzeit gemeinsam von Forschern der Fraunhofer-Institute für Graphische Datenverarbeitung IGD, für Autonome intelligente Systeme AIS und des ITWM entwickelt wird. Es berücksichtigt alle relevanten Daten, zeigt, welche Auswirkungen eine Entscheidung hat und erstellt - basierend auf modernen mathematischen Optimierungsverfahren - Vorschläge zur Standortwahl.

»Mit unserem System können künftig objektive Bewertungskriterien für eine Standortentscheidung herangezogen werden«, beschreibt Dr. Uwe Jasnoch vom IGD den wesentlichen Nutzen des Projekts KogiPlan. Dazu werden vorhandene Daten wie Straßenkarten, Flächennutzungspläne, Informationen über Grundstückspreise, Verkehrsanbindung, Angaben der Statistischen Ämter, Entwicklungspläne für die Region sowie demographische Daten und Ergebnisse von Umfragen genutzt. Doch wie kann KogiPlan aus dieser Flut an Informationen die für eine Standortentscheidung relevanten Daten herausfiltern? Die Wissenschaftler setzen hierfür Data Mining ein. Mit Hilfe von statistisch-mathematischen Verfahren und neuen Methoden des maschinellen Lernens werden Datenzusammenhänge aufgedeckt. Die Datenbank ist so in der Lage, konkrete Anfragen selbstständig zu bearbeiten. »Wir graben in den Daten nach den Diamanten. Das heißt, wir filtern die Informationen heraus, die bei der Standortplanung bedeutsam sind«, erklärt Dr. Hans Voss vom AIS die Aufgabe von Data Mining.

»Die Informationen werden dann mit vorhandenen kartographischen Daten zusammengebracht«, beschreibt Voss die weitere Arbeitsweise. Die Besonderheit: Das System bezieht räumliche Verhältnisse mit ein. KogiPlan analysiert so alle Standorte und fasst die Ergebnisse in thematischen Landkarten zusammen. Ähnlich wie bei der Aufstellung der Wahlergebnisse für jeden Wahlbezirk, sind dort für jeden Standort die wichtigsten Angaben zur Verkehrsanbindung, Kundenstruktur usw. aufgelistet.

Oft müssen bei einer Standortentscheidung die Belange mehrerer unterschiedlicher Gruppen berücksichtigt werden. Beispiel: Müllverbrennungsanlage. Anwohner wollen die Anlage nicht in ihrer Nachbarschaft haben, die Betreiber wünschen sich eine gute Verkehrsanbindung und Umweltschützer fordern den Erhalt von Biotopen. Auch diese multi-kriteriellen Anfragen bearbeitet das System. »Wir optimieren die Standortwahl nach den verschiedenen Zielvorgaben. Anhand dieser Vorgaben können dann geeignete Standorte identifiziert werden«, beschreibt Nickel die Vorgehensweise.

»Mit KogiPlan wird die Standortwahl auf eine neutrale Basis gestellt. Es ist besonders für den Einsatz bei komplexen Planungen geeignet, an denen viele Akteure mit unterschiedlichen Interessen beteiligt sind«, betont Projektleiter Jasnoch. Das System kann helfen, Entscheidungen transparent und nachvollziehbar zu machen. So dass es vielleicht nicht mehr wie zum Beispiel beim Bau des neuen Airbus-Werks in Hamburg zu spektakulären Prozessentscheidungen kommen muss.

Messebesucher können sich die Arbeitsweise von KogiPlan auf dem Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle 11, Stand A10, A14 zeigen lassen.

Uwe Jasnoch | Presseinformation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Biophotonische Innovationen auf der LASER World of PHOTONICS 2017
26.06.2017 | Leibniz-Institut für Photonische Technologien e. V.

nachricht Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten
26.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Immunabwehr: Wie Proteine Membranbläschen zusammenbringen

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Auto lernt vorauszudenken

28.06.2017 | Maschinenbau

Der Satellitenblick auf die Dürre in Kenia

28.06.2017 | Geowissenschaften